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Förderer des Jüdischen Museums : Der Verein will weiter wachsen

  • -Aktualisiert am

Andreas von Schoeler in seinem Privathaus in Frankfurt im Juli 2020 Bild: Maximilian von Lachner

Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister ist sein Gesicht und seine treibende Kraft: Andreas von Schoeler erneuerte den Förderverein des Jüdischen Museums – und konnte namhafte Mitstreiter gewinnen.

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          Der eine Baum bohrt seine Wurzeln tief in die Erde. Der andere, dessen Krone auf der des ersten steht, streckt sie hoch in den Himmel. Der aus Jerusalem stammende Künstler Ariel Schlesinger hat seiner Skulptur, die das neue Wahrzeichen des Jüdischen Museums Frankfurt werden dürfte, keinen Namen gegeben, sondern sie „Untitled“ genannt. Wie dieses Baum-Kunstwerk möchte auch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums sein: tief verwurzelt im Boden der Stadtgesellschaft und himmelhoch strebend in ihrem Engagement.

          Andreas von Schoeler, der frühere Frankfurter Oberbürgermeister von der SPD, ist das Gesicht dieses Fördervereins und seine treibende Kraft. übernahm er die Leitung dieser Vereinigung, die das Museum eigentlich mit Geld und Tatkraft unterstützen sollte, doch bis dahin diesem Auftrag nur rudimentär nachgekommen war. Weil keine Einnahmen zu verzeichnen waren, wollte die Deutsche Bank das Konto des Fördervereins damals auflösen. Und das Finanzamt wollte dem Verein, der keine Ausgaben tätigte, die Gemeinnützigkeit entziehen. Der neue Mann an der Spitze der damals gerade einmal 40 Vereinsmitglieder konnte das Aus verhindern. Damals versprach Schoeler: „Ich kann und will für dieses Haus etwas tun.“

          Heute könnte er mit Fug und Recht behaupten: „Versprechen eingelöst.“ Das tut ein Ehrenmann wie Schoeler natürlich nicht, denn Angeberei ist seine Sache nicht. Aber seine und seiner Freunde Taten für das Museum verschweigt er trotzdem nicht: Sie haben den Aufbau des Jakob-Nussbaum-Archivs ermöglicht und dafür bedeutende Gemälde dieses Malers wie auch dessen Nachlass für das Museum erworben. Zudem unterstützten sie die digitale Strategie des Museums. Ihr wichtigster Erfolg war indes die Beschaffung von Geld für die Sanierung des Museums Judengasse sowie des Rothschildpalais und dessen neuen Anbau.

          Ein Glücksgriff

          Gewiss: Den Löwenanteil der Finanzierung hat die Stadt Frankfurt als Träger des Museums übernommen. Doch der Förderverein, der in den vergangenen elf Jahren immerhin sechs Millionen Euro zusammengetragen hat, darf für sich durchaus in Anspruch nehmen, dem Projekt einen entscheidenden Schub gegeben zu haben. Denn nachdem der Förderverein eine namhafte Summe für das Vorhaben zusammengebracht hatte, fiel es der Stadt leichter, die nötigen Millionen aus der Stadtkasse zur Verfügung zu stellen.

          Die Freunde und Förderer wollen kein elitärer Finanzierungsverein sein. Sie haben sich vielmehr das Ziel gesteckt, das Jüdische Museum zu einem Ort lebendiger Debatten im Geist von Toleranz und Demokratie zu machen. Alle in Stadt und Land sind eingeladen, Mitglied oder gar Freund zu werden, das Museum finanziell zu unterstützen und von den spannenden Veranstaltungen zu profitieren.

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          Mit Andreas von Schoeler als Vorsitzendem des Fördervereins hat der damalige Museumsdirektor Raphael Gross einen Glücksgriff getan. Denn das frühere Stadtoberhaupt, das sich nach seiner Abwahl 1995 selten öffentlich äußerte und auch nicht ehrenamtlich in Erscheinung trat, hat sich geradezu in sein Engagement für das Museum gestürzt. Er konnte namhafte Mitstreiter gewinnen, zum Beispiel den früheren hessischen Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) als seinen Stellvertreter oder den früheren Fraport-Chef Wilhelm Bender als Vorsitzenden des Kuratoriums, dem unter anderem Salomon Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, angehört.

          350 Mitglieder zählt der Förderverein zurzeit. Vergleicht man diese Zahl mit den 40 Freunden bei seiner Amtsübernahme, kann Schoeler zufrieden sein. Auch wenn er mit dem Städelschen Museums-Verein mit gut 8000 Mitgliedern wohl nie gleichziehen wird, will er doch weiter wachsen. Die Chancen, weitere Interessierte zu finden, dürften gut sein. Denn mit der Wiedereröffnung seines Haupthauses und der Vollendung des Anbaus dürfte das Jüdische Museum weit über die Grenzen Frankfurts hinaus Aufmerksamkeit erwecken.

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