https://www.faz.net/-gzg-7rkv2

Frankfurt - die wachsende Stadt : Jedes Jahr eine neue Grundschule

Wendepunkt: Die Demonstration der Elisabethenschüler im August 2013 machte die Stadtpolitik auch auf den schlechten Zustand vieler anderer Gebäude aufmerksam. Bild: Fiechter, Fabian

Der Investitionsbedarf ist riesig, die Gymnasien sind überfüllt, für Grundschüler fehlen Hortplätze. Und doch ist die steigende Schülerzahl ein Problem, das andere gern hätten.

          7 Min.

          Frankfurt ist einzigartig. Das ist keine lokalpatriotische Übertreibung, sondern eine statistisch belegbare Tatsache. In allen anderen Teilen Hessens schrumpfen die Schülerzahlen, selbst in den übrigen Großstädten der Rhein-Main-Region. In eher ländlichen Gegenden, etwa dem benachbarten Main-Kinzig-Kreis, kämpfen Elterninitiativen gegen die Schließung von Grundschulen. Mit schlechten Erfolgsaussichten, denn wo die Kinder fehlen, braucht man auch weniger Schulen.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Ganz anders die Lage in Frankfurt, dem größten hessischen Schulträgerbezirk. Schon jetzt geht hier jeder zehnte hessische Schüler zum Unterricht. In ein paar Jahren wird es vermutlich jeder achte oder zumindest neunte sein. Nach einer Prognose des Statistischen Landesamts wird die Schülerzahl in Hessen bis 2020 auf weniger als 520 000 fallen, während sie in Frankfurt auf fast 60 000 steigt. Die Stadt ist attraktiv für junge Familien, die, meist wegen der guten Berufsaussichten, hierherziehen, sie wächst aber auch von innen. Allein im Bürgerhospital im Nordend sind vergangenes Jahr 3300 Babys zur Welt gekommen - Platz eins unter den Geburtskliniken in Hessen.

          Pro Jahr 400 Grundschüler mehr

          Die meisten dieser Babys kommen früher oder später in die Krippe, fast alle werden den Kindergarten besuchen. Und dann dauert es nicht mehr lange, bis aus ihnen Erstklässler werden, und noch ein paar Jahre später folgt der Wechsel auf die weiterführende Schule. Für all diese Kinder muss die Stadt nicht nur Kita- und Schulgebäude bereitstellen, sie muss auch Erzieher, Sekretärinnen, Hausmeister und Schulsozialarbeiter beschäftigen, sie muss sogar vielerorts für schulische Nachmittagsangebote sorgen, weil das Land, dessen Aufgabe das eigentlich wäre, nicht schnell genug mit der Einrichtung von Ganztagsschulen vorankommt.

          Bild: F.A.Z.

          Doch noch einmal zurück zu den Statistiken, weil sie so beeindruckend sind. Seit 13 Jahren wächst in Frankfurt die Kinderzahl, inzwischen in allen Altersgruppen, aber besonders stark im Grundschulalter. Allein von 2010 auf 2011 nahm sie in dieser Gruppe von 22.267 auf 23 .178 zu. Die Stadt rechnet damit, dass sie bis 2019 auf mehr als 26.000 steigt - das sind jedes Jahr 400 Grundschüler mehr. Zum Vergleich: Eine Frankfurter Grundschule hat 200 oder 300 Kinder, wenn sie sehr groß ist, auch 400. Das heißt, dass die Stadt jedes Jahr eine neue Grundschule bauen müsste, um alle Kinder unterzubringen.

          Bild: F.A.Z.

          Dazu hausgemachte Probleme

          Das kann sie nicht tun. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen, aber auch, weil im dicht bebauten Frankfurt der Platz dafür fehlt. Also müssen die Kinder in den bestehenden Schulen enger zusammenrücken. Wo es möglich ist, werden Gebäude erweitert, auf vielen Pausenhöfen stehen Container, in denen zusätzliche Klassen untergebracht werden. Und mancherorts ersetzen die schnell zu errichtenden Blechkisten sogar ein festes Schulgebäude. Das neue Oberstufengymnasium am Riedberg, die IGS West in Höchst und die Bergiusschule sind derzeit komplett in Containern untergebracht.

          Scheinriese: Das neue Gymnasium am Riedberg ist groß, aber der Bedarf an Gymnasialplätzen ist noch größer.
          Scheinriese: Das neue Gymnasium am Riedberg ist groß, aber der Bedarf an Gymnasialplätzen ist noch größer. : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Zur Herausforderung der wachsenden Schülerzahl gesellen sich allerdings hausgemachte Probleme. Lange hat die Stadt zu wenig in Bestandsgebäude investiert, Sanierungen zogen sich teils über Jahrzehnte hin oder blieben völlig aus. Das Goethe-Gymnasium, in dem eine ganze Schülergeneration unter immer wieder stockenden Bauarbeiten und damit unter Lärm, Schmutz und Platznot litt, ist nur ein Beispiel. Die Schuld daran schoben sich das Stadtschulamt als Bauherr, das Hochbauamt als Bauträger und die beauftragten Unternehmen gegenseitig zu.

          Langer Weg der Elisabethenschule

          Vor knapp einem Jahr kulminierte der Ärger, teils auch die Verzweiflung von Lehrern, Eltern und Schülern in einer Demonstration der Elisabethenschule. Dem Gymnasium im Nordend hatte die Stadt eine Sanierung immer wieder versprochen, ohne dass etwas geschah. Die Lage in dem maroden Altbau hatte sich so zugespitzt, dass Schüler in Kellerräumen unterrichtet wurden, die mit Baustützen gegen Einsturzgefahr gesichert waren. Besucher der Bibliothek erhielten am Eingang abgezählte Bänder, um sicherzustellen, dass sich nicht mehr Schüler dort aufhielten, als der Boden zu tragen vermochte.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Er will immer voran gehen: Joshua Kimmich

          Joshua Kimmich : Die Königsfigur

          Was hasst Joshua Kimmich mehr, als ein Spiel zu verlieren? Zwei Spiele zu verlieren. Es wird viel mit ihm zu tun haben, ob die Nationalmannschaft das gegen Portugal verhindern kann.
          Vor der Amtsübergabe: Joe Biden mit seiner Frau Gill am 20. Januar in der Cathedral of St. Matthew the Apostle in Washington D.C.

          Aufstand der Bischöfe : Keine Kommunion mehr für Joe Biden?

          Amerikas katholische Bischöfe kritisieren, dass sich Präsident Biden beim Thema Schwangerschaftsabbruch an die geltende Rechtslage hält. Bald könnte er von der Kommunion verbannt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.