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Bad Homburg : Stadt sucht Planer für den U-Bahn-Ausbau

Nicht mehr Endstation: In Bad-Homburg-Gonzenheim soll die Strecke bis zum Bahnhof weitergeführt werden. Bild: Cornelia Sick

Nach dem Votum der Bürger will Bad Homburg nicht zögern. In den kommenden Jahren soll die U-Bahn-Strecke verlängert werden. Die Anwohner setzen auf das Versprechen eines besseren Lärmschutzes an der Strecke.

          Nach dem klaren Ergebnis des Bürgerentscheids über die Verlängerung der U-Bahn-Strecke hat die Stadt Bad Homburg angekündigt, die Ausführungsplanung auszuschreiben. Da wegen der hohen Auftragssumme ein europaweites Verfahren nötig ist, dem auch noch eine Interessenbekundung vorausgeht, kann der Auftrag nach Einschätzung der Verantwortlichen frühestens in neun Monaten vergeben werden.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          70,3 Prozent der Bad Homburger, die den gelben Zettel des Bürgerentscheids angekreuzt haben, sprachen sich am Sonntag für den Weiterbau der U-Bahn-Strecke von der heutigen Endhaltestelle Gonzenheim bis zum Bad Homburger Bahnhof aus. 29,7 Prozent stimmten dagegen. Das Erreichen des Quorums stand angesichts einer Wahlbeteiligung von 63,8 Prozent außer Frage. Knapp zwei Drittel der Bürger hätten abgestimmt und die Frage eindeutig beantwortet, sagte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gestern. Magistrat und Verwaltung machten jetzt die ersten Schritte, um die detaillierte Planung in Auftrag geben zu können.

          Der Schallschutz werde besonders beachtet. So sei zwischen der Frankfurter Landstraße und dem Bahnhof außer einem Schallschutz auf der Nordseite ein zusätzlicher Schutz nach Süden vorgesehen, der die Geräusche der schon heute fahrenden S-Bahn und Taunusbahn dämmen werde. In welcher Rechtsform das Projekt verwirklicht werde, sei noch offen. Die Stadt selbst sei weder von der Personalkapazität noch von der Erfahrung her in der Lage, eine Schienenstrecke zu realisieren.

          Dreieinhalb Jahre Bauzeit

          Die Hauptbauzeit veranschlagen die Planer auf dreieinhalb Jahre. In dieser Zeit soll die heutige Station Gonzenheim unter die Erde verlegt werden. Hinter der heutigen Bahnbrücke über die Frankfurter Straße kommt die U-Bahn an die Oberfläche zurück, um dann auf die bestehende Bahntrasse Richtung Bahnhof einzuschwenken. Für den Bau der insgesamt 1,6 Kilometer langen Strecke wird mit Kosten von bis zu 65 Millionen Euro kalkuliert. Davon entfallen 21 Millionen Euro auf die Stadt Bad Homburg. Sorgen der Anwohner wegen der jahrelangen Großbaustelle und der Folgen des Bauwerks schlugen sich in den drei Wahllokalen des Stadtteils nieder. Dort waren die Gegner in der Mehrheit, ebenso in einem Briefwahlbezirk. In allen übrigen 39 Wahlbezirken überwog die Zahl der Befürworter.

          Die Bad Homburger SPD lobte das Ergebnis des Bürgerentscheids, weil der Lückenschluss zum Bahnhof die S-Bahn entlasten könne. Das sei Voraussetzung für die Elektrifizierung der Taunusbahn und den Bau der Regionaltangente West, so die Parteivorsitzende Elke Barth. Für den Fraktionschef Jürgen Stamm zeigt die Debatte um Diesel-Fahrverbote die Bedeutung des Schienenverkehrs. Auch die IHK Frankfurt sieht in der Verlängerung die Chance, dass mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene wechselt. Wenn der Verkehr besser durch das Nadelöhr Bad Homburg fließe, profitierten davon die Wohn- und Wirtschaftsstandorte im Hochtaunuskreis, so IHK-Präsident Mathias Müller.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), sah den Lückenschluss in der Tradition der alten Stadtbahnlinie 25. Zusammen mit dem geplanten Nachbarschaftsticket werde das ein „tolles Paket“. Sein Stellvertreter, Landrat Ulrich Krebs (CDU), hob die Verknüpfung mit der Bahn ins Usinger Land hervor, das als Siedlungsreserve für den gesamten Frankfurter Raum wichtig sei.

          „Das muss man akzeptieren“

          Die Gegner des Projekts zeigten sich vom Ausgang des Bürgerentscheids nicht überrascht. „Das muss man akzeptieren“, sagte Marcus Steingräber, der in Zusammenhang mit dem Planfeststellungsverfahren eine Bürgerinitiative gegründet hatte. Es sei zu wenig bekannt gewesen, dass der eingleisige Abschnitt nicht das bringen werde, was sich die Befürworter erhofften. Auch die Folgen der jahrelangen Bauzeit würden die Bürger noch spüren. Jetzt sei es wichtig, dass die Anwohner bei der Ausgestaltung des Lärmschutzes ins Boot geholt würden.

          Auf das Versprechen eines Lärmschutzes, der über die Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses hinausgeht, setzt Wolfgang Lindstaedt, Ortsbeiratsmitglied der FDP und Gegner des U-Bahn-Ausbaus. Bei einem Runden Tisch mit dem Oberbürgermeister habe man sich auf völlig neue Schallschutzberechnungen geeinigt, die nicht den früheren sogenannten Schienenbonus berücksichtigten. Dieser habe der Bahn höhere Lärmwerte erlaubt. „Wir werden sehen, an wie vielen Punkten die Stadt zu Änderungen bereit ist“, sagte Lindstaedt.

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