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Holocaust-Überlebende ist 98 : Ihr aufklärerisches Werk trägt Früchte

Herzenssache: Jubilarin Simonsohn an der Seite von Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt Bild: Rainer Wohlfahrt

Trude Simonsohn hat den Holocaust überlebt. Sie tut alles dafür, dass Deutschland nie mehr in die Barbarei abgleitet. Nun feierte die Frankfurter Ehrenbürgerin ihren 98. Geburtstag. Und blickt voraus.

          Was soll man einer Achtundneunzigjährigen zum Geburtstag wünschen? Meron Mendel, der für Trude Simonsohn in seiner Bildungsstätte Anne Frank die Feier ausgerichtet hat, ist nichts eingefallen. Vor drei Jahren, so erinnerte sich der Direktor, war seine Aufgabe als Gratulant einfacher. Damals machte er zusammen mit der früheren Bürgermeisterin Jutta Ebeling und der Stifterin Helga Dierichs den Vorschlag, die Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin zur Frankfurter Ehrenbürgerin zu ernennen. Die Stadt ist seiner Anregung gefolgt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn Simonsohn drei Jahre später einen Wunsch hat, dann den, dass Deutschland dem Wiedererstarken des Antisemitismus entschieden entgegentritt. Dafür, dass das Land sich an die unselige Vergangenheit erinnert und alles dafür tut, dass es nie mehr in die Barbarei abgleitet, hat sie sich während der vergangenen Jahre eingesetzt, als sie vor Schulklassen und Jugendgruppen als Zeitzeugin berichtete. Manchmal plagen Simonsohn inzwischen Ängste, ihre Arbeit könne vergebens gewesen sein. Das war sie nicht, wie man auf ihrer Geburtstagsfeier gesehen hat. Über Partei-, Alters-, Berufs- und andere soziale Grenzen hinweg hatten sich ihre Freunde versammelt. Zumindest einige ihrer Freunde, denn wären alle gekommen, hätte die Paulskirche, wo Simonsohn im Oktober 2016 von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zur Ehrenbürgerin gekürt worden ist, von ihrer Größe her gerade gereicht.

          Entschieden gegen jeden Judenhass

          Allein diese 100 Freunde in der Bildungsstätte Anne Frank, viele von ihnen in hoher Würde und wichtigem Amt, stellen in Frankfurt eine Kraft dar, die sich entschieden gegen jeden Judenhass und alles Nazitum stellen würde. Das aufklärerische Werk von Trude Simonsohn war also nicht vergebens, im Gegenteil: Es trägt Früchte.

          Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, zitierte aus Simonsohns Lebenserinnerungen den ersten Satz: „Ich war ein glückliches Kind.“ In diesen Worten liegt nach Meinung Korns der Schlüssel zu Simonsohns ungebrochenem Lebenswillen, zu ihrer stets positiven Sicht der Dinge und zu ihrem grenzenlosen Optimismus. Auch zu ihrem stets fröhlichen, von einem Lächeln erhellten Gesicht, das sie auch gestern gezeigt hat.

          „Bis 120!“

          Was soll man ihr wünschen? Korn und Mendel nahmen zur traditionellen jüdischen Formel Zuflucht: „Bis 120!“ Doch das Nahziel lautet: „Nächstes Jahr wieder in der Bildungsstätte Anne Frank.“ Und was soll man einer Ehrenbürgerin von 98 Jahren schenken? Die Goethe-Universität jedenfalls konnte mit einem Präsent aufwarten. Sie wird einen Seminarraum, der schon den Namen Simonsohns trägt, zusätzlich nach Irmgard Heydorn benennen. Die Widerstandskämpferin und treue Unterstützerin von Simonsohns Aufklärungswerk war 2017 gestorben.

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