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Basketball : Nino und sein neues Leben

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Nicht zurück zu blicken, sondern vorauszuschauen ist sein Motto: Stefano Garris, ehemaliger Frankfurter Basketballprofi (hier im Jahr 2003). Bild: imago

Der einstige Frankfurter Basketballprofi Stefano Garris hat sich zwar nicht ganz vom Sport verabschiedet, setzt aber andere Schwerpunkte.

          In diesem Sommer geht der Blick noch einmal zurück. Zehn Jahre in die Vergangenheit, auf die Basketball-Weltmeisterschaft 2002 in den Vereinigten Staaten. Die deutsche Nationalmannschaft, Bronzegewinner, trifft sich in Berlin zu einer kleinen Jubiläumsfeier. Einer von denen, die in Indianapolis gemeinsam mit Dirk Nowitzki den Erfolg erspielten, ist Stefano Garris. Der 72-malige Nationalspieler freut sich sehr auf diesen Tag. „Ich hoffe natürlich, dass alle kommen. Wir waren ein tolles Team. Abgesehen davon, komme ich immer gerne nach Berlin zurück“, sagt der 32-Jährige. Sieben Jahre lang war Berlin seine Stadt. Mit 19 ging es von Paderborn in die große Welt, von der Pader an die Spree. Erst nach fünf Meistertiteln zog der für seine formidable Verteidigungsarbeit gefürchtete Flügelspieler weiter nach Frankfurt, von der Spree an den Main. Aber abgesehen von einem bestens dotierten Dreijahresvertrag stimmte dort nahezu nichts. Dafür gab es um so mehr Verletzungspech. Frankfurt wurde nie seine Stadt, die Skyliners wurden nie der Verein seines Herzens. 52 Bundesliga-Einsätze in drei Jahren - Garris saß viel auf der Bank. „Von den drei Jahren war ich zwei verletzt. Immer, wenn ich mich herangekämpft hatte, kam der nächste Rückschlag. Da hat es mir sehr geholfen, dass ich jemand bin, der fest daran glaubt, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert“, sagt Garris.

          Zum Abschiedsspiel von Pascal Roller kehrte er Ende Januar an seine alte Wirkungsstätte zurück. Sonst spielen Blicke zurück für Garris kaum noch eine Rolle. Die Gegenwart ist für ihn Bad Lippspringe, wenige Kilometer von seinem Geburtsort Paderborn entfernt. Dort nahm seine Karriere den Anfang, dort endete sie. Seit 2009, nachdem er mit seinem Heimatverein erstmals in der Vereinsgeschichte die Play-offs erreicht hatte, gibt es den Bundesliga-Spieler Garris nicht mehr. Es wird ihn auch nicht mehr geben. „Für die erste Liga würde es nicht mehr reichen, weder körperlich noch mental, und auch die zweite Liga muss ich mir nicht mehr antun. Aber das ist doch völlig okay. Ich habe gegen die Besten der Welt gespielt, meinen Traum gelebt. Wer kann das schon behaupten?“, sagt der Sohn einer Italienerin und eines Amerikaners.

          Er freut sich auf das, was kommt

          Im Leben nach dem Traum gibt es für Garris keine Luftschlösser mehr, jetzt tut es ein Heim im mediterranen Stil in der beschaulichen Kurstadt. „Da haben sich meine italienischen Wurzeln durchgesetzt“, sagt Stefano Marco Garris. Mutter Gabriella hat ihrem Nino auch den ausgeprägten Sinn für das Familienleben mitgegeben. Seit Dezember 2009 ist er mit seiner Jugendliebe, der ehemaligen „Deutschland sucht den Superstar“-Finalistin Stephanie Brauckmeyer, verheiratet. Der gemeinsame Sohn Jaden Romeo ist sechs Jahre alt und hat seinen Vater so fest im Griff wie damals der Basketball: „Es gibt nichts Schöneres, als dem Kleinen beim Fußballspielen zuzusehen. Zuletzt hat sein Team 15:0 gewonnen, er hat sechs Tore geschossen. Da bekomme ich am Spielfeldrand Gänsehaut.“

          Garris selbst geht nach einer einjährigen Basketball-Auszeit in der vierten Liga wieder auf Korbjagd. Am schweren Anfang mit 116 Kilogramm, nun längst wieder mit seinem Wettkampfgewicht von 95 Kilogramm. Die zweite Saison im Trikot der Baskets Salzkotten ist gerade beendet. Mit 15,6 Punkten hatte Garris großen Anteil daran, dass aus dem zwischenzeitlichen Ligaletzten noch ein zufriedener Siebter wurde. Ob der einstige Frankfurter, der am 21. April 33 Jahre alt wird, weiterhin Zeit für drei Trainingseinheiten pro Woche findet, ist fraglich. Die Lust ist da, aber die Zeiten ändern sich. Bis zum Sommer möchte der 2,01 Meter große Schüler das Fachabitur nachgeholt haben, um anschließend ein Studium an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn aufnehmen zu können. Zudem ist mindestens ein Abend in der Woche für die Musik reserviert. Der Rapper Garris ist Sänger einer Band, die auch deshalb noch nicht aufgetreten ist, weil sie noch keinen Namen hat. Ginge es um eine grobe Einstufung des Dargebotenen, könnten sie „Die Söhne Paderborns“ heißen, aber so werden sie nicht heißen. Die Suche läuft, Garris gibt sich entspannt, nicht nur bei diesem Thema. Wie einer, der mit sich und der Welt im Reinen ist. „Mein Leben ist großartig. Mein Leben war großartig. Ich brauche auch keine Zeitmaschine. Es gibt nichts, das ich anders machen würde. Ich bin nicht der Typ, der zurückblickt. Viel lieber freue ich mich auf all das, was kommt.“

          Für das anstehende Wiedersehen in Berlin macht er eine Ausnahme. Da wird im Kreise seiner einstigen Teamkollegen sehr gerne zurückgeblickt, auf die WM 2002, auf Bronze in Indianapolis, auf den größten Erfolg des ehemaligen Profis, den sie „Nino“ nennen.

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