https://www.faz.net/-gzg-81hld

Frankfurt-Griesheim : Braunkohlestaub für Industriepark

Vorbild für Griesheim: Die Braunkohlestaub-Anlage in Frankfurt-Fechenheim, die ohne Schadstofffilter auskommt Bild: Helmut Fricke

Die Weyl-Chem will im Industriepark Frankfurt-Griesheim ein Kraftwerk bauen. Das soll mit Braunkohlestaub befeuert werden, kommt aber ohne Schadstofffilter aus. Anwohner zeigen sich dennoch besorgt - Weyl-Chem geht nun auf sie zu.

          1 Min.

          Das im Industriepark Griesheim ansässige Chemieunternehmen Weyl-Chem will ein Kraftwerk bauen, das mit Braunkohlestaub befeuert werden soll. Das Unternehmen möchte heute im „Nachbarschafts-Gespräch“, zu dem der Industrieparkbetreiber Infrasite einlädt, über das Projekt informieren. Der für Weyl-Chem vorgesehene Tagesordnungspunkt des öffentlich tagenden Gesprächskreises lautet: „Standortsicherung Griesheim - Investitionspaket und neue Energieversorgung“. Schon in den vergangenen Tagen mutmaßten Anwohner deshalb, dass es sich um ein wenig klimafreundliches Kraftwerk handeln könnte.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben 25 Millionen Euro in den Produktionsstandort investieren und so die rund 210 Arbeitsplätze sichern möchte, hat gestern auf Anfrage das Bauvorhaben bestätigt und dazu Details mitgeteilt. Die Energieanlage solle die Produktion sichern und kostengünstig Dampf für Prozesswärme liefern, teilt Weyl-Chem-Geschäftsführer Rafael Reiser mit.

          Neun Millionen Euro

          Die bisherige gasbetriebene Anlage mit 19,8 Megawatt Leistung soll durch ein 19,5-Megawatt-Kraftwerk ersetzt werden. Dabei handle es sich um eine effizienter arbeitende trivalente Anlage, die mit Braunkohlestaub, mit Erdgas oder White-Powder, einem Brennstoff aus Biomasse, zu betreiben sei.

          Für das Kraftwerk, das allein neun Millionen Euro kosten werde, soll im April beim Regierungspräsidium Darmstadt die Genehmigung beantragt werden. Ziel sei, die Anlage bis Mitte 2016 in Betrieb zu nehmen. Die möglichen Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt seien geprüft worden. Die Anlage werde deutlich unter den Emissionsgrenzen für Feinstaub, Stickoxid, Schwefeldioxid und Quecksilber arbeiten. Beim Betrieb mit Braunkohlestaub würden im Jahr 48 200 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen; dies seien 7200 Tonnen mehr als bei der Altanlage.

          Weyl-Chem gehört der International Chemical Investors Group an, zu der auch die Alessa-Chemie gehört, der Betreiber des Industrieparks in Fechenheim. Dort ist 2011 ebenfalls ein Braunkohlestaub-Kraftwerk errichtet worden. Es kommt ohne Schadstofffilter aus. Denn die sogenannten Schwellenwerte für Schadstoffe unterschreitet die Anlage.

          Weitere Themen

          Hilfe in den Slums von Kalkutta

          German Doctors : Hilfe in den Slums von Kalkutta

          Die Frankfurter Ärztin Ruth Kohl-Munthiu war im Auftrag der German Doctors in Indien. Der Einsatz war für sie bereichernd, aber auch bedrückend.

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Gut zwölf Stunden dauerte der erste Tag des Prozesses gegen Donald Trump im Senat. Dabei ging es nur um die Verfahrensregeln. Die Demokraten stellten lauter Änderungsanträge. Die Republikaner schmetterten alles ab.
          Ein kleiner Schritt für die Menschheit: Mit jedem gestreamten Video vergrößert sich unser ökologischer Fußabdruck.

          Klimawandel : Dürfen wir noch streamen?

          Jedes Video, das wir online ansehen, schadet dem Klima. Denn die Datenströme verbrauchen große Mengen an Energie. Ist eine Staffel „Game of Thrones“ also so schlimm wie ein Inlandsflug?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.