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Elektrobusse für Frankfurt : Leise, sauber, aber auch teuer

Technik aus Polen: Der „New Urbino 12“ sieht aus wie ein normaler Bus – ist aber viel besser für die Umwelt. Bild: Maria Klenner

Die Stadt Frankfurt kauft fünf Elektrobusse. Und schon bald sollen innerhalb des Alleenrings alle öffentlichen Verkehrsmittel mit E-Antrieb fahren.

          Man hört ihn nicht kommen. Fast lautlos fährt der Elektro-Bus heran, nur die Reifen verursachen die vertrauten Rollgeräusche. Vom Motor ist dagegen nichts zu vernehmen. Der „New Urbino 12“ des polnischen Unternehmens Solaris ist ein stummer Diener. Vor allem aber ein sauberer. Denn mit seinem Elektroantrieb vergiftet der Bus nicht die Luft.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Oberbürgermeister Peter Feldmann und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) haben diesen ersten städtischen E-Bus gestern vorgestellt. Und das Stadtoberhaupt ließ es sich nicht nehmen, auf den Fahrersitz zu klettern und das Steuerrad in die Hand zu nehmen. Losfahren durfte Feldmann allerdings nicht, denn dazu fehlt ihm die Lizenz.

          200 Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen

          Dafür hat er den Überblick über die E-Bus-Pläne der Stadt: Fünf Busse der Marke „New Urbino12“ werde die ICB, die Bustochter der Verkehrsgesellschaft VGF, kaufen, verkündete der Oberbürgermeister. Eingesetzt würden sie auf der Linie 75, einem Rundkurs zwischen der Bockenheimer Warte, dem Campus Westend und der Siesmayerstraße – allerdings erst von Dezember nächsten Jahres an. Durch die fünf E-Fahrzeuge würden in Frankfurt jährlich 200 Tonnen Kohlendioxid und 640 Kilogramm Stickoxid weniger in die Luft geblasen. Das sei eine gute Botschaft in Zeiten eines drohenden Fahrverbots für Diesel-Autos. „Der ÖPNV ist die Lösung des Problems.“

          Noch ist der E-Bus aus Polen, der zur Präsentation vor den Ost-Eingang des Palmengartens gestellt wurde, ein Exot. Allein schon farblich – denn er glänzt nicht in „Subaru-Vista-Blue“, der türkisen Lackierung der VGF-Fahrzeuge, sondern in Blau-Weiß. Er ist nämlich nur ein Vorführ-Bus. Die realen Frankfurter E-Busse müssen erst noch gebaut werden. Was auf eines der zentralen Probleme der E-Busse hinweist: Sie werden bisher nur von sehr wenigen Firmen produziert. Nur drei Hersteller haben auf die Ausschreibung der ICB für die fünf E-Busse ihre Angebote eingereicht, ein deutsches Unternehmen war nicht darunter.

          Finanziell vollkommen unrealistisch

          Die Busse mit Elektroantrieb kosten fast doppelt so viel wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – und deshalb wäre es finanziell vollkommen unrealistisch, die Frankfurter Bus-Flotte mit einem Schlag von Diesel auf Strom umzustellen.Das würde laut Verkehrsdezernent Oesterling 80 Millionen Euro kosten. Ganz abgesehen davon, dass die Hälfte des Frankfurter Busverkehrs über langlaufende Verträge an private Unternehmen vergeben sei, die man nicht zur Umstellung auf E-Busse verpflichten könne.

          Die nun bestellten fünf Fahrzeuge kann sich Frankfurt nur deshalb leisten, weil auch das Land Geld dazugibt: 760000 Euro habe es zur Verfügung gestellt, berichtete Feldmann gestern. Dadurch reduzierten sich die Mehrkosten gegenüber einem Dieselbetrieb auf 146000 Euro im Jahr reduzieren. Nun hoffen die Verantwortlichen im Römer, dass aus dem mit einer Milliarde Euro bestückten Sofortprogramm „Saubere Luft“, das der Bund im Zuge des Diesel-Gipfels aufgelegt hat, auch ein paar Millionen nach Frankfurt fließen, so dass der eine oder andere weitere E-Bus finanziert werden könnte. Verkehrsdezernent Oesterling hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb des Alleenrings in absehbarer Zeit nur noch E-Busse fahren zu lassen. Auch an Stellen mit engen Ortsdurchfahrten wie zum Beispiel in Seckbach würde er gerne umweltfreundliche Fahrzeuge einsetzen.

          „Wir fahren im ÖPNV übrigens seit mehr als 100 Jahren elektrisch“, sagte Oesterling und verwies auf die durch Strom angetriebenen Straßen- und U-Bahnen. Bei denen kommt der Strom allerdings aus Oberleitungen und nicht wie bei den Bussen aus Batterien. Immerhin garantiert Solaris für acht Jahre eine Reichweite seiner E-Busse von 130Kilometern. Für die künftige E-Linie bedeutet das, dass die Batterien der E-Busse tagsüber nicht zwischendurch aufgeladen werden müssen – zumindest, wenn die Klimaanlage bei Extremtemperaturen nicht zu viel Strom schluckt. Die Lüftung ist im Übrigen die einzige Lärmquelle im polnischen E-Bus: Sie röhrt ganz ordentlich.

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