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Eintracht Frankfurt : Die Decke wird immer dünner

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Ein Drittel der Eintracht hebt das Bein: Chandler, Oczipka und Regäsel (von links) gehören zum Häuflein Aufrechter. Bild: Jan Huebner

Nur neun Feldspieler stehen Kovac zu Beginn des Trainingslagers zur Verfügung: Aigner und Ben-Hatira sind krank, für Medojevic ist die Saison ganz vorbei. Der Eintracht-Coach trägt es mit Fassung.

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          Niko Kovac hatte sich das so schön ausgemalt. Der neue Eintracht-Trainer wollte die Länderspielpause nutzen, seinen Kader besser kennenzulernen und mit akribischer Detailarbeit das spielerische Vermögen zu steigern. Dass ihm beim Trainingslager auf dem eigenen Gelände ein paar Nationalspieler fehlen würden, war dem 44 Jahre alten Kroaten bewusst. Aber er erachtete dennoch eine intensive Trainingswoche in Frankfurt für sinnvoll, mit gemeinsamem Frühstück und Mittagessen sowie einem Testspiel gegen die eigene U19.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Als Kovac am Dienstagmorgen seine Profis zum Auftakt der langen Vorbereitung auf das nächste Bundesligaspiel gegen Bayern München am 2. April begrüßte, war die Ernüchterung jedoch groß. Nur neun Feldspieler meldeten sich bereit zum Training: Chandler, Regäsel, Abraham, Oczipka, Ignjovski, Huszti, Kittel, Waldschmidt und Casteignos. Das führte zum Kuriosum, dass fast so viele Trainer und Betreuer, nämlich acht, wie Spieler auf dem Platz standen. Über Nacht war Änis Ben-Hatira an einem Magen-Darm-Virus erkrankt, auch Stefan Aigner meldete sich krank, und Marco Russ klagte über Schmerzen im Bereich der Adduktoren.

          Das Prinzip Trainingslager

          Dass Stefan Reinartz und Marc Stendera eine Pause benötigen würden, war schon unmittelbar nach dem Bundesligaspiel gegen Hannover 96 klar, in dem sie sich leichtere Verletzungen zugezogen hatten. Dagegen ist es bei Slobodan Medojevic nicht mehr mit einer Pause getan. Der Serbe fällt für den Rest der Saison aus. Trainer, Spieler und medizinische Abteilung trafen die Entscheidung, die anstehende Achillessehnen-Operation nicht in die Sommerpause hinauszuschieben, sondern in den nächsten Tagen zu vollziehen.

          Das Risiko wäre zu groß, dass die eingerissenen Fasern der Sehne vollständig zerreißen und der Heilungsprozess sich dadurch deutlich verlängern würde. Damit ist Medojevic nach Anderson, Gacinovic und Meier der vierte Dauerverletzte der Eintracht. „Ich hatte schon andere Vorstellungen, aber Trainer müssen sich schnell umstellen können“, sagt Kovac am Dienstagmittag. Auch in dieser Situation versuchte er Optimismus auszustrahlen. „Ein Trainer muss im Spiel schnell reagieren, jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit, ich kann mir beim Mittagessen überlegen, was wir umwandeln. Wir kriegen das schon hin.“ Am Prinzip des Trainingslagers mit gemeinsamen Mahlzeiten, längeren Besprechungen und intensiven Übungseinheiten, will er festhalten.

          Nur die Trainingsinhalte muss er abwandeln. „Ich wollte etwas größere Spiele machen. Bei geringerer Anzahl der Spieler wird die Belastung jedoch größer, ich muss darauf achten, genug Pausen zu machen“, sagte Kovac. Der Kroate wird bis Ostersamstag konditionell einen Impuls setzen, aber trotz der Hindernisse auch technisch-taktisch arbeiten, nur eben in kleineren Gruppen und nicht in Mannschaftsstärke. Am Trainingslager-Prinzip hält er fest, auch die verletzten Spieler beziehen ihr Tageszimmer in einem Hotel in der Otto-Fleck-Schneise, nur die erkrankten Aigner und Ben-Hatira bleiben zunächst wegen der Ansteckungsgefahr zu Hause. Der gesamte Kader darf in den eigenen Betten übernachten.

          Wie es um Meier steht

          Die Personaldecke der Eintracht ist im Moment sehr, sehr dünn, Kovac hat jedoch keine Bedenken, für das nächste Spiel gegen die Bayern genug Personal zu haben. Außer Medojevic sollten alle bis zur Auseinandersetzung mit dem deutschen Rekordmeister wieder fit werden. Nur hinter dem Einsatz von Alex Meier steht ein Fragezeichen. „Ich persönlich glaube, dass es für Alex schwierig wird mit München, aber das ist für mich auch kein Ziel“, sagt Kovac und fügt an: „Für mich ist das Ziel Hoffenheim, da wollen wir Alex dabeihaben. Und das ist auch sein Ziel.“ Den Torjäger plagen immer noch Knieschmerzen wegen des Einrisses am Hoffa’schen Fettkörper, was kein Wunder ist, denn diese sensible Struktur aus Fett und Gewebe hat die schmerzintensivste Wahrnehmung im gesamten Kniegelenk. Und der Hoffa’sche Fettkörper wird durch Beugung und Streckung des Gelenks berührt und verformt. Das leichte Lauftraining, das Meier vor ein paar Tagen begonnen hatte, musste er wieder unterbrechen. Ihm bleiben im Moment nur muskelstabilisierende Übungen im Kraftraum.

          Falls der Torjäger noch länger ausfiele, wäre es umso wichtiger, dass die Kollegen Nationalspieler unverletzt von ihren Länderspielreisen zurückkehrten. Vor allem die Offensivkräfte Seferovic, der mit der Schweiz in Irland und gegen Bosnien-Hercegovina im Einsatz ist, sowie Fabian, der mit Mexiko gegen Kanada spielt. So langsam könnte die Verletzungsserie der Eintracht reißen, wünscht sich sicherlich nicht nur Kovac.

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