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Carsten Knop

Frankfurter Abfallproblem : Egoismus auf den Müll

  • -Aktualisiert am

Liegengelassen: Auf Frankfurter Plätzen werden große Mengen an Müll nicht richtig entsorgt. Bild: Maximilian von Lachner

Die öffentlichen Plätze und Grünanlagen Frankfurts verschwinden zusehends unter Abfallbergen. Höhere Strafen für Müllsünder sind alleine nicht die Lösung. Vielmehr müssen wir unseren Egoismus im öffentlichen Leben überwinden.

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          Die Stadt vermüllt. Sie vermüllt an ihren schönsten Plätzen, vor der Alten Oper, aber auch im Grünen, zum Beispiel an der Nidda in Nied. Und das ist nicht nur in Frankfurt so. Das gesellschaftliche Phänomen des totalen Egoismus und der vollkommenen Achtlosigkeit wird durch die Folgen der Corona-Pandemie allerorten noch offensichtlicher. Das alte Teenager-Motto, dass irgendjemand hinter mir schon herräumen wird, hat sich vollends in den öffentlichen Raum verlagert. Und dort ist es vermutlich vollständig uncool, wenn man die Sachen, die man nach dem Aufenthalt im Freien als Müll zurücklässt, dann auch aufräumt.

          Wenn man dabei erwischt wird, Plastikflaschen und Pizzakartons in Grünanlagen liegen zu lassen, kostet das Geld: 55 Euro werden fällig, jedenfalls in Frankfurt. Viel zu wenig, keine Frage. Aber Hand aufs Herz: Weiß das jemand überhaupt? Werden Verstöße in signifikanter Zahl geahndet? Nein, ganz offensichtlich nicht. Und wäre irgendetwas anders, wenn die Strafe auf 100 Euro oder mehr erhöht werden würde? Vermutlich auch nicht. Einfachere und verständlichere Richtlinien zur Bestrafung des sogenannten „Littering“ wären zwar keine schlechte Sache, und womöglich sind auch höhere Strafen kein Fehler. Aber Wetten auf eine darauffolgende umfassende Verhaltensänderung würde danach wohl auch niemand abschließen wollen.

          Denn das Problem liegt viel tiefer. Es hat mit einer grundsätzlichen Einstellung zum eigenen Verhalten in der Öffentlichkeit zu tun, mit der fehlenden Wertschätzung gegenüber anderen Menschen bei gleichzeitiger Maximierung des Eigennutzes. Und so ist es in diesen Fällen psychologisch gar kein Problem, sich verbal für den Klimaschutz zu engagieren, gleichzeitig aber seinen Müll in der Umwelt haufenweise liegen zu lassen. Solange Freunde nicht beginnen sich gegenseitig auf ein solches Fehlverhalten aufmerksam zu machen und es – ganz im Gegensatz zur bisherigen Wahrnehmung – als vollkommen uncool zu brandmarken, wird sich nichts ändern. Wie überall im Leben geht es hier um die Achtsamkeit im Umgang miteinander. Es wäre schön, wenn das in Elternhäusern, aber natürlich auch von den Repräsentanten des öffentlichen Lebens, wieder stärker vermittelt und von allen Beteiligten dann auch stärker gelebt würde. Mehr Mülleimer helfen nur dann, wenn man sein bisheriges asoziales Verhalten in die Tonne tritt.

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