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Frankfurter Nahverkehr : Doppeldecker könnte Gelenkbus ersetzen

Hochstapler: Wenn sie sich als funktional erweisen, könnten mehr Doppeldeckerbusse in Frankfurt fahren. Dieser ist eine Berliner Leihgabe. Bild: Etienne Lehnen

Bisher verkehren nur in Berlin Doppeldeckerbusse regulär. Das könnte sich bald ändern, denn die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq testet einen Bus mit zwei Stockwerken in Frankfurt - auf der Linie 30.

          Die roten Doppeldecker-Busse sind ein Wahrzeichen Londons. In Deutschland können sie allerdings nicht eingesetzt werden, weil der Fahrer rechts sitzt und die Passagiere hierzulande von der Straßenseite aus einsteigen müssten. Für ihren Test eines Doppeldeckers hat die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq sich deshalb anderswo einen solchen Bus ausleihen müssen. Die Wahl fiel zwangsläufig auf Berlin, die einzige Stadt in Deutschland, in der Doppeldecker regulär verkehren.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Dezember hatte Traffiq eine Woche lang einen Bus mit zwei Stockwerken auf der Linie 34 getestet, die vom Gallus über Rödelheim, Dornbusch und Friedberger Warte nach Bornheim-Mitte führt. Nun schickt die für den Busverkehr in Frankfurt zuständige Gesellschaft probeweise eine Wochen lang einen Doppeldecker auf die Linie 30, die zwischen Sachsenhausen und der Nachbarstadt Bad Vilbel verläuft.

          Auch enge Straßen mit Doppeldecker befahrbar

          Beim ersten Test hatte die städtische Nahverkehrsgesellschaft zwei Dinge herausfinden wollen. Zum einen, ob die Frankfurter in einem Doppeldecker-Bus tatsächlich dessen oberes Stockwerk nutzen. Die zweite Frage lautete: Kommt ein Doppeldecker ohne Probleme durch enge Straßen, wie man sie auf der Linie 34 in der Altstadt von Rödelheim vorfindet?

          Ja, lautete in beiden Fällen die Antwort. Die Fahrgäste haben den eingesetzten Doppeldecker akzeptiert. Von etwa 400 befragten Kunden fanden zwischen 87 Prozent (im Bus unten) und 95 Prozent (im Bus oben) den Einsatz gut. Nur einige wenige sprachen sich gegen den Doppeldecker aus. Die Botschaft der Fahrgäste sei sehr eindeutig, sagt Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen): „Der Einsatz von Doppeldecker-Linienbusse würde auf breite Zustimmung stoßen.“

          Der Test auf der Linie 34 hat außerdem bewiesen, dass ein zweistöckiger Bus auch auf Linien mit engen Straßen einsetzbar ist. Allerdings lediglich spezielle Doppelstöcker, nämlich solche, die nur zwölf Meter lang sind. Die meisten der in Berlin eingesetzten überhohen Busse sind 13,70 Meter lang. Sie könnten an vielen Frankfurter Haltestellen nicht halten, weil die für sie zu kurz wären. Die Bus-Infrastruktur ist an vielen Stellen auf das zwölf Meter lange Standardgefährt ausgerichtet.

          Belastung für Anwohner würde sinken

          Mittlerweile hat sich Berlin auch einige Doppeldecker-Busse mit einer Länge von nur zwölf Metern angeschafft. Das war für Traffiq der Anlass, solche Busse auch einmal in Frankfurt auszuprobieren. Das bisherige Ergebnis lautet: Der etwas kürzere Doppeldecker-Bus kann in der Mainmetropole durchaus den Standardbus ersetzen. Auf stark genutzten Linien wie der 34, wo zeitweise alle sechs Minuten ein Bus fährt, hätte das den Vorteil, dass man mit weniger Fahrzeugen auskäme und damit unter anderem die Belastung der Anwohner reduziert würde. Denn ein Doppeldecker kann 90 Passagiere transportieren, während in einen Standard-Bus nur 60 passen.

          Auf stark frequentierten Strecken setzt Traffiq, soweit das von der Länge der Haltestellen her möglich ist, derzeit Gelenkbusse ein. So zum Beispiel auf der Linie30, auf der von heute an bis Samstag ein Doppeldeckerbus verkehrt. Der Test soll die Frage beantworten, ob ein Doppeldecker einen Gelenkbus ersetzen kann. Von den Kapazitäten her gesehen ist das ohne weiteres möglich, denn beide Fahrzeuge können etwa 90Fahrgäste aufnehmen.

          Zusätzliches Geld für Buswerkstätten nötig

          Die entscheidende Frage lautet, ob ein Doppeldecker-Bus den bisherigen Fahrplan auf den sieben Linien mit Gelenkbussen einhalten kann. Möglicherweise dauert der Stopp an einer Haltestelle beim Doppeldecker länger, weil die Passagiere nicht so schnell aussteigen können wie bei einem Gelenkbus. Entscheidend dürfte sein, dass die Aussteigenden zügig vom oberen Deck herunterkommen. In den nächsten fünf Tagen wird Traffiq deshalb mit der Stoppuhr genau messen, wie lange ein Aussteigevorgang bei Doppeldecker und wie lange er beim Gelenkbus dauert.

          Doppeldecker-Busse würden, so glaubt Verkehrsdezernent Majer, gut zu Frankfurt passen. Allerdings wird die Stadt, sollte sie künftig doppelstöckige Busse einsetzen, zusätzlich Geld für die Buswerkstätten ausgeben müssen. Die sind bisher nur auf Standardbusse eingerichtet; für Doppeldecker würden zum Beispiel höhere Arbeitsbühnen gebraucht. „Es wird eine Investition geben müssen“, heißt es bei Traffiq. Wie hoch sie ausfallen würde, wisse man aber nicht. Immerhin müssten die Werkstätten keine neuen Tore einbauen. Der Doppeldecker, so hat der erste Test ergeben, passt durch die Einfahrt.

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