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Frankfurter Psychiatrie : Vom Shitstorm wachgerüttelt

  • -Aktualisiert am

Nach kritischen Berichten über die Zustände der Psychiatrie in Höchst weitet sich Kritik auf andere Kliniken aus. Bild: Lukas Kreibig

Ein Bericht des Fernsehsenders RTL hat angebliche Missstände im Klinikum Frankfurt-Höchst und dessen Psychiatrie aufgedeckt. Erst die öffentliche Kritik zwingt die Verantwortlichen nun zum Handeln.

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          Was muss alles geschehen, damit sich etwas ändert? Diese Frage kann an vielen Stellen gestellt werden, bezieht sich dieses Mal jedoch auf das kommunale Klinikum Frankfurt-Höchst und dessen Psychiatrie. Die steht seit einem Bericht des Fernsehsenders RTL in der öffentlichen Kritik. Viele sind über die Zustände auf der geschlossenen Station, wie sie im Fernsehen gezeigt wurden, entsetzt.

          Auch Klinikleitung und -träger sowie das Sozialministerium als Fachaufsicht reagieren mit Betroffenheit. Es hätten bisher keine „offiziellen Beschwerden“ von Patienten oder Angehörigen vorgelegen, auf die man hätte reagieren können, hieß es gestern in einer Pressekonferenz im Landtag. Auf Nachfrage gaben aber alle Beteiligten zu, dass es in der Vergangenheit immer wieder Kritik am Konzept und an den Zuständen in der Psychiatrischen Klinik gegeben hatte. „Mängel waren und sind bekannt gewesen“, gestand Klinik-Geschäftsführerin Dorothea Dreizehnter ein. Doch erst nach dem öffentlichen Aufschrei und dem Shitstorm im Internet wird den Vorwürfen ernsthaft nachgegangen, werden Verbesserungen versprochen.

          Dreizehnter stellte sich gestern aber auch vor ihre Mitarbeiter. Viele Zuschauer reagierten so geschockt, weil sie nicht wüssten, wie es in der Psychiatrie zugehe, meinte sie. Die Arbeit auf der geschlossenen Station sei eine der schwersten im Klinikum. Die Polizei bringe an einem Wochenende bis zu 16 Patienten mit Psychosen und Suchtkrankheiten in die geschlossene Abteilung. Die Betroffenen zeigen ein „herausforderndes Verhalten“, wie es Psychologen nennen. Sie haben einen großen Bewegungsdrang, schreien, wollen sich nicht behandeln lassen, werfen mit Gegenständen und schlagen um sich. Das bringt Pflegekräfte und Behandler an ihre Grenzen.

          Dennoch bemühen sie sich auch um diese Klienten, wollen sie nicht wegsperren oder separieren. Es muss deswegen auch darüber diskutiert werden, wie viel die Gesellschaft bereit ist auszugeben, damit diese Patienten in ansprechenden Räumen und von mehr Personal, das sich um sie kümmert, behandelt werden können. Alles andere wäre scheinheilig.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

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