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Kommentar : Überfällige Verkehrswende

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit 800 Millionen Euro im Jahr hat der öffentliche Nahverkehr in Hessen endlich wieder eine solide Basis. Es gibt keine Leistungskürzungen, vielmehr wird das Angebot ausgeweitet.

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          Der Dienstag war wieder einmal ein Tag, an dem jeder sehen konnte, dass es ohne Züge nicht geht. Autopendler, die in Richtung Frankfurt auf der A5 unterwegs waren, steckten wegen mehrerer Unfälle im Stau fest. Später musste auch noch die A3 wegen eines Unfalls am Flughafen zeitweise gesperrt werden. Zum Glück gibt es den öffentlichen Nahverkehr. Ohne ihn, also ohne Busse und Bahnen, wäre auf den Straßen jeden Tag kein Durchkommen mehr.

          Vor zwei Jahren stand diesem öffentlichen Nahverkehr das Wasser bis zum Hals. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund überlegte sich, ob er wegen Geldmangels S-Bahnen und Regionalzüge streichen sollte. Die Bundesregierung, diesen Eindruck musste man damals gewinnen, schien den ÖPNV aushungern zu wollen, sie weigerte sich, die Regionalisierungsmittel, die wichtigste Finanzierungsquelle für den öffentlichen Nahverkehr, zu erhöhen.

          Mit vereintem Einsatz ist es den Ländern vor einem Jahr gelungen, den Bund zu einer Erhöhung dieser Mittel von 7,4 auf 8, später auf 8,2 Milliarden Euro und einer jährlichen Aufstockung um 1,8 Prozent zu bewegen. Damit haben der Regional- und Nahverkehr eine halbwegs solide Basis.

          Nun hat sich auch Hessen dazu durchgerungen, eigenes Geld in den öffentlichen Nahverkehr zu stecken und zudem die ÖPNV-Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich zu erhöhen. Jetzt stehen für die drei hessischen Verbünde in den nächsten fünf Jahren jeweils etwa 800 Millionen Euro zur Verfügung. Damit ist zumindest die Hälfte der überfälligen Verkehrswende geglückt. Denn der laufende Betrieb ist gesichert. Und: Es gibt keine Leistungskürzungen, vielmehr wird das Angebot ausgeweitet.

          Die zweite Hälfte der Verkehrswende besteht im Ausbau des Schienennetzes. Mit ihm wird in Rhein-Main gerade begonnen. Mit viel Glück wird er in zwei Jahrzehnten beendet sein. Immerhin besteht Hoffnung, dass die unendliche Geschichte etwa der Nordmainischen S-Bahn in absehbarer Zeit in das Stadium der Verwirklichung eintritt. Nichtstun, das muss jeder wissen, führt in den Verkehrsinfarkt.

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