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Internationale Maifestspiele : Streit um Auftritt Netrebkos

Umstrittene Figur: Die Opernsängerin Anna Netrebko stehe auf einer Sanktionsliste der Ukraine und habe sich bis heute nicht von Putin distanziert. Bild: dpa

Der Wiesbadener Intendant Laufenberg hat die Opernsängerin Netrebko für die Internationalen Maifestspielen engagiert. Die Stadt und das Land sind dagegen.

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          Die Stadt Wiesbaden und das Land Hessen haben sich gegen einen Auftritt der russischen Opernsängerin Anna Jurjewna Netrebko bei den Internationalen Maifestspielen ausgesprochen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung reagierten sie am Montag auf ein entsprechendes Vorhaben des Intendanten Uwe Eric Laufenberg.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Der kündigte ungefähr zur selben Zeit öffentlich an, dass die Sängerin am 5. und 7. Mai 2023  ihr Debüt als Abigaille in Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ geben werde. Auch zwei ukrainische Produktionen seien vorgesehen. Am 9. Mai trete das Taras-Schewtschenko-Theater aus Charkiw mit Camus' Schauspiel „Caligula“ auf. Am 24. Mai folge das ukrainische Nationalorchester mit Verdis „Requiem“.

          Die Maifestspiele seien „allen politischen Gefangenen in dieser Welt gewidmet“, erklärte Laufenberg und nannte unter anderen den russischen Regimekritiker Alexey Nawalny. Die westliche Welt erlebe gerade, „wie unsere Freiheit in der Ukraine leider auch mit Waffen und Menschenleben verteidigt werden muss“.

          Netrebko stehe auf einer Sanktionsliste der Ukraine

          Dabei dürfe man nie „Künstler und Menschen ausschließen, die zu uns gehören und die wir für den Kampf gegen Unrechtsregimes, wie das von Vladimir Putin, dringend auf unserer Seite brauchen“, so Laufenberg. „In unserem gemeinsamen Kampf gegen Unrecht und Willkür sollten uns alle russischen Menschen ebenso selbstverständlich willkommen sein wie auch alle ukrainischen Menschen und diejenigen aller anderen Nationen.“

          Wenn der Intendant Nawalny erwähne, sei daran zu erinnern, dass das Land, in dem er im Gefängnis sitze, gerade einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führe, heißt es in der Stellungnahme von Stadt und Land. „Täglich sterben Menschen.“ Es sei es den ukrainischen Freunden nicht zu vermitteln, warum Netrebko bei den Maifestspielen auftreten solle. „Dieses Verhalten ist höchst unsensibel.“ Netrebko stehe auf einer Sanktionsliste der Ukraine und habe sich bis heute nicht von Putin und seinem Regime distanziert. „Wir haben den Intendanten gebeten auf Frau Netrebko zu verzichten“, berichten Stadt und Land. „Leider erfolglos.“

          Der Chef der Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (CDU) kündigte an, dass Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) seine Schirmherrschaft bei den Maifestspielen ruhen lassen werde. Außerdem werde man den Vorempfang absagen. „Es ist klar: Wir stehen solidarisch an der Seite der Ukraine“, so Wintermeyer.

          Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Kulturdezernent Axel Imholz (beide SPD) bedauerten, dass man „in dieser sensiblen Frage kein Einvernehmen mit dem Intendanten“ habe erzielen können. „Wir respektieren die künstlerische Freiheit, wollen aber in dieser Zeit keine Zweifel an unserer Solidarität mit der Ukraine aufkommen lassen, deren Städte weiter von russischen Raketen zerstört werden und deren Menschen aus dem Land fliehen und auch in Wiesbaden Zuflucht gefunden haben.“

          Über einen Verzicht der Landeshauptstadt Wiesbaden auf repräsentative Veranstaltungen bei den Maifestspielen werde erst am morgigen Dienstag im Magistrat entschieden. Er „wäre aber konsequent und in der Sache das richtige Signal“, so die beiden Sozialdemokraten. Das Land Hesen und die Stadt Wiesbaden finanzieren das Hessische Staatstheater.

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