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Fahrradfahrer in Frankfurt : Mehr Sicherheit, mehr Staugefahr

  • -Aktualisiert am

Fußmarsch für freie Fahrt: Die FDP will, dass die Friedberger Landstraße ihre beiden Autospuren behält. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Friedberger Landstraße ist für Radfahrer gefährlich. Jetzt soll sie Radstreifen bekommen und für Autos einspurig werden. Gegner und Befürworter streiten darüber heftig.

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          An der Unfallstelle steht als Mahnung ein weiß lackiertes Fahrrad. Hier, auf der Kurt-Schumacher-Straße neben dem AOK-Gebäude, ist am 3. August ein 60 Jahre alter Radler von einem Lastwagen überfahren und getötet worden, als er offenbar auf dem Bürgersteig Fußgängern auswich und sein Rad plötzlich auf die Kurt-Schumacher-Straße lenkte. Warum der Mann nicht gleich auf der Straße gefahren ist? Wohl weil diese vom Börneplatz an bis zur Zeil und zum Friedberger Tor keinen Radweg besitzt.

          Nun bekommt zumindest die Kurt-Schumacher-Straße einen Radstreifen. Arbeiter beseitigen seit gestern auf der Kreuzung von Battonnstraße und Kurt-Schumacher-Straße die alten Fahrbahnmarkierungen und zeichnen mit weißer Farbe entlang der Kurt-Schumacher-Straße einen Schutzstreifen für Radfahrer ein. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat die Arbeiten angeordnet und folgt damit der Empfehlung der städtischen Unfallkommission, die jeden tödlichen Unfall im Straßenverkehr untersucht und Vorschläge macht, wie weitere Unglücke verhindert werden können.

          Kurz bevor am Börneplatz die Arbeiter zur Markierung eines Radstreifens anrücken, demonstrieren einen Kilometer weiter nördlich am Nibelungenplatz etwa 30 Mitglieder der FDP gegen die Pläne des SPD-Verkehrsdezernenten, entlang der gesamten Friedberger Landstraße Radwege und Radstreifen zu schaffen. Ihre Parole lautet: „Friedberger Landstraße soll zweispurig bleiben.“ Sie meinen damit: zweispurig für Autos.

          Verkehrsplanung?

          Entfalle zu Gunsten der Radler eine Autospur, werde es jeden Tag zu Staus auf der Friedberger Landstraße kommen, warnt die FDP-Fraktionschefin im Römer, Annette Rinn. Die Friedberger, so ergänzt der FDP-Fraktionschef im Ortsbeirat Nordend, Thomas Fruhwirth, sei die einzige Nord-Süd-Autoverbindung zur Innenstadt; man dürfe ihre Leistungsfähigkeit nicht einschränken.

          Ihre Aktion richte sich nicht gegen Radler, beteuern die FDP-Demonstranten. Im Gegenteil: Man verlange seit Jahren einen schnellen Radweg durchs Nordend, sagt Ortsbeirat Fruhwirth. Doch es passiere einfach nichts. Welchen Weg er sich vorstellen kann? Durch die Rotlintstraße über den Bäckerweg und dann um den Bethmannpark herum in Richtung City, lautet seine Idee. Das Problem dürfte der Bethmannpark sein, der sich zwischen Innenstadt und Nordend schiebt und diese Route blockiert. Es sei der Job der Verkehrsplaner, hier eine Lösung zu finden, sagt Fruhwirth.

          Für eine halbe Stunde wollen die FDP-Demonstranten den Autofahrern zeigen, was passiert, wenn auf der Friedberger eine Spur für den Autoverkehr blockiert ist: Sie stehen im Stau. Allerdings kommt es zu der langen Schlange hinter dem Demonstrationszug auch deshalb, weil die Polizei alle beiden Spuren stadteinwärts gesperrt hat.

          Risiken und Uneinigkeiten

          Erstaunlich ist, wie viele Radler an diesem schönen Morgen auf der Friedberger Landstraße unterwegs sind, obwohl das Fahren dort nicht ungefährlich ist. Vom Nibelungenplatz bis zum Matthias-Beltz-Platz finden sie zwar auf beiden Seiten der Straße einen Radweg. Doch von dort an müssen sie sich die Fahrbahn mit den Autofahrern teilen, ohne dass ein Radstreifen markiert ist. Diese Risikostrecke erstreckt sich stadteinwärts bis zum Börneplatz, und auch stadtauswärts sieht es für Radler nicht besser aus. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis hier wieder ein tödlicher Unfall passiert.

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          Nun soll sich die Situation für die Radler dadurch verbessern, dass zumindest vom Börneplatz bis zum Friedberger Tor ein Radstreifen auf der Fahrbahn eingezeichnet wird, wodurch allerdings eine Autospur entfällt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein kritisiert Oesterling für diese Entscheidung scharf: Der Verkehrsdezernent verenge eine der wichtigsten innerstädtischen Durchgangsstraßen für den Autoverkehr und produziere damit Stau. „Oesterling setzt sich sturköpfig darüber hinweg, dass es für diese Entscheidung keine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung gibt, und verweigert sich dem Gespräch über bessere Alternativen“, sagt Löwenstein.

          Das Aufpinseln von Markierungen für einen Radstreifen kann der Verkehrsdezernent zwar tatsächlich von sich aus anordnen. Doch spätestens, wenn es an den Abschnitt vom Friedberger Tor bis zum Matthias-Beltz-Platz geht, braucht er die Zustimmung des Stadtparlaments und hier vor allem die der CDU, die mit der SPD und den Grünen die Regierungskoalition bildet. Denn dann reichen weiße Farbe und ein paar Schilder nicht mehr aus. Auf dieser Strecke muss einiges für viel Geld baulich verändert werden. Und Geld gibt es für Oesterling wohl nur mit Zustimmung der Koalitionspartner.

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