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Sprache in der Krise : No front

Auch Werbeplakate geizen nicht mit englischen Begriffen. (Archivbild) Bild: dapd

Einige Bekannte sind convinced, unsere Sprache werde in ein paar Jahrzehnten aussterben und durch die englische ersetzt. Doch: Kein Grund, sich lost zu fühlen! Auch wenn wir es trotzdem manchmal sind. Oder sind wir cringe?

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          Was gestern noch ganz nett war, ist heute ziemlich nice, und dass ich am Abend Netflix gucke, ist so was von safe. Wer, statt vor dem Laptop Binge-Watching zu betreiben, ein Buch verschlingt, gilt in manchen Haushalten mittlerweile als einigermaßen cringe, wahlweise auch cringy, ein komischer Typ halt, hätte man vor einiger Zeit noch gesagt, aber – oh Wunder, es gibt auch deutsche jugendsprachliche Ausdrücke – er ist wohl in den Augen vieler seiner Generationsgenossen eher ein Lauch.

          Wobei nicht jeder, der liest, wenden wir ein, ein solcher sein muss, es gibt schließlich auch coole junge Leute, die sich in Texte zwischen zwei Buchdeckeln vertiefen. Das war mal ein Zeichen dafür, dass jemand schlau ist, by the way.

          Bitte schön, höre ich euch sagen, wer sich durch einen Roman quälen möchte, soll das gerne tun, und wenn einem dann ein „Du liest, digger?“ über die Lippen kommt, ist das nicht böse, sondern allenfalls ein bisschen bedauernd gemeint. No front. Sinngemäß: Soll keine Beleidigung sein. Auch wenn ein Alman vielleicht komisch aus der Wäsche schaut, wenn man ihn so anredet. Na schön, vor allem wenn er älter ist.

          Die Jüngeren lächeln darüber. Denn da können sie noch so deutsch sein, gerade das Deutsche wollen sie unbedingt loswerden. Wie uns die deutsche Netflix-Serie „Biohacking“ lehrt, die unter Freiburger Studierenden spielt, nutzen auch junge Erwachsene mittlerweile einen Denglisch-Slang, dessen Ausmaß noch nicht abzusehen war, als RTL-Moderatoren begannen, von der besten Show ever zu sprechen.

          Nun sind einige Bekannte total convinced, unsere Sprache werde in ein paar Jahrzehnten ohnehin aussterben und durch die englische ersetzt, zumal etliche Abiturienten keine Ahnung mehr von der deutschen Vokabel-Vielfalt haben. Andere halten es für einen ganz gewöhnlichen Vorgang, dass sich das gesprochene Wort ändert. Kein Grund, sich lost zu fühlen. Wir sind es trotzdem manches Mal.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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