Internationale Maifestspiele : Wie Pina Bausch, nur irisch
Mit der eigenen Tochter im Zentrum des Geschehens: Der irische Choreograph Michael Keegan-Dolan gastiert mit der Compagnie Teac Damsa bei den Maifestspielen in Wiesbaden.
Wiesbaden ⋅ Als der Vorhang sich hebt, thront in der Mitte der Bühne ein Mischwesen im Zwielicht. Dem menschlichen Körper ist der Kopf eines Steinbocks aufgesetzt. In den Händen hält das Wesen eine Konzertina, zieht sie langsam auseinander und schiebt sie wieder zusammen. Nur der Luftzug des Instruments ist zu hören. Auf der leeren Bühne vor ihm steht ein alter Holztisch, auf dem ein Mädchen in einem weißen Kleid sitzt. Unbeeindruckt von ihrer Umgebung zieht sie aus der Schublade des Tisches eine Tüte Chips hervor, beginnt zu essen. Bis plötzlich ein Riss durch das Raum-Zeit-Gefüge zu gehen scheint, ein lautes, elektrifiziertes Knistern zu hören ist, die Lichter auf der Bühne und Zuschauerraum wild aufflackern. Ein großer Vorhang rutscht krachend von der Stange, gibt den Blick auf dreizehn maskierte, schwarz gekleidete Personen frei, mit denen sich das Mädchen nun konfrontiert sieht.
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