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Zu Goethes 271. Geburtstag : Über Seuchen und Sonette

Gefühlsduselei oder Vernunft: Goethe über die Liebe (Symbolbild). Bild: © epd-bild / Keystone

Spricht jemand von Ansteckungsgefahr, denkt man aktuell wohl an das Corona-Virus. Goethe, exakt vor 271 Jahren geboren, hingegen konnte seinerzeit nicht vom Verfassen von Sonetten ablassen. Infiziert wie er war, schrieb er über die Liebe.

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          Die Seuche, von der er redet, ist das zu seiner Zeit grassierende Verfassen von Sonetten. Er selbst konnte von dieser Gedichtform nicht lassen, ebenso wenig wie von den Freuden der Liebe. Wie er der Ansteckungsgefahr zu trotzen versuchte und schließlich dennoch aus der Quarantäne floh, bedichtet Goethe 1808 – natürlich in einem Sonett. Am Anfang beschreibt er den Nutzen von sozialer Distanz:

          „Wenn durch das Volk die grimme Seuche wütet,
          Soll man vorsichtig die Gesellschaft lassen.
          Auch hab’ ich oft mit Zaudern und Verpassen
          Vor manchen Influenzen mich gehütet.“


          Mit Gefühlsduselei infiziert

          Abstand wahren, auch wenn erotische Keime in der Luft zirkulieren:

          „Und ob gleich Amor öfters mich begütet,
          Mocht’ ich zuletzt mich nicht mit ihm befassen.
          So ging mir’s auch mit jenen Lacrimassen,
          Als vier – und dreifach reimend sie gebrütet.“


          Ein Sonett hat zwei vierzeilige und zwei dreizeilige Strophen, Lacrimassen bedeutet hier Gefühlsduselei. Aber es nützt alles nichts. Der Dichter ist infiziert, die Vernunft bleibt auf der Strecke:

          „Nun aber folgt die Strafe dem Verächter,
          Als wenn die Schlangenfackel der Erinnen
          Von Berg zu Tal, von Land zu Meer ihn triebe.

          Ich höre wohl der Genien Gelächter;
          Doch trennet mich von jeglichem Besinnen
          Sonettenwut und Raserei der Liebe.“

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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