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Nachwuchs-Fluglotsen gesucht : „Wir schauen eher auf Talent als auf Schulnoten“

  • -Aktualisiert am

Hochsicherheitstrakt: Fluglotse bei der Arbeit Bild: Wonge Bergmann

Allein die Verantwortung über mehrere Zehntausend Passagiere haben? Wer sich eine Karriere als Fluglotse vorstellen kann, muss einige Voraussetzungen erfüllen.

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          „Wir sind nicht die mit den Kellen am Flughafen“, stellt die Pressesprecherin des Deutschen Flugsicherung (DFS), Kristina Kelek, klar. Sie schlendert über das weitläufige Gelände des DFS-Campus in Langen, wo an diesem Tag Partystimmung herrscht. Aus Boxen dröhnt Musik, überall gibt es Stände mit Informationen, Speisen und Getränken. Auf dem Areal drängen sich zeitweise bis zu 2000 junge Menschen. Schon bei der Anfahrt muss man sich in eine lange Warteschlange vor dem Parkhaus der DFS einreihen. Anhand der Autokennzeichen sieht man, dass die jungen Leute, die sich für diese Veranstaltung interessieren, aus ganz Deutschland kommen. Sie wollen sich über die Ausbildungsmöglichkeiten bei der DFS informieren.

          Hat man sich durch die vielfältigen Informationen an den Ständen durchgearbeitet wird schnell klar, welche Anforderungen der Beruf des Fluglotsen stellt. Gute Konzentration, Stressresistenz, Teamfähigkeit, die Gabe, schnell wichtige Entscheidungen zu treffen, und gutes räumliches Denken sind einige der Voraussetzungen. Also kein Job für Nerds, Einzelgänger und Zauderer. Deshalb sagt Kelek auch: „Wir schauen im Auswahlverfahren eher auf Talent als auf Schulnoten.“ Dieses Auswahlverfahren dauert in der Regel eine Woche, in der die Besten ausgesiebt werden. 150 von jährlich mehr als 6000 Bewerbungen werden die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten. Die Bewerberinnen und Bewerber dürfen höchstens 24 Jahre alt sein, Deutsch und Englisch müssen sie fließend sprechen.

          Erster Einsatz nach anderthalb Jahren

          Wer es nicht schafft, einen Ausbildungsplatz in Langen zu bekommen, kann es bei Tochtergesellschaften der DFS versuchen, die kleinere Flugplätze wie Memmingen betreut.

          Schon nach eineinhalb Jahren dürfen die Neulingen die Flugzeuge lotsen, allerdings nur in Zusammenarbeit mit einem Coach. Nach spätestens vier Jahren haben sie allein die Verantwortung über mehrere Zehntausend Flugpassagiere während einer Schicht. Auch dabei müssen Fluglotsen flexibel sein. Da die Flugsicherung 24 Stunden an 365 Tagen arbeitet, muss jeder die Bereitschaft zur Schichtarbeit mitbringen, was jedoch vor allem für Frauen ein Vorteil sei. Der Frauenanteil steige seit Jahren, liege inzwischen bei über dreißig Prozent, so die Pressesprecherin. 2200 Fluglotsen arbeiten derzeit bei der DFS.

          1200 Euro plus 400 Euro Wohngeld

          Kristina Kelek beschreibt die Vorteile einer Ausbildung bei der DFS. „Bei uns muss man kein Geld mitbringen“, spielt sie auf die Pilotenausbildung an, die von den Auszubildenden in großen Teilen selbst bezahlt werden muss.

          Im ersten Ausbildungsjahr erhalten die angehenden Fluglotsen 1200 Euro plus 400 Euro Wohngeld, wenn sie rund um Langen eine Wohnung suchen müssen. Sobald sie in der Praxis arbeiten, erhalten sie 50.000 Euro pro Jahr, wenn sie alleinverantwortlich tätig sein dürfen, sind es 100.000 Euro.

          Doch wie sieht es in Zukunft mit dem Fliegen aus? Werden überhaupt noch so viele Fluglotsen benötigt, wenn Geschäftsreisende wegen Onlinekonferenzen weniger werden, wenn Urlaubsflüge wegen der Verteuerung des Flugbenzins nicht mehr so erschwinglich sind oder die EU aus Umweltgesichtspunkten Kurzstreckenflüge irgendwann verbieten könnte? Fragen, auf die auch Kelek keine Antworten hat. Die DFS orientiere sich an der Ist-Situation, alles andere seien politische Entscheidungen.

          Kelek verweist allerdings auf die Umweltbemühungen der DFS. Die Flugzeuge würden so geführt, dass sie keine unnötigen Umwege fliegen, durch neue Flugverfahren würden überflogene Wohngebiete von Lärm entlastet, neue Technik biete hier immer neue Möglichkeiten.

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