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Weinbar : Kenner der unbekannten Stars

„Die Lage ist top“: Gregor Bernd in seinem Laden am Oeder Weg. Bild: Helmut Fricke

Wein trinken, Wein kaufen: Bei Gregor Bernd in Frankfurt steht in den Regalen ein sehr individuelles Sortiment. Er sucht in den berühmten Wein-Nationen nach hidden champions. Ein Gespräch über Handel und Winzer.

          4 Min.

          Herr Bernd, dem Einzelhandel wird nachgesagt, dass seine Tage gezählt seien, weil er nicht konkurrenzfähig sei gegen das Angebot im Internet. Wie ist das bei Läden wie Ihrem, die auf Wein spezialisiert sind?

          Jacqueline Vogt
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn du Wein verkaufst, kommt es vor allem auf die Beratung an und darauf, dem Kunden ein Erlebnis zu bieten. Und natürlich darauf, etwas zu haben, was er woanders nicht bekommt. Das heißt in meinem Fall, dass so gut wie alle Weine, die ich anbiete, nicht im Netz verfügbar sind. Bei mir ist es so, dass ich die Weine nicht über Großhändler kaufe, sondern direkt importiere. Das sind ganz individuell handgefertigte Weine von meistens kleinen Familienweingütern. Die Winzer, bei denen ich kaufe, sind Leute, die ihr Sortiment sonst noch gar nicht in Deutschland anbieten.

          Nach welchen Produkten suchen Sie?

          Nach Weinen, die ihre Herkunft widerspiegeln, die sortentypisch sind und typisch sind für das Terroir. Trotzdem muss eine eigene Philosophie des Winzers spürbar sein, eine Authentizität. Die Weine müssen für mich sehr elegant sein. Und, ganz wichtig, weil es dem Verbraucher ja schmecken muss: Am Ende müssen die Weine auch zugänglich sein. Durch die Expertise, die ich habe, finde ich diese Weingüter.

          Welches zum Beispiel?

          Ein gutes Beispiel ist das Weingut Valentino Butussi aus dem Friaul, ein kleines Familienweingut mit 20 Hektar, das von drei Brüdern betrieben wird.

          Beschreiben Sie doch mal ein Erzeugnis dieses Betriebs.

          Das Friaul hat viele autochthone Rebsorten, die eine ganz eigene Typizität haben. Der „Rosso di Corte“ 2012 von Valentino Butussi besteht zu mehr als 70 Prozent aus Refosco, das ist eine dieser autochthonen Rebsorten. Sie ist sehr würzig, geht vom Aromenspiegel her in die Tabaknuancen hinein. Der Refosco ist verschnitten mit Cabernet Sauvignon und Merlot, also internationalen Rebsorten, um den Wein rund und weich zu machen. Was auch besonders ist: Es ist ein Jahrgang 2012, der Wein wurde aber erst im Januar 2019 auf den Markt gebracht. Es gibt nur wenige Winzer, die so lange damit warten, einen Wein zu verkaufen.

          Und warum tut einer das?

          Es geht darum, dass der Winzer seinen Wein im jüngstmöglichen, aber schon einigermaßen zugänglichen Stadium anbieten will. Dieser Wein ist 24 Monate im Holzfass gereift, sechs Monate lag er noch einmal im Zement-Tank und ist noch mindestens 30 Monate in der Flasche gereift.

          Ein enormer Aufwand . . .

          . . . und eine enorme Kapitalbindung. Und trotzdem sind die Weine am Ende des Tages immer noch für ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis zu haben.

          Wo bewegen sich die Preise für das, was Sie anbieten?

          Im Feld zwischen acht und etwa 50 Euro, das meiste liegt zwischen zehn und 25 Euro.

          Sie haben auf Ihre Expertise verwiesen. Wie war Ihr Lebensweg, bevor Sie Weinhändler wurden?

          Nach dem Abitur habe ich eine Winzerausbildung im Rheingau gemacht, auf Schloss Vollrads und im Weingut Robert Weil. Dann habe ich ein Masterstudium in Önologie, Weinwirtschaft und Weinbau in Wien absolviert. Ich habe im Einkauf für den Fachhandel und für den Großhandel gearbeitet, einen Master of Science and European Business gemacht, eine Kosterprüfung in Österreich abgelegt. Und was ich mit Expertise gemeint habe: Das eignet man sich über viele Jahre an, über die Ausbildung, die Praxis, das Probieren: learning by doing. Das alles führt dazu, dass man sich ein Geschmacksprofil aufbaut und für sich selbst ein Preis-Genuss-Verhältnis definieren kann.

          Was oder wer hat Ihre grundsätzliche Liebe zum Schmecken begründet?

          Mein Stiefvater. Ein begeisterter und sehr guter Hobbykoch, der meine gesamte Kindheit hindurch wirklich jeden Tag etwas anderes gekocht hat.

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