https://www.faz.net/-gzg-8zxy2

Zerstörter Pavillon : Wiederaufbau mit Hindernissen

  • -Aktualisiert am

Verlust: Der abgebrannte Pavillon im Koreanischen Garten ist abgetragen, der zweite im Hintergrund wird saniert. Bild: Wolfgang Eilmes

Der von Brandstiftern zerstörte koreanische Pavillon in Frankfurt ist abgetragen, dem beschädigten chinesischen Pavillon droht das gleiche Schicksal.

          3 Min.

          Die Tore sind geschlossen. Seit dem Brand des großen Pavillons Anfang Juni ist der Chinesische Garten im Bethmannpark für Besucher nicht mehr zugänglich. Es bestehe Einsturzgefahr, lautet die Botschaft am Eingang. Tatsächlich ist der Pavillon wohl nicht mehr zu retten. Allenfalls könnten die Seitenteile noch bleiben, berichtet Bernd Roser, der Abteilungsleiter für Grünflächenunterhaltung im zuständigen Grünflächenamt.

          Der zum Teil abgebrannte chinesische Pavillon ist nicht das einziges Problem Rosers. Er muss sich auch um den Wiederaufbau des Morgentau-Pavillons im Koreanischen Garten kümmern, den einen Monat vor dem Feuer im Chinesischen Garten ebenfalls Brandstifter angezündet hatten. Von diesem damals schwer beschädigten Gebäude sind mittlerweile nicht einmal mehr die Trümmer zu sehen. Die Stadt hat die gesamten Reste abräumen lassen, weil eine Sanierung nicht mehr in Frage kam.

          Kosten der Sanierung wohl bei einer Million Euro

          Nun haben Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) und der koreanische Generalkonsul Bumhym Bek zu einer Spendenaktion für den Wiederaufbau des Morgentau-Pavillons aufgerufen. Den Auftakt der Aktion bildet ein Benefizkonzert des Harmonie Ensembles, das überwiegend aus koreanischen Krankenschwestern besteht. Der Chor singt am Sonntag, 30. Juli, um 15 Uhr im Koreanischen Garten klassische koreanische Kompositionen, aber auch Popsongs, Operettenstücke oder Musical-Hits. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Allerdings gibt es keine Sitzplätze. Die Gäste sollten je nach Bedarf und Wetterlage einen Sonnenschutz oder einen Regenschirm mitbringen.

          Ein Spendenkonto für den Wiederaufbau des Morgentau-Pavillons gibt es noch nicht, wer mit einem Geldbetrag die Aktion unterstützen möchte, sollte sich telefonisch an das Grünflächenamt wenden. Noch steht aber sowohl im Falle des Koreanischen wie auch des Chinesischen Gartens nicht genau fest, wie teuer die Wiederherstellung der Pavillons kommt. Die für die Sanierung des chinesischen Bauwerks ursprünglich geschätzten Kosten von 250000 Euro sind mittlerweile hinfällig. Am Ende werde man bei einer Million Euro landen, glaubt Roser.

          Billiger wird es vermutlich auch im Koreanischen Garten nicht werden. Zum Glück fallen beide Pavillons unter die Feuerversicherung, die Frankfurt abgeschlossen hat. Es ist also damit zu rechnen, dass ein guter Teil des materiellen Schadens von der Assekuranz ausgeglichen wird. Deren Experten haben schon beide Brandstätten begutachtet.

          Das wird seine Zeit dauern

          Man darf immerhin davon ausgehen, dass sowohl der chinesische wie auch der koreanische Pavillon wiederaufgebaut werden. Gründezernentin Heilig und Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) haben sich nach den Bränden jedenfalls in dieser Hinsicht geäußert. Die Frage ist nur, wann mit den Arbeiten begonnen werden kann.

          Ohne chinesische beziehungsweise koreanische Partner kann der Wiederaufbau nicht gelingen. Beide Gärten, der koreanische im Grüneburgpark und der chinesische im Bethmannpark, sind damals weitgehend von Handwerkern aus Korea beziehungsweise China hergestellt worden. Nur sie besitzen das Können und Wissen, solche Anlagen in der landesüblichen Bautradition wiederherzustellen. Als zum Beispiel der Chinesische Garten 2007 saniert wurde, übernahm jene Baufirma, die die Anlage in einem Zeitraum von vier Jahren von 1985 bis 1989 errichtet hatte, die Arbeiten.

          Nun will sich das Grünflächenamt mit dem damaligen Partner in Verbindung setzen und über eine Rekonstruktion des Pavillons sprechen. Ähnlich will man Roser zufolge auch beim koreanischen Pavillon verfahren, auch hier wolle man den Kontakt mit den koreanischen Bauleuten suchen, die bei der Errichtung des Gartens im Jahr 2005 dort tätig waren. Allerdings ist ein solches Vorhaben mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden. Es müssen Verträge abgeschlossen und nicht zuletzt auch Einreise- und Arbeitsgenehmigungen für die Spezialisten aus Asien beschafft werden.

          Das wird seine Zeit dauern. Ein Jahr, so glaubt jedenfalls Roser, wird nicht zur Wiederherstellung der Pavillons reichen. Die Tore des Chinesischen Gartens dürften also noch lange geschlossen bleiben. Den Koreanischen Garten kann man dagegen wieder besichtigen. Allerdings ohne Pavillon-Besuch. Denn auch das zweite Gebäude dort, den Pflaumenlaube-Pavillon, kann man zurzeit nicht betreten. Das Gebäude wird gerade saniert, rund um den Pavillon plazierte Absperrgitter verhindern den Zutritt. Aber auch ohne Pavillon ist der Koreanische Garten immer noch ein Ort der Schönheit und der Meditation, der einen gefangen nimmt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Am Rande der Demonstration der Initiative „Querdenken“ in Konstanz am 4. Oktober.

          Corona-Politik : Die Aerosole der Freiheitsapostel

          Corona fordert den Gemeinsinn heraus. Das funktioniert erstaunlich gut. Gefährdet wird dieser Erfolg aber durch einen falschen Begriff von Freiheit.
          Wie reagieren die Märkte, wenn Donald Trump weitere vier Jahre die Vereinigten Staaten regiert?

          Bei Trumps Wahlsieg : Der Crash fällt aus

          Wie werden die Märkte auf das Wählervotum reagieren, wenn Trump abermals gewinnt? Experten erwarten keinen Crash, Anleger können sich aber absichern. Die Vermögensfrage.
          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

          Kreative Branchen : Altmaier macht Tempo bei neuen Corona-Hilfen

          Der Wirtschaftsminister verteidigte unter anderem seine Forderung nach einem Unternehmerlohn für Selbständige und Freiberufler. Das habe „nicht zu tun mit einem bedingungslosen Grundeinkommen“. Auch zur Wachstumsprognose der Regierung für 2021 äußerte er sich.

          Mord an Samuel Paty : Wer wäscht seine Hände in Unschuld?

          Der Mord an Samuel Paty markiert im Umgang mit dem radikalen Islam in Frankreich einen Wendepunkt. Die Verharmloser werden benannt, zum Beispiel das Portal „Mediapart“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.