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1. FFC Frankfurt : „Wir haben großes Potential im Kader“

  • -Aktualisiert am

Dirigent am Spielfeldrand: Niko Arnautis setzt auf die Dynamik der Jugend. Bild: Imago

FFC-Manager Siegfried Dietrich und Trainer Niko Arnautis sprechen über eine mögliche Kooperation mit der Frankfurter Eintracht, die Mühen des Rückweges nach oben und den bewussten Verzicht auf teure Spitzenkräfte.

          Herr Arnautis, Manager Siegfried Dietrich behauptet immer, er habe nicht viel Ahnung von Fußball. Stimmt das?

          Arnautis: Siggi ist bei vielen Spielerinnensitzungen dabei, also kann er inzwischen bestimmt auch viel Taktisches umsetzen (lacht). Aber Spaß beiseite: Er ist schon lange im Geschäft...

          Dietrich: ...seit bald 30 Jahren bin ich im Frauenfußball tätig.

          Arnautis: Wer so viele Spiele und auch Spielerinnen gesehen hat, der hat Ahnung von Fußball.

          Arbeiten Sie mit dem seit drei Jahren verfolgten Weg, auf junge Spielerinnen zu bauen, schon an Ihrem Vermächtnis, Herr Dietrich?

          Dietrich: Es wird darauf ankommen, wie wir uns als reiner Frauenfußballverein in einer Zeit positionieren, in der viele Männervereine in den Frauenfußball investieren. Der VfL Wolfsburg ist mittlerweile das, was wir zu Beginn des Jahrtausends waren: Branchenprimus. Aber ich bin mir sicher, dass dies nicht immer so bleiben wird und die anderen Mannschaften bald wieder aufschließen können.

          Wie lange wird der FFC noch ein Frauenfußballverein sein?

          Dietrich: Es ist ja bekannt, dass wir mit Eintracht Frankfurt Gespräche führen. Die Prämisse lautet, Kooperationspotentiale zu prüfen und Ideen mit Win-win-Situation zu entwickeln.

          Der FFC hat nach zwölf Spielen fünf Siege, fünf Niederlagen und zwei Remis bei einer Tordifferenz von 24:24 gesammelt – Mittelmaß. Nach welchen Kriterien bewerten Sie Erfolg oder Misserfolg in dieser Saison?

          Arnautis: Wir haben zu Beginn der Runde gesagt, dass für uns die Spielweise und die Weiterentwicklung zählen, unabhängig von Tabellenplatz oder Punktzahl. Wenn wir A-Nationalspielerinnen aus den eigenen Reihen hervorbringen, wie es mit Janina Hechler, Tanja Pawollek und Laura Freigang geglückt ist, und unsere Leistungen aus der Hinrunde bestätigen können, dann sind wir sehr zufrieden. Ob es dann am Ende Platz vier, fünf, sechs oder sieben wird, hängt auch von Unwägbarkeiten ab – die Liga ist ausgeglichen.

          Der Aderlass an Topspielerinnen war groß in den vergangenen Jahren. Wie groß ist die Gefahr, dass der Umbruch zum Dauerzustand wird?

          Dietrich: Wir nennen es lieber Entwicklung statt Umbruch. Und Entwicklung heißt manchmal auch, Geduld walten zu lassen. Dass andere Vereine derzeit über höhere Summen verfügen, müssen wir akzeptieren. Wir versuchen, uns auch mal über Widerstände hinwegzusetzen.

          Angenommen, die Entwicklung von jungen Spielerinnen wie Janina Hechler, Tanja Pawollek oder Laura Freigang geht weiter voran wie bisher. Werden Sie diese Spielerinnen in zwei bis drei Jahren noch beim FFC halten können?

          Dietrich: Es besteht immer die Gefahr, Perspektivspielerinnen zu verlieren. Aber es geht auch um die Identifikation mit dem FFC – und die ist bei den jungen Spielerinnen sehr ausgeprägt. Zumal die Genannten alle auch Verträge bis mindestens Sommer 2020 bei uns haben. Sie spüren, dass der Trainer ihnen vertraut und sie viel Spielzeit erhalten.

          Arnautis: Idealerweise können wir mit diesen Mädels so eine starke Mannschaft formen, dass sie gar nicht wechseln müssen. Das bedeutet: Wenn sich alle so gut entwickelten, dass sie beispielsweise nach Wolfsburg wechseln könnten, dann sind auch wir beim FFC in der Lage, Wolfsburg zu besiegen. Natürlich werden andere Vereine darauf aufmerksam, wenn sich junge Spielerinnen so stark entwickeln. Aber regelmäßige Spielzeit bekommen sie eher bei uns. Und wenn sie bleiben, dann sind wir in zwei, drei Jahren vielleicht wieder in der Lage, oben mitzuspielen.

          Um die Qualifikation für die Champions League?

          Arnautis: Ja, das traue ich uns mittelfristig schon zu.

          Sie beide strahlen Lust und Begeisterung für den neuen Weg des FFC aus, die Zuschauer weniger. Zuletzt haben sich regelmäßig weniger als 1000 Zuschauer zu den Heimspielen aufgemacht.

          Dietrich: Dafür sind die, die kommen, begeisterter denn je.

          Arnautis: Das hat man bei unserem 2:3-Anschlusstreffer neulich gegen Meister Wolfsburg gespürt. Ich weiß nicht, wann in unserem Stadion zuletzt so laut gejubelt wurde.

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