Museum für Kommunikation :
„Familie ist Kommunikation“

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„Familienmedien“: In einem Ausstellungsraum im Museum für Kommunikation geht es darum, wie Familien verschiedene Medien nutzen.
„Familienmedien“: In einem Ausstellungsraum im Museum für Kommunikation geht es darum, wie Familien verschiedene Medien nutzen.Michael Hinz

Die Ausstellung „Familienbande“ im Museum für Kommunikation macht Familienbeziehungen von der Vergangenheit bis zum digitalen Zeitalter greifbar.

Auf einer großen Tafel stehen Geburtstagskuchen, Blumen, Platzkarten und Kerzen. Unter dem Tisch ist Platz für die Kinder, um sich zu verstecken und ein Wimmelbild an der Unterseite der Tischplatte zu inspizieren. Im Wohnzimmer nebenan kann Wii gespielt werden, und in der Küche liegt ein offenes Kochbuch mit handgeschriebenen Rezepten auf der Theke. Was nach einer typischen Familienfeier klingt, findet sich nun in einem Museum.

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt hat seine neue Wechselausstellung „Familienbande“ eröffnet. Die Ausstellung ist gestaltet wie eine Wohnung: mit Flur, Arbeitszimmer, Wohnzimmer, Küche und Garten. Hier können Besucher herausfinden: Wer gehört zu einer Familie? Wie kommunizieren sie? Und wie prägen sich Familienmitglieder gegenseitig? Interaktive Stationen erlauben eigene Recherche über die persönliche Familiengeschichte, auch in der Zeit des Nationalsozialismus, eine Diskussion über beliebte und unbeliebte Familientraditionen oder ein Duell an der Konsole.

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„Wir möchten, dass die Menschen ins Gespräch kommen über Familie“, erklärt Annabelle Hornung, die Direktorin des Museums. Der Familienbegriff wird hierbei weit gefasst. „Familie ist nicht nur biologische Abstammung, sondern auch gelebte Beziehung“, sagt Marina Schilke, eine der Ausstellungskuratorinnen. Familie könnten auch Freunde, Vereine oder digitale Communitys sein, so Hornung.

„Familie ist nicht nur privat, sondern heute auch politisch“

Unabhängig von der Zusammensetzung der Familie gelte aber eines: „Familie ist Kommunikation.“ Ob durch Gespräche am Küchentisch, Nachrichten in einer Messenger-Gruppe oder die Fotos im Fotoalbum oder der Handygalerie, über die noch in vielen Jahren gelacht wird. Darüber hinaus ist die Familie prägend für die eigene Kommunikationsfähigkeit und das Verstehen anderer. „Familie ist nicht nur privat, sondern heute auch politisch“, sagt Hornung. Sie sei der erste Ort, an dem man auf Demokratie treffe, lerne, zu diskutieren und zu akzeptieren, auch mal überstimmt zu sein.

Starke oder sachte Verbindungen: Die „Familienbande“ können verschiedene Formen annehmen.
Starke oder sachte Verbindungen: Die „Familienbande“ können verschiedene Formen annehmen.Michael Hinz

Die Ausstellung möchte Diskussion und Gespräche mit Spielen und Information verbinden. Auch wenn die Ausstellung für alle Generationen, von den Kindern bis zu den Großeltern, konzipiert ist, finden sich zunächst viele Informationen auf großen Texttafeln.

Geschichten aus der Stadtgesellschaft

Zusätzlich bietet das Museum einen besonderen Audioguide an. In einem Projekt haben die Kuratorinnen in die Frankfurter Stadtgesellschaft hineingefragt, wer Familiengeschichten erzählen möchte, sagt Tine Nowak, die Projektleiterin der Ausstellung. Sie berichtet von Gesprächen mit einer Grundschulklasse, mit Jugendlichen und von Workshops mit Erwachsenen – in Gruppen für über Fünfundzwanzigjährige und in Gruppen für über Fünfundsechzigjährige. Das Ziel sei gewesen, verschiedene Generationen zu Wort kommen zu lassen. Am Ende tauchten mehr als 30 Stimmen im Audioguide auf, „die von Familie erzählen“, sagt Nowak. In allen vier Teilbereichen der Ausstellung – „Meine Familie“, „Der Familie auf der Spur“, „Familienmedien“ und „Wie Familien erzählen“ – kommen so Menschen aus Frankfurt zu Wort.

„Familienbande“ in die ganze Welt: An einer Weltkarte verknüpft Projektleiterin Tine Nowak verschiedene internationale Herkunftsorte ihrer Familie.
„Familienbande“ in die ganze Welt: An einer Weltkarte verknüpft Projektleiterin Tine Nowak verschiedene internationale Herkunftsorte ihrer Familie.Michael Hinz

Die interaktiven Stationen in jedem Teilbereich erlauben zudem eigene Diskussionen unter Besuchern. Im Wohnzimmer, dem Raum der „Familienmedien“, wird beispielsweise das Spannungsfeld zwischen „Ich sorge mich um dich“ und „Ich überwache dich“ dargestellt, so Schilke. In einer Vitrine sind verschiedene datensammelnde Objekte ausgestellt – von Smarthome-Kameras über Smart Speaker oder ein Kuscheltier mit einem integrierten KI-Chatbot bis zu Smartwatches können die Besucher diskutieren, welche Technologien sie in ihrem Zuhause zulassen würden. Eine sich selbst aktualisierende Statistik zeigt im Anschluss an die eigene Entscheidung, welche Geräte die anderen Besucher akzeptieren würden.

Eine Tauschbörse der schlechten Erinnerungen

Im Raum nebenan steht die große Essenstafel. Hier sollen Gespräche über bestehende Familienrituale und -traditionen entstehen. Welche Traditionen gibt es, und wie sind sie entstanden? Den Kuratorinnen sei bewusst, dass Familienfeiern nicht für alle Menschen positive Erinnerungen hervorrufen, sagt Nowak. Auf dem Tisch wird deshalb die Blumensprache – eine Form der nonverbalen Kommunikation, die verschiedene Blumensorten nutzt, um positive und negative Gefühle und Botschaften zu ermitteln – erklärt, um unliebsame Äußerungen von Familienfeiern zu visualisieren.

Und auch hier haben sich die Kuratorinnen etwas Interaktives überlegt: eine Tauschbörse der schlechten Erinnerungen. Besucher können die Sprüche, die sie seit vielen Jahren auf Familienfeiern zu hören bekommen, auf Postkarten aus Blumensaat schreiben und die Karte anschließend in eine Glasschüssel legen. Diese Karten nehmen dann wiederum andere Besucher mit nach Hause und vergraben sie. Durch die Saat in den Karten entstehen so aus den schlechten Erinnerungen neue, schöne Blumen. Manchmal kann Kommunikation eben auch Abschließen und Neuanfang bedeuten.

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Matthias Bischoff
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