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Frankfurts SPD-Chef Mike Josef : Aufstieg nicht ausgeschlossen

Rasante Karriere: Vom Sprecher der Jungsozialisten wurde er innerhalb von acht Jahren zum Planungsdezernent in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

2002 wählte er aufgrund seiner christlichen Prägung noch CSU-Kanzlerkandidat Stoiber. Heute ist Mike Josef Frankfurter Planungsdezernent und Hoffnungsträger der Sozialdemokratie. Welche Türen stehen ihm zukünftig noch offen?

          Wer rettet die deutsche Sozialdemokratie? Die SPD steckt nicht nur in der Wählergunst in einem historischen Tief, sie ist auch weitgehend führungslos. Blickt man indes auf die Kommunen, scheint nicht alle Hoffnung verloren. In vielen Großstädten – etwa in Frankfurt, Wiesbaden oder Kassel – stellt die Partei den Oberbürgermeister, vielerorts führen Sozialdemokraten durchaus erfolgreiche Koalitionen an oder regieren zumindest mit. Hier, außerhalb des Raumschiffs Berlin, kann man es einer ganzen Riege von modernen Sozialdemokraten zutrauen, die SPD aufzurichten und die Genossen wieder zum Lichte emporzuführen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einer dieser Hoffnungsträger ist Mike Josef. Mit gerade einmal 30 Jahren wurde er 2013 SPD-Vorsitzender in Frankfurt. Der bis dahin in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte junge Mann machte den durch jahrelanges Drücken der Oppositionsbank frustrierten Frankfurter Genossen wieder Mut, beendete die teilweise bösartigen Flügelkämpfe der vorangegangenen Jahre und führte die Frankfurter SPD 2016 wieder in die Stadtregierung. In den Koalitionsverhandlungen sicherte Josef seiner Partei wichtige Dezernate, er selbst wurde Planungsdezernent. Heute verhandelt der nunmehr Sechsunddreißigjährige mit Investoren über Abermillionen Euro teure Bauprojekte, plant neue Stadtteile oder Gewerbegebiete und versucht nicht ohne Erfolg, den Bau bezahlbarer Wohnungen anzukurbeln.

          Sich selbst treu geblieben

          Dass Josef einmal Parteivorsitzender und Stadtrat in einer Metropole wie Frankfurt werden könnte, haben sich seine ehemaligen Kumpels in Ulm nicht im Traum vorstellen können. Für sie ist „der Mike“ weiterhin einer der Ihren, ein zuverlässiger Freund, mit dem sie regelmäßig im Kontakt stehen und der ganz selbstverständlich dazugehört, wenn sich die alte Clique aus dem Heimatstadtteil Wiblingen und dem alten Fußballverein zu einer Party oder einer Geburtstagsfeier in Ulm trifft.

          „Der Mike ist der Gleiche geblieben“, versichern Alexander und sein Bruder David, Kinder jugoslawischer Gastarbeiter, die schon als Jugendliche mit Josef die Trabantensiedlung Wiblingen durchstreiften, in der Hauptschule zusammenhielten und beim TV Wiblingen kickten. Dieses Wiblingen wird beherrscht von einem in den siebziger Jahren entstandenen, an die 500 Meter langen Betonriegel. In einen dieser Wohnblöcke ist die Familie Josef Ende der achtziger Jahre eingezogen.

          Vor 34 Jahren: Josef am Palmsonntag in seiner Geburtsstadt Kameshly in Syrien.

          Sohn Mike wurde noch in Syrien geboren, in der Stadt Kameshly oben im Nordosten des Landes. Die Eltern sind Christen, gehörten in ihrer Heimat der aramäischen Minderheit an, die schon damals Probleme in dem mehrheitlich muslimischen Land hatte. Weil Vater und Mutter Josef in Syrien keine Zukunft für ihre Familie sahen, verließen sie 1987 das Land und bekamen in Deutschland politisches Asyl.

          Kindheit in Arbeitersiedlung von Ulm

          Ein erstes Unterkommen fanden sie bei einer Tante in Krauchenwies nördlich des Bodensees, ihr dauerhaftes Domizil aber wurde Ulm, wo die Familie eine Wohnung mieten konnte, der Vater eine Beschäftigung als Lagerarbeiter fand und der kleine Mike zwei Schwestern bekam. Die Trabantensiedlung Wiblingen mit ihren alteingesessenen Facharbeitern, mit den Gastarbeitern aus den klassischen Anwerbeländern, mit den Spätaussiedlern aus der Sowjetunion und später den Flüchtlingen aus aller Welt sei für ihn eine echte Heimat gewesen, erinnert sich Josef.

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