Zellen umprogrammiert : Fettsäuren aus Hefe statt aus Palmöl

Der Anbau von Palmöl schadet der Umwelt. Frankfurter Forscher haben womöglich einen Weg gefunden, dessen Inhaltsstoffe auf verträgliche Weise zu gewinnen.
Fettsäuren aus umprogrammierten Hefezellen gewinnen und dadurch die Umwelt schonen: Das könnte dank neuer Forschungsergebnisse aus der Goethe-Universität möglich werden. Dort haben Chemiker sich mit dem Enzym Fettsäuresynthase beschäftigt. Normalerweise erzeugt es Palmitinsäure, eine Fettsäure mit 16 Kohlenstoffatomen, die als Baustein von Zellmembranen und Energiespeicher dient.
Die Frankfurter Forscher haben zusammen mit chinesischen Kollegen den Aufbau des Enzyms im Labor so verändert, dass es eine Fettsäure mit zwölf Kohlenstoffatomen produzieren kann. Fettsäuren mit sechs bis 14 Kohlenstoffatomen werden in der Industrie für eine ganze Reihe von Produkten benötigt, etwa Waschmittel, Kosmetika oder Schokolade. Gewonnen werden die Säuren bisher aus Palmöl oder Kokosnussöl, was die Umwelt erheblich belastet: Für den Anbau werden Tropenwälder gerodet, und traditionellen Landwirten wird die Existenzgrundlage entzogen.
Die Wissenschaftler entwickelten Hefestämme, die das veränderte Enzym bilden und damit die Fähigkeit haben, kürzerkettige Fettsäuren zu bilden. Sowohl in Deutschland als auch in China wurde das Verfahren zum Patent angemeldet. Nun suchen die Forscher nach einem Industriepartner. Zudem arbeiten sie daran, die Fettsäuresynthase so umzubauen, dass das Enzym auch Vorstufen von Arzneimitteln herstellen kann.





