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Mitarbeitermotivation : Wenn die Krise die Arbeitsmoral frisst

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Schwache Ökonomie - schwache Motivation: Diesen Zusammenhang belegten nun Forscher in einer neuen Studie. Bild: picture alliance / dpa Themendie

In Wirtschaftskrisen leiden nicht nur die Arbeitslosen, sondern auch diejenigen, die ihren Job behalten. Sie geben nicht etwa mehr Gas, sondern werden unmotiviert und ideenlos, zeigt eine Studie am Beispiel Griechenlands.

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          Wer das Glück hat, trotz einer Wirtschaftskrise seinen Job zu behalten, der arbeitet mit einer extra Portion Engagement, so möchte man meinen. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinkt die Arbeitsmoral von Arbeitnehmern. Das ist das Ergebnis einer Studie zweier Frankfurter Sozialpsychologie-Professoren und eines Forschers aus Thessaloniki, die Arbeitnehmer vor- und während der ökonomischen Krise in Griechenland befragt haben.

          Wie Rolf van Dick, einer der Studienautoren im „Harvard Business Manager“ berichtet, gaben die Forscher in den Jahren 2011 und 2012 Fragebögen an Arbeitnehmer vieler unterschiedlicher Branchen aus. Die Daten konnten sie mit einer Befragung zwischen 2004 und 2007 vergleichen, in der sie identische Fragebögen verwendet hatten. Die Stichproben waren vergleichbar, da die teilnehmenden Personen jeweils ein ähnliches Alter, Geschlecht und ähnlich viel Berufserfahrung hatten.

          Das Ergebnis war verblüffend:  In den Krisenjahren waren die Befragten ihrem Arbeitgeber deutlich weniger verbunden und sie waren mit ihrer Arbeit viel unzufriedener als in den Jahren vor der Wirtschaftskrise. Die Forscher untersuchten auch die dahinterliegenden Gründe und fanden heraus, dass sich die Motivation der Mitarbeiter grundlegend verändert hatte: Die Menschen wollten viel stärker Risiken und Verluste meiden. Vor der Krise tendierten mehr Arbeitnehmer dazu, nach Gewinnen zu streben und dabei offen, kreativ und risikofreudig vorzugehen.

          Und – so hebt van Dick hervor – das waren sogar diejenigen Menschen, die trotz der Krise noch Arbeit hatten. Wie es bei jenen ausgesehen haben mag, die ihren Job verloren, vermag die Studie gar nicht zu sagen. Die Forscher folgern, dass Manager gerade in der Krise versuchen sollten, Mitarbeiter dazu zu bringen, neue Ideen zu generieren und sie auszuprobieren. Und sie glauben, dass es schwer ist, die Beschäftigten in ökonomisch harten Zeiten zu motivieren, da offenbar auch sie, denen es materiell vergleichsweise gut geht, unter der Krise leiden.

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