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Taxibots : Den A380 zum Fliegen schleppen

  • -Aktualisiert am

Getestet und wohl bald für gut befunden: Taxibot mit Jet auf dem Frankfurter Flughafen Bild: Helmut Fricke

Gigantische Taxibots ziehen auf dem Flughafen Frankfurt auch die größten Flugzeuge in Position. Das spart eine Menge Kerosin. Um das Riesengespann zu lenken, müssen Pilot und Schlepperfahrer zusammenarbeiten.

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          Was ein selbständiger Landwirt mit einem 27 Tonnen schweren Schlepper auf dem Rollfeld des Frankfurter Flughafens zu suchen hat? Frank Vadder zeigt wortlos mit erhobenem Daumen hinter sich. Da hängt ein ausgewachsener Passagierjet der Lufthansa am Haken und wird auf seine Startposition gezogen: ohne Turbinenlärm, ohne Kerosinverbrauch, ohne Abgasbelastung – und mit rund 40 Kilometern in der Stunde überraschend zügig.

          In der Luftfahrt hat in den vergangenen Wochen eine kleine Revolution stattgefunden – und sie hat sich in Frankfurt ereignet, augenfällig in Szene gesetzt von drei Ungetümen, die an monströse Ackerschlepper erinnern. Irreführend ist nur ihr Name. Mit Robotern haben sie nichts zu tun. Gelenkt, rangiert und beschleunigt werden sie von einem Dutzend gründlich geschulter Chauffeure wie Frank Vadder.

          Gesteuert werden diese Test-Gespanne aus Zugmaschine und Flugzeug vom Pilotensitz des Jets aus. Der Flugkapitän im Cockpit hat über Funk auch im Taxibot das Kommando – und lenkt mit dem sogenannten „Tiller“ in seiner Pilotenkanzel das Bugrad des Flugzeugs und damit zugleich die Vorderachse des acht Meter langen und 800 PS starken Treckers.

          Wie ein Skateboard, das von einem Fön angetrieben wird

          Das Tempo auf dem Weg zur Startbahn oder von der Landebahn zum Gate regelt der Schlepperfahrer im Kontakt mit der Bodenkontrolle im Tower. Das Bremsen allerdings übernimmt allein der Jet-Pilot. „Denn wenn beim A380 mehr als 500 Tonnen nach vorne schieben, hält die so schnell nichts auf“, sagt Lufthansa-Ingenieur Thomas Killmaier. Selbst die acht Scheibenbremsen im Taxibot bringen eine solche Masse nicht zum Stehen. Das ist auch der Grund dafür, dass Flugzeuge am Boden bis jetzt nicht geschleppt werden dürfen, sondern nach dem „Push Back“, dem Verlassen der Parkposition, ihre Triebwerke anlassen und mit eigener Kraft (und im Notfall mit eigener Bremskraft) zum Start rollen. Wobei eine mittlere Boeing oder ein kleinerer Airbus für die am weitläufigen Frankfurter Flughafen nicht ungewöhnliche Schleppdistanz von vier Kilometern rund 200 Kilogramm Kerosin verbrauchen.

          Lieber ziehn als Kerosin: Der Weg zum Start und zum Gate soll billiger werden Bilderstrecke

          Wirtschaftlich sei es natürlich nicht, Hochleistungsturbinen, die eigentlich darauf ausgelegt sind, Flugzeuge in 10.000 Meter Höhe mit 900 Kilometern in der Stunde voranzubringen, für derlei Spazierfahrten einzusetzen, monieren die Techniker. Sondern so bizarr wie der lächerliche Versuch, einem Skateboard nur mit dem Gebläse eines Föns Vortrieb verschaffen zu wollen.

          Die Magnum-Version wiegt 51 Tonnen

          Landwirt ist Frank Vadder immer noch und gern, wenn auch nur in seiner Freizeit und nach Feierabend. Seit 2001 fährt er einen der Flugzeugschlepper am Frankfurter Flughafen und seit neuestem einen Taxibot, ein Exemplar aus der jüngsten Generation dieser ganz speziellen Trecker-Spezies. Natürlich hat er einen Lastwagen-Führerschein, und bereitwillig zeigt er den Fraport-Ausweis vor, der ihm gestattet, mit seiner wuchtigen Zugmaschine auch ein Flugzeug von den Ausmaßen eines A380 an der Landebahn abzuholen und vors Terminal zu schleppen. Der Schlepper, sagt Vadder, lenkt sich angenehmer als früher seine schwergängigen Ackergeräte. Denn immerhin hat das Monstrum ein automatisches Getriebe und fängt behutsam zu rollen an, wenn der Kapitän im Cockpit seinen Fuß von der Bremse nimmt.

          Der Taxibot ist seit fünf Jahren gemeinsam von Israel Aerospace Industries, Airbus, Lufthansa LEOS und dem französischen Schlepperhersteller TLD entwickelt worden. Seine ersten Testläufe hat er ausnahmslos am Frankfurter Flughafen absolviert, und noch in diesem Jahr sollen die Hightech-Schlepper ihre Serienzulassung bekommen. Danach wird es eine kleinere Variante des Schleppers für 1,5 Millionen Dollar und eine größere für drei Millionen Dollar geben. Die Magnum-Version ist mehr als 13 Meter lang, wiegt 51 Tonnen und hat zwei je 760 PS starke Diesel-Elektro-Motoren. Großraumflugzeugen wie dem Airbus A380 sei er problemlos gewachsen, versichern die Ingenieure der Lufthansa-Technik.

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