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RMV wird 25 Jahre alt : Jubiläum ohne Feierlaune

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Auf dem Weg zur Verkehrswende: Züge des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) am Frankfurter Hauptbahnhof, aufgenommen im Jahr 2014 Bild: dpa

Vor 25 Jahren wurde der Rhein-Main-Verkehrsverbund gegründet. Die Pandemie bricht die Erfolgsgeschichte.

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          Vor einem Vierteljahrhundert hat sich mit dem Start des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) über Nacht der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Main-Gebiet nachhaltig verändert. Wer etwa am 27. Mai 1995 von Fulda zur Frankfurter Hauptwache fuhr, zahlte 25,50 Mark und musste am Frankfurter Hauptbahnhof ein zweites Ticket für die Strecke in die Innenstadt erwerben. Ein Tag später, am 28. Mai, kostete den Fahrgast das nur noch 18 Mark, und er kam mit nur einem Ticket an sein Ziel. Seither gilt im Verbundgebiet die Regel: eine Fahrt – eine Fahrkarte. Die Zeit, da man beim Wechsel vom Zug auf den Bus oder die U-Bahn ein neues Ticket ziehen musste, war vorbei.

          Mit dem RMV sind aber keineswegs alle Fahrten billiger geworden. Im Gegenteil: Für manche Strecken zahlte der Fahrgast bei dem neuen System mit seinen sieben Preisstufen mehr als zuvor, weshalb es anfangs sogar zu Protesten kam, die sich aber bald legten. Ein Ärgernis blieben all die Jahre hindurch die Preissprünge beim Überqueren der Stadtgrenze, etwa bei der Fahrt vom Frankfurter Osten in die Offenbacher Innenstadt. Erst vor einem Jahr ist mit dem neuen Nachbarschaftstarif diese Tarif-Ungerechtigkeit beseitigt worden.

          Mit neuen Angeboten hat der RMV schon vorher seine Attraktivität erhöht. 2010 führte er das Semesterticket für Studenten ein, die seither für wenig Geld in ganz Hessen unterwegs sein können. Es folgte 2013 die 65-Plus-Karte für Senioren, die jetzt Anfang dieses Jahres durch das besonders günstige Seniorenticket ergänzt wurde: Für gerade einmal 365 Euro können Ältere in ganz Hessen mit Bussen und Bahnen herumfahren, ausgenommen sind nur die Fernzüge. Auch das 2017 eingeführte Schülerticket für ebenfalls 365 Euro im Jahr gilt in ganz Hessen und hat sich mittlerweile zu einem Renner entwickelt. Immer stärker nachgefragt wird darüber hinaus das Jobticket, das es seit 2018 auch als verbundweite Fahrkarte gibt.

          Keine Feierlaune im Jubiläumsjahr

          Blickt man auf die zurückliegenden 25 Jahre, muss man von einer Erfolgsgeschichte des RMV sprechen. Die jährliche Zahl der Fahrgäste etwa ist von 530 Millionen im Gründungsjahr auf mehr als 800 Millionen gestiegen. Vor allem in den vergangenen vier Jahren nahm der Andrang auf Busse und Bahnen rasant zu. Nun peilt der RMV sogar die Milliardengrenze an, die er bis 2030 erreichen will. Doch Feierlaune mag im Jubiläumsjahr nicht aufkommen. Denn mit Corona hat sich für den öffentlichen Nahverkehr innerhalb von Wochen alles zum Schlechteren verändert.

          Seit Mitte März befördert der RMV nach Angaben seines Geschäftsführers Knut Ringat nur noch zehn bis 20 Prozent seiner früheren Fahrgäste, hält aber, um seiner Aufgabe der Daseinsvorsorge zu genügen, weiterhin etwa 75 Prozent des bisherigen Angebots vor. Die Rahmenbedingungen, so sagt Ringat, hätten sich radikal geändert: während die Kosten für den Betrieb fast unvermindert weiterliefen, seien die Fahrgeldeinnahmen erheblich eingebrochen.

          Die Auswirkungen der Pandemie werden den RMV und die gesamte Verkehrsbranche noch auf Jahre hin verfolgen, prophezeit Ringat. Die finanzielle Last der Krise könne der öffentliche Nahverkehr in Deutschland nicht allein schultern. Er benötige Hilfen in Milliardenhöhe, um dauerhaft ein gutes Angebot aufrechterhalten zu können. Andernfalls würden manche Verkehrsunternehmen in der Insolvenz landen. „Wenn Corona vorbei ist, brauchen wir mehr denn je einen leistungsfähigen ÖPNV“, mahnt Ringat. Nur so könne die Verkehrswende gelingen. Schaffe man es nicht, eine Pleitewelle bei den Verkehrsunternehmen zu verhindern, gebe es nach der Krise keinen ÖPNV mehr.

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