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Riederwaldtunnel : Frankfurts größtes Verkehrsprojekt greifbar nahe

  • -Aktualisiert am

Mehr Lebensqualität: Über dem Riederwaldtunnel wird sich ein grünes Band durch den Frankfurter Osten erstrecken. Bild: Simulation Verkehrsministerium Hessen

Nach 50 Jahren Streit können Ende nächsten Jahres endlich die Arbeiten am Frankfurter Großprojekt beginnen. Es sei denn, die Gegner ziehen vor Gericht und verzögern das Vorhaben.

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          Der Riederwaldtunnel, das derzeit größte Verkehrsprojekt in Frankfurt, kann jetzt gebaut werden. Am Mittwoch hat Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) den Planänderungsbeschluss für das nach neuesten Schätzungen voraussichtlich 477 Millionen Euro teure Bauwerk unterzeichnet. Der etwa 1100 Meter lange Tunnel soll die Lücke zwischen den Autobahnen A66 und A661 im Osten der Mainmetropole schließen. Mit den Bauarbeiten am Tunnel kann Ende 2021 begonnen werden, sofern das Projekt nicht wieder durch Klagen verzögert wird.

          Der Planänderungsbeschluss und die mittlerweile 28 Ordner füllenden Unterlagen dazu werden von Anfang Februar an für zwei Wochen in Frankfurt zur Einsicht ausgelegt. Anschließend können innerhalb eines Zeitraums von vier Wochen Klagen gegen den Beschluss eingereicht werden. Vor einigen Wochen haben sich der Bauherr Hessen Mobil und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) darauf verständigt, dass die Naturschützer ihre Klage gegen den Tunnel zurückziehen. Um eine Fledermauspopulation am Riederwald zu schützen, hatte Hessen Mobil auf Drängen des BUND den Verlauf des Tunnels um sechs Meter verrückt.

          Für rechtlich bedenklich hält dagegen die Bürgervereinigung Nordend den Planänderungsbeschluss. Sie hat in einem Brief an Minister Al-Wazir verlangt, dass ein solcher Beschluss nur getroffen werde dürfe, wenn die Verkehrsuntersuchung für den Ausbau der A661 und deren Einhausung vorliege.

          Lärmschutzfenster und Lüftungsanlagen für Bewohner

          Al-Wazir hofft dennoch, dass es jetzt zu keinen weiteren gerichtlichen Schritten gegen das Tunnel-Vorhaben kommen wird. Er zeigte sich überzeugt davon, dass mit der jetzt gefundene Lösung alle leben können. „Klagen verändern nichts, sondern verzögern das Projekt nur“, warnte der Minister die Gegner des Tunnels. Jede weitere Verzögerung würde den heutigenkatastrophalen Zustand am Riederwald und die Belastung der Anwohner verlängern. Al-Wazir hob hervor, dass die Anwohner so gut wie möglich vor Lärm und Luftschadstoffen auch während der achtjährigen Bauzeit geschützt würden.

          Riederwaldtunnel
          Riederwaldtunnel : Bild: F.A.Z.

          So hat der Minister in dem Planänderungsbescheid angeordnet, dass der Bund in die Pestalozzischule eine Lüftung einbauen muss, damit in den Klassenräumen auch bei geschlossenen Fenstern ein Luftaustausch stattfindet. Das vom Bund vorgeschlagene Stoßlüften in den Pausen durch das Öffnen der Fenster habe man als nicht praktikabel abgelehnt, berichtete der Minister.

          Außerdem sollen entlang der A66 und am Autobahndreieck Erlenbruch zusätzliche Lärmschutzwände errichtet werden, betroffene Anwohner sollen Lärmschutzfenster und Lüftungsanlagen für ihre Wohnungen bekommen und in Einzelfällen auch Entschädigungen erhalten. Um den Baulärm erträglich zu halten, würden an jenen Stellen, an denen gearbeitet werde, temporäre Lärmschutzwände mit einer Höhe von zwei bis zehn Meter aufgebaut, kündigte Gerd Riegelhuth, der Präsident von Hessen Mobil, an. Allein die Kosten für diesen Immissionsschutz liegen nach Angaben der Straßenverwaltung bei drei Millionen Euro. Minister Al-Wazir zufolge wird sich durch den Bau des Tunnels auch die städtebauliche Qualität des Riederwalds verbessern. So würden etwa die Bürgersteige verbreitert und die Autospuren führten nicht mehr so nahe an den Wohnhäusern vorbei.

          Seit 1963 geplant

          Das Planänderungsverfahren war nicht zuletzt deshalb notwendig geworden, weil neuere Prognosen einen Anstieg der Bevölkerung bis zum Jahr 2030 erwarten lassen, der im alten Plan nicht berücksichtigt war. Nun wurden die Voraussagen über das zu erwartende Verkehrsaufkommen im Frankfurter Osten an die neuen Zahlen angepasst und auch die Gutachten über die zu erwartenden Schadstoffe beziehungsweise den Lärm überarbeitet.

          Blick auf die Großbaustelle am Autobahndreieck Erlenbruch an der Frankfurter Ostumgehung A661
          Blick auf die Großbaustelle am Autobahndreieck Erlenbruch an der Frankfurter Ostumgehung A661 : Bild: dpa

          Die Gutachter rechnen bis 2030 mit mehr als 100.000 Autos am Tag und etwa 6000 schweren Lastwagen auf der A66 und mit 124.000 Fahrzeugen, davon zehn Prozent Lastwagen, auf der A661. Auch der Riederwald muss weiter mit einer nicht unerheblichen Verkehrsbelastung rechnen, auch wenn die Zahl der Auto am Tag von heute 22.000 auf 14.000 sinken soll.

          Die Planungen für den Riederwaldtunnel haben 1963 begonnen. Über das Vorhaben, das damals auch noch einen Tunnel unter dem Alleenring vorsah, wurde jahrzehntelang gestritten, so lehnten unter anderem die Grünen das Vorhaben ab. Leidtragende der Verzögerung sind vor allem die Bewohner des Stadtteils Riederwald, die unter einem faktischen Dauerstau auf der Straße Am Erlenbruch, unter Lärm und unter einem starken Abgasausstoß leiden. So werden am Riederwald laufen zu hohe Stickoxid-Werte gemessen, der Straße Am Erlenbruch droht Ende nächsten Jahres ein Diesel-Fahrverbot.

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