https://www.faz.net/-gtl-7n2kh

Fußball-Nationalmannschaft : Noch nicht bereit wie nie

Keiner freut sich mit Paule: Nach dem Abpfiff gegen Chile Bild: dpa

Nach dem 1:0-Sieg über Chile haben nur Maskottchen Paule und Bundestrainer Löw gute Laune. Die durchwachsene Leistung ist ein weiterer Warnschuss vor der WM in Brasilien.

          4 Min.

          Nach dem Schlusspfiff zeigten die deutschen Nationalspieler nicht mal mehr kameradschaftlichen Zusammenhalt mit Paule. Das Maskottchen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft näherte sich nach Abpfiff des höchst schmeichelhaft mit 1:0 gewonnenen Testspiels gegen Chile einem Spieler nach dem anderen. Feiern aber wollte keiner der Sieger mit dem armen Paule, so dass der Student im Vogelkostüm letztlich alleine den sich geschwind leerenden Zuschauertribünen zuwinken musste.

          Vielleicht hätte sich Paule aber auch einfach ganz mutig den Bundestrainer statt der Spieler schnappen sollen für eine kleine Tanzeinlage. Denn Joachim Löw verließ das Stuttgarter Stadion eine gute Stunde später im Gegensatz zu seinen Spielern bester Laune. Als ein paar chilenische Journalisten und Fans den Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um ein gemeinsames Foto baten, blieb Löw entspannt stehen, lächelte strahlend in die Kameras und verteilte großzügig Lob. „Complimenti, Chile! Very Good“, sagte der 54 Jahre alte Fußballtrainer. Er wirkte regelrecht zufrieden, dass die deutsche Mannschaft im ersten Länderspiel des WM-Jahres trotz des frühen Siegtors von Mario Götze (18.) ihre Grenze aufgezeigt bekommen hatte.

          Theorie und Realität

          Die spielerische wie auch die läuferische Überlegenheit des Gegners aus Südamerika bestätigten Löw in seiner Mahnrede vom Wochenauftakt. Da äußerte der Bundestrainer Bedenken bezüglich Form und Fitness einiger Säulen seines Teams: Die Langzeitverletzten Sami Khedira und Ilkay Gündogan sowie die leicht verletzten oder geschonten Akteure Thomas Müller, Mats Hummels, Marco Reus oder Mario Gomez fehlten.

          Löw mahnte seine Spieler zu höchster Konzentration in der Vorbereitung auf die WM. Seine pessimistische Bestandsaufnahme drei Monate vor Beginn der WM gipfelte in dem Satz: „Wir haben in der Theorie eine gute Mannschaft, doch in der Realität sieht das anders aus.“

          Immerhin gewonnen. Vor der deutschen Elf liegt aber noch viel Arbeit Bilderstrecke

          Die deutsche Auswahl wird als einer der großen Favoriten auf den Titel angesehen, im Spiel gegen Chile ist sie mit der Realität konfrontiert worden. Es ist keineswegs so, dass sich alle Gegner schon vorab dem am Mittwoch von sechs Bayern-Spielern geprägten Team freiwillig ergeben, wie im Vereinsalltag die Widersacher des Triple-Siegers.

          Stattdessen wirken vor allem die südamerikanischen Teams, zu denen bei der WM neben Gastgeber Brasilien und Argentinien auch  noch das zuletzt sehr starke Kolumbien und Uruguay zählen, hoch motiviert, den zuletzt bei Weltmeisterschaften dominierenden Europäern mal wieder ernsthaft Paroli zu bieten.

          Mutige Chilenen

          Entsprechend agierte Chile gegen die DFB-Auswahl so mutig wie schon lange kein Gegner mehr und überraschte die deutschen Elitekicker zudem durch eine für europäische Top-Spieler mittlerweile höchst ungewohnte Grundordnung und Herangehensweise: Trainer Jorge Sampaoli ließ mit einer Dreierkette in der Abwehr inklusive eines fast klassischen Liberos spielen. Die übrigen Spieler verteidigten phasenweise über das Feld verteilt fast in Manndeckung, um Druck auf das deutsche Aufbauspiel auszuüben.

          Weitere Themen

          Aus aller Herren Länder

          Mainz 05 : Aus aller Herren Länder

          Mit wertvollen Erfahrungen im Gepäck kommen acht Mainzer Profis von ihren Nationalteams zurück. Das hebt die Laune bei Trainer Schwarz. Vielleicht beginnt schon in Düsseldorf eine neue Erfolgsgeschichte aus dem Nachwuchsleistungszentrum.

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.