https://www.faz.net/-gzg-72hzi

1. FFC Frankfurt : Kunststücke vom Kader de Luxe

  • -Aktualisiert am

Das internationale Gesicht des 1. FFC: Sandrine Brétigny vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon soll Frankfurt beflügeln. Bild: Huebner/Roemer

Die besonders ergiebige Shopping-Tour ist beendet, eine wilde Entschlossenheit ist zu spüren: Für den 1. FFC Frankfurt beginnt eine Saison, die den Erfolg zurückbringen soll.

          3 Min.

          Die Aufforderungen an Sven Kahlert kamen von links und rechts, aber sie waren in ein wenig Watte gepackt. Der Trainer des 1. FFC Frankfurt steht vor der neuen Spielzeit in der Frauenfußball-Bundesliga gehörig unter Druck, und bei der Pressekonferenz zum Saisonauftakt am Donnerstag in Frankfurt brachten die wichtigsten Männer des Vereins das auch zum Ausdruck - nur mit anderen Worten. Der Stärkste von allen, Manager und Investor Siegfried Dietrich, links neben Kahlert auf einem breiten Podium sitzend, sagte entschlossen: „In dieser Saison muss etwas passieren.“ Und ein paar Stühle weiter rechts fasste der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Bodo Adler, seine Ansprüche so zusammen: „Ich erwarte die Meisterschaft, darauf ist Sven vorbereitet. Mit dieser Mannschaft kann man keine anderen Ziele haben.“Diese Mannschaft war noch nie schlecht bestückt, aber in diesem Jahr ist sie so hochwertig aufgestellt wie noch nie. Das ergibt, verbunden mit einer zuletzt enttäuschenden Saison ohne Titel und mit einigen schmerzhaften Rückschlägen, eine klare Botschaft: Ohne Pokale und ohne überzeugendes Auftreten des neuen FFC wird es in Frankfurt in nächster Zeit ungemütlich - alles andere wäre auch ein Wunder.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Verein ist so sehr an Erfolg gewohnt, dass ihm die vergangenen Jahre wie eine einzige Tortur vorkommen müssen 2008 holte man noch das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Erfolg im Europapokal nach Frankfurt, aber nach dieser unvergleichlichen Blüte folgte die große Dürre. Nur der Sieg im Finale des DFB-Pokals 2011 brachte eine kurze Aufhellung, aber gemessen an den Ansprüchen des Vereins war das viel zu wenig. In der vergangenen Saison wurde der FFC in der Bundesliga nur Dritter, das heißt, er kann maximal zwei Titel holen - in der Meisterschaft und im nationalen Pokal. Dass der finanziell und personell bestens ausgestattete Verein die Qualifikation für die Champions League verpasst hat, war der größte anzunehmende Unfall. Dietrich nennt ihn „die Höchststrafe“. Mit den Reparaturarbeiten kann von diesem Sonntag an begonnen werden, denn dann beginnt für den FFC mit dem Heimspiel gegen USV Jena (11 Uhr im Stadion am Brentanobad) die Meisterschaft.

          Ernstzunehmende Konkurrenten gibt es dennoch

          Dietrich hat alles dafür getan, die Wahrscheinlichkeit eines Titelgewinns deutlich zu erhöhen, denn dieser Großeinkäufer im deutschen Frauenfußball hat eine besonders ergiebige Shopping-Tour hinter sich. Dass der Frankfurter Kader in der Bundesliga ohne Vergleich ist, bestreitet niemand. Zu den vielen prominenten und auf höchster Ebene bewährten Spielerinnen kamen weitere hinzu: Simone Laudehr aus Duisburg, Babett Peter und Bianca Schmidt aus Potsdam zum Beispiel, drei weitere deutsche Nationalspielerinnen also. Und die Französin Sandrine Brétigny, verpflichtet vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon, gibt der wilden Entschlossenheit des FFC ein internationales Gesicht. Die Stürmerin soll jene Rolle ausfüllen, die nach dem Karriereende der mehrmaligen Weltfußballerin Birgit Prinz vakant war und die in den vergangenen Jahren für die ungewohnte Dauerschwäche des deutschen Serienmeisters stand.

          Jetzt besteht der Kader de Luxe aus 23 Spielerinnen, und Dietrich, der den Saisonetat auf 1,8 Millionen Euro gesteigert hat, ist nach dem Durchzählen selbst nicht ganz sicher, wieviele deutsche Nationalspielerinnen dazu gehören. Zehn oder elf, sagt er, was so oder so ein Wert ist, den keine andere deutsche Mannschaft erreicht - so viele Nationalspielerinnen gibt es ja nun auch wieder nicht. Kommt hinzu, dass auch die Integration zu funktionieren scheint, denn Kahlert sagt, alle Neuen hätten „so eingeschlagen, wie erhofft.“ Im Trainingslager in Bad Hersfeld zum Beispiel oder bei den hohen Testspielsiegen gegen den FC Barcelona und Paris Saint-Germain. Das führe dazu, dass der Konkurrenzdruck ungefähr so hoch sei wie in der Nationalmannschaft. Angesichts dieser Ausstattung mit Spitzenspielerinnen sagt Dietrich: „Was unsere Ziele betrifft, dürfen wir nicht rumeiern.“ In der vergangenen Saison stand der FFC zwar in den Endspielen des nationalen und des europäischen Pokalwettbewerbs, aber die wurden beide verloren, gegen Bayern München und Lyon. Viel erreicht, nichts gewonnen, so klang die bittere Bilanz damals. Eine Wiedervorlage käme einer Kapitulation gleich.

          Natürlich erwähnten Dietrich und Kahlert auch, dass es trotzdem noch ernstzunehmende Konkurrenten gibt. Den VfL Wolfsburg zum Beispiel, der Zweiter in der Meisterschaft war, also in der Champions League antreten darf, und der ebenfalls viel Geld in die Hand genommen hat. Dass Turbine Potsdam, der deutsche Meister von 2009 bis 2012, trotz permanenter personeller Auszehrung gefährlich bleibt, dafür lieferte der große Frauenfußballfreund und frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger am Donnerstag als Gast des FFC die Kurzzusammenfassung. Verbunden mit einem Lob für den dort seit über vierzig Jahren tätigen Trainer Bernd Schröder: „Bei dem weiß man nie, was er wieder aus dem Nachwuchs zaubert.“ Was immer das sein wird - der FFC sollte sich davon nicht beeindrucken lassen. Die größten Kunststücke will er schließlich selbst aufführen.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Eines ist allen in der Union klar: Auch ein knappes Rennen, ja sogar ein knapper Sieg führen nicht automatisch ins Kanzleramt.

          Wer wird Bundeskanzler? : Laschets Kampf geht weiter

          Trotz herber Verluste will Armin Laschet weiter Kanzler werden – auch als Zweitplatzierter. Das ginge nur mit Grünen und FDP. Eine „Zukunftskoalition“ nennt er das. Söder spricht von einem „Bündnis der Vernunft“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.