https://www.faz.net/-gzg-82p22

Eintracht Frankfurt : Veh als dritter Mann

Mehr als eine Idee: Bruchhagen hat Veh 2014 verabschiedet, womöglich begrüßt er ihn bald wieder bei der Eintracht. Bild: Jan Huebner

Führungskräfte gesucht: Der frühere Trainer der Eintracht muss nicht unbedingt das Erbe von Vorstandschef Bruchhagen antreten. Auch Metzelder weckt Interesse.

          5 Min.

          Die Suche läuft. Bei der Eintracht ist mit dem Verlauf dieser Saison niemand glücklich. Sicherlich, die Tatsache, dass das Team vier Spieltage vor Saisonschluss nicht ernsthaft um den Klassenverbleib bangen muss, wird nach Monaten des Umbruchs offiziell als Erfolg gewertet. Intern ist die Sprachregelung aber eine andere, da ist die Rede von einer frustrierenden Rückrunde, die den Klub einiges an Sympathie beim eigenen Anhang kostete und Unmut im Kreis der Sponsoren und Logen-Mieter hervorrief. Die Sommerpause werden die Frankfurter nutzen müssen, um sich sportlich und organisatorisch neu aufzustellen und so dem selbstgesteckten Ziel, sich künftig in Reichweite der Top-Acht-Klubs zu positionieren, einen Schritt näher zu kommen. Platz elf, den das Team von Trainer Thomas Schaaf nach der Niederlage in Dortmund einnimmt, entspricht nicht dem Potential, das die Eintracht besitzt – und dieser Rang erfüllt auch nicht die eigenen Erwartungen.

          Führungskräfte werden gesucht. Vordringlich auf dem Platz, um einen Kader, der einige hochbegabte Profis vorweisen kann (Aigner, Meier, Trapp, Zambrano, Oczipka), auf ein höheres Leistungsniveau zu heben. Die Mannschaft deutete ihre Klasse hin und wieder an, aber in kritischen Situationen fehlte es selbst den besten Spielern an Stressresistenz und Willensstärke. Unter Druck fiel das Team regelmäßig auseinander.

          Veh fühlte sich in Frankfurt wohl

          Auch an der Spitze der Eintracht stehen Veränderungen an. Mit dem angekündigten Rückzug Wilhelm Benders, der zum 30. Juni seine Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender abgeben wird (F.A.Z. vom 27. April), haben Planspiele neue Phantasie erhalten, wie die Frankfurter auf den ebenfalls anstehenden Rückzug Herbert Bruchhagens reagieren könnten. Der Vorstandsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG wird Mitte 2016 aus dem Amt scheiden – als möglicher Nachfolger ist dabei Armin Veh erster Kandidat. Aus gutem Grund.

          Wolfgang Steubing, der beste Chancen besitzt, von der Hauptversammlung der Aktionäre mit der Aufgabe betraut zu werden, Benders Amt zu übernehmen, gilt als Freund und Förderer Vehs. Beide haben sich in den Jahren 2011 bis 2014, als der Fußballlehrer in Frankfurt angestellt war, angefreundet und stehen nach wir vor in Kontakt. In einem Interview mit dem Fernsehender „Sky“ signalisierte Veh schon Interesse an dem für ihn ungewohnten Schreibtisch-Job. Nach seinem freiwilligen Rückzug beim VfB Stuttgart, bei dem er vor zwölf Monaten unterschrieben hatte, weil es ihm an Perspektiven bei der Eintracht mangelte, ist er ohne Beschäftigung. Bei den Schwaben erfüllten sich auf beiden Seiten die Hoffnungen nicht, die mit der Rückkehr des heute 54-Jährigen an die Stätte, wo er 2007 die Meisterschaft gewann, verbunden worden waren: Veh trat am 24. November zurück, löste den Vertrag auf – und verzichtete auf eine Abfindung. Seitdem hat er mehr als einmal eingeräumt, dass es ein Fehler gewesen sei, die Zelte am Main abgebrochen zu haben, wo er (und seine Familie) sich so wohl gefühlt hätten wie nirgendwo anders während ihrer seit drei Jahrzehnten währenden Reise durch Fußball-Deutschland und die Schweiz.

          Vehs Abschied von Frankfurt

          Im Interview mit dieser Zeitung sagte er unlängst, dass er sich selten „mit Vorstand und Manager so gut verstanden habe“ wie bei der Eintracht. Bei allen der zahlreichen Auseinandersetzungen mit Bruchhagen, die beide über die Medien führten, wenn es darum ging, ob die Eintracht im Mittelfeld der Liga „zementiert“ (Bruchhagen) oder ein „schlafender Riese“ ist (Veh), sei es allein um sachliche Argumente gegangen, behauptete der Coach im Rückblick. Er habe zu dem Verein eine „emotionale Bindung aufgebaut. Es war nicht nur ein Job, sondern mehr“, sagte Veh nach seinem Abschiedsspiel mit der Eintracht am 10. Mai 2014, das ihn ausgerechnet in seine Heimatstadt und gegen den FC Augsburg führte.

          Bei der anschließenden Feier mit Freunden und Bekannten flossen Wein und Weißbier reichlich – aber eben auch mehr als eine Träne. „Ich habe in Frankfurt Menschen kennengelernt, die ich mag“, sagte Veh. Dazu zählte er explizit Steubing und Axel Hellmann, der neben Bruchhagen im AG-Vorstand sitzt, kürzlich seinen Kontrakt bis Mitte 2019 verlängerte und bei der Suche nach einem Mann an seiner Seite maßgeblich mitsprechen wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.