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Neues Warnsystem : Achtung, Ihnen kommt ein Auto entgegen!

  • -Aktualisiert am

Klare Ansage: Das neue System warnt, falls ein Fahrer seinen Wagen falsch auf die Autobahn lenkt. Bild: Marcus Kaufhold

Bald erfährt ein Falschfahrer in Sekunden, dass er falsch fährt. Auch die Entgegenkommenden werden blitzschnell gewarnt. „Converge“ ermöglicht aber noch viel mehr.

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          Es kann dauern, bis Autofahrer über das Radio oder über ihr Navigationsgerät vor einem Falschfahrer gewarnt werden. Zuerst einmal muss irgendjemand merken, dass ein Auto auf der falschen Seite fährt. Bis er die Polizei informiert hat, vergeht kostbare Zeit. Und die muss die Warnung an die Rundfunksender und die Verkehrszentrale weiterleiten, damit die Nachricht rausgehen kann: „Achtung, Falschfahrer! Auf der A 5 kommt Ihnen ein Auto entgegen.“ Manchmal ist es dann schon zu spät.

          Künftig wird ein Falschfahrer, der auf einer Ausfahrt auf die Autobahn aufzufahren im Begriff ist, schon gewarnt, bevor er die Autobahn erreicht hat. Und entgegenkommende Fahrer bekommen schon, ein oder zwei Kilometer bevor sie einem Falschfahrer begegnen, Meldung von der Gefahr. Die Technologie dafür ist in dieser Woche am Frankfurter Rebstockgelände im Versuch an einer abgesperrten Ausfahrt der Autobahn 5 vorgestellt worden.

          Ständige Ortung der Autofahrer

          Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Autos senden laufend über das Satellitennavigationssystem GPS gewonnene Informationen über ihren Standort aus. Wenn ein Fahrer fälschlicherweise in eine Autobahn-Ausfahrt einfährt, erreicht seine Positionsmeldung einen dort plazierten W-Lan-Empfänger. Dieser sendet sofort eine Warnung an den Falschfahrer, aber auch an alle entgegenkommenden Autos in näherer Reichweite.

          Tatsächlich hörte man bei der Demonstration des neuen Warnsystems am Rebstock im Falschfahrer-Wagen einen Warnton und sah auf dem Display die Botschaft aufleuchten: „Falsche Fahrtrichtung!“ In diesem Fall müsste ein Falschfahrer in Deutschland sofort an den Straßenrand fahren und die Notrufnummer 112 wählen.

          Die Technologie funktioniert

          Auch die entgegenkommenden Autos wurden bei der gestrigen Vorführung gewarnt. Im Demonstrations-Auto war ein akustisches Signal zu hören, und auf dem Display erschien in schwarzer Schrift das Wort „Falschfahrer“ sowie in roter „Achtung!“. Es wurde sogar jeweils angezeigt, wie viele Meter der Falschfahrer noch entfernt war.

          Die Technologie funktioniert also, nun muss sie nur noch flächendeckend verbreitet und eingesetzt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Autos mit ihr bald serienmäßig ausgestattet werden, ist groß, immerhin sind an dem Modellversuch der Volkswagen-Konzern, BMW und Opel beteiligt.

          18 Millionen Euro teures Forschungsprojekt

          Doch es geht den Automobilkonzernen nicht nur um ein Falschfahrer-Meldesystem. Sie arbeiten zusammen mit großen Mobilfunkbetreibern, Verkehrsleitzentralen, Betreibern von Straßen, IT-Dienstleistern und Hochschulen beziehungsweise Forschungsinstituten an einer Architektur für einen allumfassenden standardisierten Datenaustausch im Verkehr. Converge heißt das Forschungsprojekt, das von der Bundesregierung und der Industrie mit 18 Millionen Euro ausgestattet worden ist und eine Basis legen sollte für eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Fahrzeugen, zwischen Autofahrern und Verkehrsleitzentralen oder direkt mit der Verkehrsinfrastruktur wie zum Beispiel jenem besagten W-Lan-Empfänger und -Sender, der Falschfahrer ortet und Verkehrsteilnehmer warnt.

          Nur wenn es gelinge, verschiedene Kommunikationssysteme wie W-Lan, Mobilfunk und Rundfunk zu verknüpfen, könnten Informationen über das Verkehrsgeschehen optimal genutzt werden, hob Horst Wieker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hervor, der das Converge-Projekt leitet.

          Um was es im Prinzip geht, sagt schon der Name: Das englische Verb converge bedeutet zusammenlaufen. Tatsächlich wollen die Beteiligten an dem Vorhaben erreichen, dass alle vorhandenen Daten über das Verkehrsgeschehen zusammenlaufen können, gleichgültig, ob sie von staatlichen Verkehrszentralen, von privaten Dienstleistern oder direkt von den Autos der Verkehrsteilnehmer kommen.

          Converge ist nur eine Grundlage. Auf ihr sollen bald Produkte und Technologien entstehen wie besagtes System der Falschfahrermeldung. Jeder kann auf Basis von Converge seine eigene auch kommerzielle Anwendung entwickeln, ohne dass er Gebühren zahlen oder Lizenzen erwerben muss. Und das möglichst weltweit, zumindest aber in ganz Europa. Ein konkurrierendes System gebe es bisher nicht, sagte Projektleiter Wieker, der Converge gestern im House of Logistics and Mobility (Holm) in Frankfurt der Presse und Vertretern der Wirtschaft, der Ministerien und der Forschungseinrichtungen präsentierte.

          Neben den drei genannten Automobilkonzernen sowie Unternehmen wie Vodafone oder Bosch beteiligen sich an dem Projekt auch die hessische Straßenverwaltung Hessen Mobil. Deren Abteilungsleiter Gerd Riegelhuth hofft, dass mit Hilfe von Converge endlich die Datenmauern überwunden werden. „Wir haben heute viele Informationen“, beschreibt er die Lage, „aber sie fließen nicht zusammen.“

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