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Neue Einnahmequellen : Landleben mit Blick auf die Bankentürme

Familienbetrieb: Sabine (links) und Sandra Rieß im Hofladen des Lindenhofs Bild: Cornelia Sick

Der Milchpreis niedrig, die Flächen knapp: Der Lindenhof am Rand von Bad Homburg sucht nach eigenen Einnahmequellen an der Regionalparkroute. Und hat manchmal Gäste von weit her.

          Von dem Feldweg, zu dem die Jakob-Lengfelder-Straße jenseits der letzten Ober-Eschbacher Häuser wird, sind die Wohnmobile hinter den hohen Hecken und Büschen nicht zu sehen. Steht man allerdings erst einmal auf dem geschotterten Stellplatz, geht der Blick weit über die derzeit trocken-gelben, abgeernteten Felder Richtung Frankfurt. In der Nähe grasen ein paar Kühe, während auf der Wiese direkt nebenan außer einer Schaukel auch vier Ziegen stehen, allerdings hinter einem festen Zaun. „Die haben wir geschenkt bekommen, aber für einen Streichelzoo eignen sie sich nicht“, sagt Sabine Rieß.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Sie betreibt zusammen mit ihrem Sohn Karsten den Lindenhof, wo sich einer der wenigen Wohnmobilstellplätze im Hochtaunuskreis befindet. Gibt es jenseits des Taunuskamms noch das deutlich größere Taunus Mobilcamp in Weilrod und den überwiegend von Dauercampern genutzten Katharinenhof am Usinger Hattsteinweiher, führt der Taunus Touristik Service ansonsten nur fünf Wohnmobilparkplätze ohne Versorgungsanschluss am Taunus-Informationszentrum an der Hohemark in Oberursel auf.

          Campingplatz zwischen Äckern

          Dass sich der Stellplatz ausgerechnet in der vornehmen Kurstadt Bad Homburg und dort wiederum auf einem klassischen Bauernhof zwischen Äckern befindet, ist einerseits Zufall. Über den Hofladen und das Café im Hof kommen immer wieder Auswärtige beim Lindenhof vorbei. „Ein Mann hat mal gefragt, wo er sein Wohnmobil abstellen kann, wenn er seine Eltern im Pflegeheim besucht“, erzählt Rieß. Genug Platz war da, also erkundigte sie sich nach den Voraussetzungen. Vor zwei Jahren dann kamen die ersten Camper. Die Hälfte des Übernachtungspreises von zehn Euro lässt sich als Gutschein im Hofladen einlösen. Der kleine Anreiz erwies sich als Renner: „Inzwischen rufen die Leute vorher an und fragen, ob es Rindfleisch gibt.“ Denn die Direktvermarktung ist seit jeher ein wichtiges Standbein. Und der Wohnmobilstellplatz dann doch kein Zufall, sondern eine weitere Möglichkeit, sich als Landwirt im Schatten der Frankfurter Hochhäuser ein wenig von den Unwägbarkeiten des Agrarmarkts zu lösen.

          Die Familie hatte eigentlich andere Pläne, erinnert sich Rieß. „Wir wollten die Milchviehhaltung erweitern.“ Aber der Milchpreis sei zu schlecht. „Also haben wir auf Mutterkuh-Haltung umgestellt und ziehen die Kühe zum Schlachten groß.“ Etwa 50 Rinder stehen derzeit auf dem Lindenhof, hinzu kommen 32 Schweine in einem traditionellen Stall. Das ist mit Viehhaltung in großem Maßstab nicht zu vergleichen, und auch die 72 Hektar für Gersten-, Weizen-, Maisfelder und Wiesen setzen Grenzen. „Das ist die hessische Realteilung“, sagt Rieß über die früher von Generation zu Generation sinkende Landgröße. Hinzu kam, dass ihr Mann nach einem Unfall mit seinen Kräften haushalten muss.

          Nähe zum Kunden

          Der Lindenhof suchte die Nähe zum Kunden. Zunächst über den Hofladen. „Ich wollte immer schon wissen, woher die Produkte kommen“, sagt die gelernte Hauswirtschaftsmeisterin. „Regional heißt für mich, dass die Sachen nicht über 100 Kilometer angefahren werden.“ Die Schwiegertochter wollte schließlich mehr daraus machen. Sandra Rieß hatte Berichte über gastronomische Angebote auf Bauernhöfen gesehen. „Und hier so nahe bei Bad Homburg kommen viele Radfahrer und Spaziergänger vorbei“, sagt sie.

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