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Handball-EM : Verblasste Hoffnung

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Das „Wintermärchen“ 2007: Mit Goldkronen aus Pappe und Schnauzbärten feierten die deutschen Handballer Bild: dapd

Nach dem WM-Triumph vor fünf Jahren ging es bergab für den deutschen Handball. Wenig spricht dafür, dass die Nationalmannschaft bei der EM in Serbien die düsteren Wolken vertreiben kann.

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          Neulich hat Pascal Hens in lockerer Plauderatmosphäre erzählt, dass der Film „Projekt Gold“ zwar in seinem DVD-Regal steht, er sich bislang aber nur Ausschnitte angesehen hat. Als Erinnerung an das Wintermärchen von 2007 braucht er den Streifen nicht: „Ich kann aus dem Kopf abrufen, wie es damals war“, sagte Hens, „und manchmal tue ich das auch - weil es so geil war.“

          Fünf Jahre ist es her, dass die Deutschen im Weltmeisterschafts-Finale von Köln gegen Polen gewannen und später mit Goldkronen aus Pappe und angeklebten Schnauzbärten feierten. Der Film zeichnet die Stationen bis zum Endspiel-Triumph sehr schön nach. Er lief damals sogar in den Kinos, und der Handball mit seinen Tag für Tag aufs Neue gelieferten Nervenduellen war im Januar 2007 in aller Munde. Würde diese urdeutsche Sportart vielleicht sogar an die Beliebtheit des Fußballs heranreichen?

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          Mancher Begleiter des Handballs, auch mancher Funktionär beim Deutschen Handball-Bund (DHB), verstieg sich zu dieser These - die falscher nicht hätte sein können, wie die düstere Gegenwart zeigt. Fünf Jahre nach dem Wintermärchen in deutschen Hallen, das auf das Sommermärchen der Fußball-WM 2006 folgte und eine nie dagewesene Begeisterung für den Handball entfachte, sind die Erwartungen der Teams von DHB und DFB komplett verschieden: Während die Fußball-Nationalmannschaft mit ihrem schier unerschöpflichen Talente-Pool im Sommer nach dem Titel greift, wollen die Handballer bei der EM vom 15. Januar in Serbien nur den Abwärtstrend stoppen, der sich aus den Ergebnissen bei den letzten Großveranstaltungen ablesen lässt.

          Die Qualifikation wäre „ein Wunder“

          Seit 2007 sind die Plazierungen immer schwächer geworden. Bei der WM in Schweden vor einem Jahr wurde Deutschland Elfter. Das war eine Blamage für den größten Handballverband der Welt. Ein Ausrutscher war es nicht. Während Nationen wie Frankreich, Dänemark, Spanien und Kroatien enteilt sind und schon lange nicht mehr gegen die Deutschen verlieren, bewegen sich früher unterlegene Länder wie Ungarn, Island, Tschechien oder Schweden auf einem ähnlichen Niveau wie die DHB-Auswahl. Deswegen formuliert der neue Bundestrainer Martin Heuberger seine Ziele auch nur sehr vorsichtig: „Wir wollen in Serbien besser spielen als zuletzt und eines der Olympia-Qualifikationsturniere erreichen“, sagt Heuberger. Mit etwas Glück könnte Rang neun genügen, um an einer der drei Spielberechtigungsrunden für London im April teilnehmen zu dürfen.

          Was für das Team um Pascal Hens tatsächlich möglich ist in einer kniffligen Vorrundengruppe mit Schweden, Tschechien und Mazedonien, das wird in der Handball-Szene zurückhaltend beurteilt. Die Olympia-Qualifikation wäre „ein Wunder“ hat Bob Hanning gesagt, der Manager der Berliner Füchse. Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, sagt: „Man sollte von dieser Mannschaft nicht zu viel erwarten.“ Stefan Kretzschmar meint gegenüber dieser Zeitung: „Ich halte es im Idealfall für möglich, ins Halbfinale zu kommen. Ich halte es aber auch für möglich, dass wir in der Vorrunde ausscheiden.“

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