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Kommentar zum Busfahrerstreik : Abgewerteter Beruf

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Die Gewerkschaft Verdi hat für kommende Woche einen unbefristeten Streik bei privaten Busunternehmen angekündigt. Bild: dpa

Ab Montag streiken voraussichtlich viele Busfahrer unbefristet in vielen hessischen Städten. Das ist für die Betroffenen unerfreulich. Aber so ist das in Arbeitskämpfen.

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          Die Busfahrer in Hessen hätten schon am Montag mit ihrem Streik beginnen können. Denn schon vor Neujahr war klar, dass die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen gescheitert waren. Doch sie zogen den nächsten Montag als ersten Streiktag vor.

          Aus gutem Grund. Am Montag beginnt nach den Winterferien wieder die Schule. Wenn das eigene Kind wegen des Busfahrer-Streiks nicht oder nur mit dem Eltern-Taxi zum Unterricht kommen kann, wird in den Familien und mit Kollegen darüber geredet. Die Gewerkschaft hat also für ihren als unbefristet angekündigten Streik einen Zeitpunkt gewählt, der für besonders großen Druck sorgt. Das ist für die Betroffenen unerfreulich. Aber so ist das in Arbeitskämpfen.

          Vom geachteten Beruf zu einem schlecht bezahlten Job

          Auch von den Auswirkungen dieses Streiks sind vor allem jene betroffen, die mit dem Konflikt nichts zu tun haben: die Fahrgäste. Oder spielen die vielleicht doch eine Rolle im Kampf um höhere Löhne, längeren Urlaub und weniger unbezahlte Pausen für die Busfahrer?

          Die Tickets des Rhein-Main-Verkehrsverbundes wären teurer, würden die Busfahrer nicht 2000 bis 2200 Euro im Monat verdienen, sondern 3000 bis 3200. Reich wird man wahrlich nicht hinter dem Steuer eines Busses, wenn auch die Behauptung von Verdi, manche Busfahrer würden voll arbeiten und seien trotzdem auf staatliche Zuschüsse angewiesen, wohl nur auf einige wenige zutrifft.

          Aber klar ist: Der von der Landespolitik, dem RMV und einigen Kommunen geförderte Wettbewerb im Busverkehr hat zwar in den vergangenen Jahren die jährlichen Fahrpreiserhöhungen gedämpft, aber auch zu mageren Busfahrer-Löhnen geführt. Der einst geachtete Beruf ist zu einem schlecht bezahlten Job abgewertet worden. Dabei vertrauen die Fahrgäste einem Busfahrer ihr Leben und oft das ihrer Kinder an.

          Sosehr die Busunternehmer ihren Beschäftigten die 13,50 Euro in der Stunde, die Verdi verlangt, gönnen würden, so unrealistisch ist derzeit ein solcher Stundenlohn. Denn die Firmen haben mit den jeweiligen kommunalen Verkehrsgesellschaften oft langfristige Verträge für bestimmte Strecken abgeschlossen. Viele Verträge enthalten zwar eine Gleitklausel, doch die Entgelte für die Busunternehmen können sich nur nach dem allgemeinen Preisindex des Statistischen Bundesamts erhöhen, also derzeit um etwa zwei Prozent.

          Damit lassen sich die von Verdi geforderten Lohnerhöhungen um zwölf Prozent und Zusatzleistungen bei Urlaub und Pausen, die noch einmal mit rund zehn Prozent zu Buche schlagen, nicht finanzieren, zumindest nicht in der Laufzeit der aktuellen Verträge.

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