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Stefan Aigner über den Mannschaftsgeist der Eintracht : „Martinez kostet mehr als unser ganzer Kader“

  • Aktualisiert am

Angekommen: Stefan Aigner hat sich unter der Regie von Trainer Armin Veh als torgefährlicher Erstliga-Profi etabliert. Bild: picture alliance / dpa

Der gebürtige Münchner ist ein Gewinner der Bundesligasaison bei Eintracht Frankfurt. Sein Erfolgsgeheimnis: Einfach nicht so viel über Fußball nachdenken.

          Sie sind gebürtiger Münchner. Der TSV 1860 ist Ihr Heimatverein. Verfolgen Sie dessen Entwicklung seit Ihrem Abschied im vergangenen Sommer noch?

          Auf alle Fälle. Ich war erst vorletzte Woche wieder auf dem Trainingsgelände, habe die Kabine besucht und mir vor Ort das Lautern-Spiel angeschaut. Die Kontakte sind nach wie vor gut.

          Sie sind noch immer mit halbem Herz ein „Blauer“. Und jetzt kommen die „Roten“ nach Frankfurt. Die wollen Sie mit der Eintracht auch aus Verbundenheit zu Ihrem ehemaligen Klub ärgern, oder?

          Ich mag den Mund nicht voll nehmen. Man hat es bei den Hamburgern gesehen, die haben vor dem Spiel bei den Bayern alle viel gesprochen und dann neun Stück bekommen. Ich bin lieber einer, der den Ball außerhalb des Platzes flach hält und auf dem Feld Gas gibt. Für mich ist es kein spezielles Spiel. Sondern ein ganz normales, wie die 33 anderen auch. Es wird nur extrem schwer, wenn wir wollen, dass diesmal die Punkte bei uns bleiben. Wenn die Bayern einen schlechten Tag erwischen sollten, und wir über unseren Möglichkeiten spielen, ist vielleicht was drin.

          Ist den Münchnern in ihrer aktuellen Verfassung also nur mit einer Portion Glück beizukommen?

          Egal, ob die mit ihrer 1a-, 1b- oder 1c-Aufstellung antreten, die Kräfteverhältnisse sind klar: Wir sind Außenseiter. Alleine Javier Martinez hat ja mehr an Ablösesumme gekostet als unser gesamter Kader. Es ist für uns eine echte Monsteraufgabe.

          Spekulieren Sie nicht ein bisschen darauf, dass die Bayern zwischen den beiden Viertelfinalspielen gegen Juventus Turin den Auftritt in Frankfurt auf die leichte Schulter nehmen könnten?

          Ihre individuelle Klasse ist so stark, dass es sich verbietet, vorab irgendwelche Mutmaßungen anzustellen.

          Spielt es eine Rolle, dass die Münchner an diesem Samstag ihren 23. Titel auch rechnerisch perfekt machen können?

          Für uns nicht. Sie sind es ja eigentlich schon. Und vielleicht feiern Sie die Meisterschaft ja lieber daheim in ihrem vollen Stadion mit ihren Fans.

          Wenn Sie die Bayern in der Champions League im Fernsehen sehen, schauen Sie das Spiel dann wie ein Fan oder beobachten Sie ganz gezielt, wie sich einzelne Spieler, zum Beispiel Alaba, auf den sie ja möglicherweise direkt treffen, im Zweikampf verhalten?

          Ich schaue mir das so normal an wie jeder andere auch. Was sollte es für mich bringen, wenn ich genauestens verfolge, wie sich ein Abwehrspieler des kommenden Gegners über neunzig Minuten präsentiert? Das macht für mich keinen Sinn. Ich beschäftige mich nicht rund um die Uhr mit Fußball, denn dann würde ich mich verrückt machen. Ich will Spaß am Fußball haben, das ist es, was mich jeden Tag aufs Neue antreibt.

          Sie sind 25 Jahre alt und bald geht eine Bundesligasaison für Sie zu Ende, die Ihnen viele glanzvolle Momente bescherte. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie den Durchbruch geschafft haben?

          Ich war erst 18, als ich von Burghausen nach Bielefeld in die Bundesliga ging. Da lag gerade mal eine gute Saison in der zweiten Liga hinter mir. Mit dem Wissen, das ich jetzt habe, ist mir klar, dass das damals zu früh war. Bei der Arminia habe ich mich ziemlich unwohl gefühlt, war das erste Mal weiter weg von der Heimat und kam in dem neuen Umfeld nicht klar. Ich war oft verletzt, das resultierte vermutlich aus den unschönen Begleitumständen, und habe nur fünf Spiele gemacht. Trotzdem war es lehrreich. Nach drei Jahren wieder bei 1860, wo ich ordentliche Leistungen gebracht habe, war es an der Zeit, noch mal den Schritt zu wagen. Und heute kann ich sagen, es hat sich gelohnt, dass ich zur Eintracht bin.

          Resultiert diese Erkenntnis ausschließlich aus dem sportlichen Erfolg?

          Nein, überhaupt nicht. Frankfurt ist was ganz anderes als Bielefeld. Hier fühle ich mich sehr wohl. Die Stadt ist toll und macht es einem leicht, sich als Fremder gut aufgehoben zu fühlen. Wir wohnen außerhalb, kommen aber immer gerne auf einen Kaffee in die Stadt oder in eines der vielen Restaurants.

          Gehören Sie auch zu der Gruppe der Hunde-Freunde im Mannschaftskreis der Eintracht, die sich regelmäßig zu Spaziergängen trifft?

          Ja. Meine Freundin hat einen kleinen Hund, außerdem gibt es in unserer Familie noch einen größeren, der ab und an zu Besuch bei uns ist, den nehmen wir dann auch mit.

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