FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Reisebuch :
Philosophie der Schwebe

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Reisebuch

Der in Köln lebende luxemburgische Schriftsteller Guy Helminger begab sich 2019 auf eine Lese- und Bildungsreise durch Brasilien. Seine Notizen zeigen vielschichtig die Gesichter des Landes: von der Copacabana und den Favelas der „älteren Diva“ und ehemaligen Hauptstadt Rio de Janeiro über europäische Einwanderergebiete im Süden bis zum Amazonasgebiet. Helminger zeichnet ein Kaleidoskop von überbordender Natur und karnevalesker Lebensfreude kontra Kriminalität, Korruption, Schutzgelderpressung und Drogenhandel. Statt touristischer Ziele porträtiert er Inklusionsprojekte für Benachteiligte wie die „Banco da Providência“ in Rio de Janeiro. Als Autor des Romans „Neubrasilien“ gilt sein besonderes Interesse Migranten und Minoritäten und etwa den von Deutschen besiedelten Gegenden um São Pedro de Alcântara. Dem ruralen Brasilien stellt er die futuristische Hauptstadt Brasília als „avantgardistische Philosophie, Beton schweben zu lassen“, entgegen. Viel Raum widmet der selbst atheistische Autor der Religiosität, der Volksreligiosität und als deren Teilbereich dem Fußballsport. Inszenierte Zeremonien in einem Indigenen-Dorf bei einer Amazonastour geben Anlass zu Gedanken über den Ausverkauf der Tradition als Laiendarsteller eigener Kultur. Helminger flicht immer wieder Zitate von brasilianischen oder brasilienaffinen Autoren ein – von Carlos Drummond de Andrade bis Stefan Zweig. Sein eigener Stil ist unprätentiös und vermag gerade deshalb stellenweise umso mehr zu funkeln, die Fotos fangen engagiert Kontrastwelten Brasiliens ein wie ein Elendsviertel vor der modernen Skyline von Manaus.

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