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Starke Niederschläge : Katastropheneinsätze und Zivilschutzalarm in Österreich

Faak Am See: Nach starken Regenfällen im Süden des Landes kam es zu Überschwemmungen rund um den Faaker See. Mehrere Seen im österreichischen Bundesland Kärnten sind über die Ufer getreten. Bild: dpa

Unwetter machen den Menschen in Österreich zu schaffen. Einige Orte sind zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten, in Südtirol entgleiste ein Zug. In Kärnten wurde bereits ein Toter geborgen.

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          Im Süden und Westen Österreichs haben die starken Niederschläge der vergangenen Tage dazu geführt, dass zahlreiche Häuser, Verkehrswege und Stromleitungen durch Lawinen und Muren beschädigt wurden. In Bad Kleinkirchheim (Kärnten) wurde ein Mann in seinem Haus durch eine Mure verschüttet und getötet. In Bad Gastein (Salzburg) konnten zwei Frauen gerettet werden, die in ihren Häusern ebenfalls von einer Mure verschüttet worden waren. Muren sind Lawinen von Schlamm und Geröll, die in steilem Gelände bei starker Nässe abgehen und gewaltige Kräfte entwickeln können. Die Häuser in Bad Kleinkircheim und Bad Gastein wurden zum Beispiel fast vollständig zerstört.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          „Die hintere Seite des Hauses ist total eingedrückt, es steht nur noch die Vorderfront“, sagte der Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim, Matthias Krenn. Er selbst habe sich zum Zeitpunkt des Murenabgangs etwa eineinhalb Kilometer entfernt befunden und einen lauten Knall gehört. Nach dem vermissten Hausbesitzer wurde mit Hilfe von Hunden gesucht, doch konnte der 79 Jahre alte Mann nur mehr tot aufgefunden werden. Offenbar habe er am Vormittag nach seiner Quelle sehen wollen, die sich etwa zehn Meter hinter dem Haus am Hang befand, teilte die Polizei mit. Gerade als er dort ankam, habe sich die Mure gelöst und den Mann mit sich gerissen.  

          In Bad Gastein hatte die Mure gegen Mitternacht ein Einfamilienhaus zerstört und die Trümmer auf ein darunter liegendes Haus geschoben. In jedem Gebäude war jeweils eine Frau verschüttet. Eine Bewohnerin konnte von der Feuerwehr rasch geborgen werden, die zweite erst nach etwa zwei Stunden. Die Rettungsarbeiten waren erschwert, weil der Hang weiter „in Bewegung“ war, wie die Feuerwehr mitteilte. Durch eine frisch gefallene Schneedecke verdeckt, sei Wasser „in den Hang“ geflossen, dadurch sei die Böschung oberhalb der Häuser gelöst worden.

          In den Bundesländern Kärnten, Salzburg, Tirol und Steiermark wurden an vielen Orten Katastropheneinsätze gefahren und Zivilschutzalarme ausgerufen. Gehöfte und Ortschaften mussten evakuiert werden.  In Kärnten wurden vor allem im Mölltal mehrere Straßen gesperrt, ferner die Tauernautobahn zwischen Spittal und Villach. Mehrere tausend Haushalte waren am Montag ohne Stromversorgung. Im Land Salzburg und in Osttirol fiel an vielen Orten die Schule aus. Mehrere Bahnverbindungen waren unterbrochen, etwa wurden die Tauernbahn durchs Gasteinertal, und viele Straßen gesperrt.

          Bekannte Urlaubsziele wie Zell am See, Bad Gastein oder Saalbach-Hinterglemm waren auf der Straße nicht erreichbar. Im hinteren Tiroler Stubaital waren seit Sonntag etwa 250 Gäste und Mitarbeiter beim Gletscherskigebiet eingeschlossen, weil eine Lawine die Straße unpassierbar gemacht hatte. Die Eingeschlossenen konnten die Nacht im Hotel bei der Talstation und in den Räumlichkeiten der Gletscherbahn verbringen. In den Gletscherskigebieten herrscht hohe Lawinengefahr, es wird daher dringend darauf hingewiesen, nur auf freigegebenen und gesicherten Pisten zu fahren. Aus dem steirischen oberen Murtal wurde eine „kritische“ Lage gemeldet.

          Die Schneefälle der vergangenen Tage sorgen in Teilen Österreichs für massive Gefahren und Behinderungen.

          Mehrere Personen mussten ihre Häuser verlassen. Muren und Schlammlawinen sowie Überflutungen des größten steirischen Flusses Mur richteten Zerstörungen an. Auch in Städten abwärts der Mur gab es Überschwemmungen. Im Südtiroler Pustertal entgleiste am  Montagmorgen ein Zug wegen einer Mure, doch kam dabei kein Mensch zu Schaden.

          In den kommenden Tagen wird mit deutlich weniger Niederschlag gerechnet. Meteorologen der österreichischen ZAMG wurden mit der Erwartung zitiert, dass es von Mittwoch an „nachhaltige Entspannung“ geben dürfte. Eine Häufung von Tiefdruckgebieten im Mittelmeer-Raum sei im Herbst üblich, wenn sich kalte Luft aus dem Norden mit der noch warmen Luft über dem Mittelmeer mische, hieß es. Die derzeit vor allem für den Süden Österreichs sehr feuchte Wetterlage halte sich aber schon lange, seit Anfang November, und die Niederschläge seien teils ungewöhnlich hoch.

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