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Autobahn GmbH in Frankfurt : Keine milde Gabe

Die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil leitet den Verkehr auf Autobahnen in Echtzeit. Bild: dpa

Das Land Hessen lebt von seiner Funktion als Drehscheibe. Dass das Land im Herzen Europas 2021 die Verkehrszentrale Deutschland bekommt, ist allerdings keine nette Gefälligkeit – sondern eine notwendige Entscheidung.

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          An Hessen führt kein Weg vorbei. Der alte Werbespruch gilt auch und vor allem für das Verkehrswesen. Das Land lebt von seiner Funktion als Drehscheibe, der Frankfurter Flughafen, der Hauptbahnhof der Mainmetropole als wichtigster Schienenknoten der Republik, die großen Autobahnen sorgen dafür, dass das Land in der Mitte Europas prosperiert.

          Gerade deswegen bleibt es so unverständlich, dass die neue Bundesautobahngesellschaft ausgerechnet in Hessen keine Niederlassung einrichtet. Das hessische Autobahnnetz wird in Zukunft von Niederlassungen in drei benachbarten Bundesländern aus verwaltet. Fachlich ist das grober Unfug, politisch aber nicht mehr zu ändern. Selbst das gute Zureden von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat seinen Parteifreund von der CSU nicht umstimmen können: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer blieb verstockt.

          Nun bekommt Hessen immerhin die Verkehrszentrale Deutschland, die am 1. Januar 2021 im House of Logistics and Mobility (Holm) in Frankfurt ihre Arbeit aufnehmen wird. Sie soll den Verkehr auf den Autobahnen mit raffinierten digitalen Methoden steuern und lenken, vor allem den auf den langen Autobahnkorridoren, die von Norden nach Süden und von Osten nach Westen durch die Republik führen.

          Die Ansiedlung der Zentrale in Hessen stellt keine milde Gabe, sondern eine notwendige Entscheidung dar. Denn die moderne Verkehrslenkung wurde maßgeblich in Hessen entwickelt, nämlich von der Straßenverwaltung Hessen Mobil, die sich dem technischen Fortschritt oft schneller geöffnet hat als die Straßenverwaltungen anderer Länder. Weil die Hessen hier eine Vorreiterrolle spielen, hat die Autobahngesellschaft sich dafür entscheiden, die hessische Verkehrszentrale im Holm aufzurüsten und auszubauen, auf dass von dort aus künftig der Autobahnverkehr koordiniert wird.

          Ob die Bundesautobahn-Gesellschaft die hessischen Autobahnen so gut betreibt und instand hält wie bisher Hessen Mobil, muss sich erst noch zeigen. Immerhin haben jetzt die Mitarbeiter von Hessen Mobil Klarheit bekommen. Jene, die zur neuen Gesellschaft wechseln, erhalten eine Jobgarantie und werden materiell nicht schlechter gestellt als bisher. Die Zeit der Unruhe und des Bangens sind vorbei. Nun muss die neue Gesellschaft beweisen, dass sie es kann.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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