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Handball-EM : Deutschland verpasst Halbfinale - und Olympia

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Augen zu - und Halbfinale verpasst: Torwart Heinevetter Bild: dapd

Zum ersten Mal wird es in diesem Sommer Olympische Spiele ohne die deutsche Handball-Nationalmannschaft geben. Nach der Niederlage gegen Polen verpasste das DHB-Team das Halbfinale und die Chance sich für London zu qualifizieren.

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          Martin Heuberger stand mit gebeugtem Oberkörper da, er schüttelte den Kopf, er spürte offenbar eine Leere. Den Spielern erging es nicht anders als dem Bundestrainer nach einem bitteren Tag in Belgrad. Nach Jahren der Dürre für den deutschen Handball stand die Nationalmannschaft wieder einmal dicht vor dem Einzug in das Halbfinale eines großen Turniers, doch dieser Traum platzte am Mittwoch jäh. Mit einer 32:33-Niederlage gegen Polen in einem packenden Spiel, geprägt von großer Spannung vor allem in den letzten Minuten. Heuberger war sehr mitgenommen nach diesem folgenschweren Rückschlag, er haderte mit dem Schicksal.

          Die Deutschen hatten bei der EM schon bessere Leistungen gezeigt als am Mittwoch. Aber für ihren aufopferungsvollen Einsatz zum Abschluss der Hauptrunde hätten sie belohnt werden müssen, sagte Heuberger, „mindestens mit einem Punkt“. Er empfand das Scheitern als ungerecht. „Meines Erachtens haben das die Jungs nicht verdient.“ Und später kam es noch schlimmer: Weil sie nur Gruppenvierter wurden, nehmen die Deutschen auch nicht an einem Qualifikationswettbewerb für Olympia teil - erstmals überhaupt wird damit der deutsche Männerhandball nicht bei Olympischen Spielen vertreten sein. Ein weiterer schwerer Imageschaden für Deutschland, verbunden vermutlich mit einer schwierigen Aufbauarbeit für Heuberger. „Das ist ein GAU“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan.

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          Ausgepumpt, niedergeschlagen: Auch die Spieler waren gezeichnet von dem aufreibenden Geschehen. „Es ist schwer, Worte zu finden“, sagte Holger Glandorf. „Wir haben ein Ziel verpasst, das wir vor Augen hatten“, sagte Dominik Klein, und seine Gefühle beschrieb der Kieler Linksaußen so: „Ich bin ganz schön verärgert.“

          Die Polen, den Deutschen im WM-Finale von 2007 unterlegen, versuchten, den Spielfluss ihres Gegners mit einer offensiven Deckung nachhaltig zu stören - es war ein wirkungsvolles Mittel. Die deutsche Rückraumreihe hatte Mühe, sich in Szene zu setzen. Mit der Folge, dass die Polen, die flink auf Attacke umschalteten, sich schnell einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Nach einer Viertelstunde führten sie 10:7. Heuberger bemühte sich, sein Team aufzumuntern, er forderte mehr Aggressivität in der Verteidigung, und er wechselte beim Stande von 9:12 für Silvio Heinevetter den Lemgoer Torhüter Carsten Lichtlein ein. Heinevetter hatte sich nicht auszeichnen können.

          Mit Ballverlusten brachten die Deutschen sich immer wieder selbst in die Bredouille, sie ermöglichten den Polen damit „einfache“ Treffer. Immerhin gelang es ihnen doch, nicht zuletzt mit Lichtleins tatkräftiger Unterstützung und dank der Aufmerksamkeit von Klein, ein 10:14 wettzumachen. Der Kieler glich zum 15:15 aus, eines seiner insgesamt sieben Tore. Die Polen schienen nun auch ihrem hohen Anfangstempo ein bisschen Tribut zollen zu müssen. Heuberger hatte Klein den Vorzug vor Uwe Gensheimer gegeben, weil der Mannheimer zuletzt stärker gefordert gewesen war. Klein hingegen, sagte der Bundestrainer, sei „völlig frisch“. Heuberger durfte sich zugutehalten, klug entschieden zu haben.

          Haaß bricht das Sprunggelenk

          Heuberger hatte sein Team wenige Stunden vor dem Anpfiff auch ergänzt. Er nominierte den bislang nicht berücksichtigten Spielmacher Martin Strobel vom TBV Lemgo nach. Strobel hatte sich von Anfang an in Serbien aufgehalten. „Ich honoriere damit nicht nur seine Leistungen im Training und seine professionelle Einstellung hier in Serbien, sondern nehme ihn auch in der Überzeugung dazu, dass er unser Spiel variabler machen wird“, sagte der Bundestrainer. Strobel musste aber erst einmal auf der Bank sitzen bleiben, ebenso Kapitän Pascal Hens. Als Zuschauer also erlebten die beiden mit, wie die Polen Teil eins dieses Duells 18:17 für sich entschieden. Die Deutschen mussten, da sich für ihren Rückraum nur wenige Torgelegenheiten ergaben, vorwiegend auf ihre Kräfte auf den Außenbahnen bauen. Oder auf den quirligen Kreisläufer Christoph Theuerkauf. Den Polen mit begrenzten Möglichkeiten beizukommen, war natürlich schwierig. Und obwohl Lichtlein häufig auf der Hut war, ließ sich nicht verhindern, dass die Polen davonzogen, auf 27:24. Just in dieser Phase erhielt der Hamburger Hens, kaum dass er auf das Feld geschickt worden war, eine Zweiminutenstrafe.

          Deutschland stand nun also gehörig unter Druck. Auch weil die polnischen Schützen, wie Karol Bielecki, kaum zu stoppen waren. So erhöhte sich der Rückstand in dieser brisanten und torreichen Auseinandersetzung, auf 24:28 oder 25:29. Würde das schon die Moral der Deutschen brechen? Von wegen! Deutschland offenbarte wieder Behauptungswillen, Deutschland holte auf, der Göppinger Michael Haaß erzielte das 29:29 - und wieder wurde ein deutscher Auftritt in Serbien zu einer Nervenprobe. Dann traf sogar Hens - 30:29, noch dazu wieder einmal in Unterzahl. Die Ereignisse spitzten sich zu: Rote Karte für Klein wegen groben Foulspiels, Haaß erlitt einen Bruch des rechten Sprunggelenks, es stand 32:33 kurz vor dem Ende. Der letzte deutsche Angriff - verpuffte. Und tiefe Enttäuschung machte sich breit im deutschen Lager. Erst echt, nachdem feststand, dass Olympia endgültig verfehlt wurde.

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