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Herzblatt-Geschichten : Eine Woche voller Zwietracht

Preisfrage: Welcher Körper ist hier der eines Mannes? Bild: dpa

Jeder gegen jeden: In den bunten Blättern schimpfen derzeit Ehepaare übereinander, genervte Parteifreunde und robuste Mütter. Aber eine keilt am heftigsten aus: Männerhasserin Alice.

          Immer dieses fromme Gerede, es ist doch kaum auszuhalten. „Es kann nicht jeder Tag voll Freude sein, doch jeder Tag kann voll Liebe sein“, predigt Bunte-Chef Robert Pölzer in seinem Editorial. Aber die Wahrheit ist: Gerade liegt jeder mit jedem im Clinch, und die bunten Blätter künden davon. Ehepartner kaschieren ihre wechselseitige Verachtung nur dürftig, Parteifreunde ziehen übereinander her, und Mütter fahren ihren Töchtern über den Mund. Die ganze Woche ist ein einziger dissonanter Akkord, lustvoll mit beiden Händen in die Klaviatur gedroschen. Also machen Sie sich eine Schüssel Popcorn, und lehnen Sie sich zurück: Es wird sehr, sehr hässlich.

          Etwa so hässlich wie der Motorradunfall des Schauspielers Ralph Herforth, dessen Ehefrau ihm danach die Pistole auf die Brust setzte. Herforth zitiert sie in Das Neue Blatt mit dem Ausspruch: „Du kannst es dir überlegen: Entweder fährst du weiter Motorrad, oder wir lassen uns scheiden!“ Prima, hätte Herforth antworten sollen, dann fahr’ ich weiter Motorrad, das kommt auch günstiger als eine Scheidung. Aber man weiß ja, dass wütende Menschen empfindlich reagieren, wenn man sie auf Inkonsistenzen in ihren Formulierungen aufmerksam macht, und niemand wird gern von seiner Ehefrau mit dem eigenen Motorrad überfahren, weil er sprachliche Haarspalterei betrieben hat. (Disclaimer: Journalisten riskieren das trotzdem, aber das ist eine Berufskrankheit und nicht zu empfehlen.)

          Sie ist ein Fulltime-Job, und er hat ihn angenommen: Judith Williams und Alexander-Klaus Stecher

          Große Liebe herrscht auch bei Grinsekatze Judith Williams und ihrem Mann Alexander-Klaus Stecher, der im Interview mit der Gala sagt: „Meine Frau ist ein Fulltime-Job!“ Er habe sich selbst für crazy gehalten, bis er sie kennengelernt habe. Ja, wenn man mit jemandem verheiratet ist, der „eigentlich den ganzen Tag performt, ohne es zu merken“, verschieben sich wohl die Relationen. Judith Williams selbst scheint das ganze Doppelinterview heiter lachend verbracht zu haben, aber ihre beste Geschichte erzählte sie Das Neue Blatt: wie sie mal versehentlich einen Heiratsantrag annahm, weil sie die Frage nicht verstanden hatte. Zur Hochzeit kam es jedoch nie. Es ist schließlich die Woche der Disharmonie!

          Theoretisch kann man durchaus unwissentlich in eine Ehe rutschen. Man kann ja auch unwissentlich schwanger sein, so wie Herzogin Meghan, bei der sich fast alle bunten Blätter darauf geeinigt haben, dass sie jetzt schwanger zu sein hat. Die Gala analysiert ihre angeblich kaschierende Kleidung, in Das Neue Blatt muss die Herzogin „verzweifelt um ihr Baby-Glück kämpfen“, und nur Frau im Spiegel hat offenbar das Memo nicht gelesen und ruiniert alles: „Fit auf High Heels“ heißt die Story, die Meghan sehr schlank und äußerst unschwanger zeigt.

          Muskeln entstellen Frauen wirklich völlig, das sieht man an Jennifer Lopez ganz deutlich.

          Aber natürlich sind Unklarheiten die Kirsche auf dem Klatschjournalismus. So wie Meinungsverschiedenheiten, die bei der IN auch unter Redakteurinnen ausgetragen werden, und zwar über die Muskeln von Jennifer Lopez. Grundkonflikt: Darf die das, solche Muskeln haben? Contra: „Muckis gehören für mich an einen Männerbody.“ Pro: „Flach-Hintern, die noch immer denken, dürr ist sexy, haben den Schuss nicht gehört!“ Gratulation – mit zwei derart entgegengesetzten Standpunkten so viele Körperformen auf einmal zu beleidigen, das kann nicht jeder. Wenn sogar Frauenzeitschriften vor allem Frauen verachten, was bleibt für die armen Männer? Wer soll die verachten?

          Die aussichtsreichste Bewerberin auf diese Stelle ist derzeit Alice, die Weltmeisterstute der Springreiterin Simone Blum. Die könne Männer wirklich so gar nicht leiden, erfahren wir in Das Neue Blatt. Aber Alice ist erst elf Jahre alt, sie wird sicher entspannter werden – so wie Ilse Aigner. Die wird in Frau im Spiegel mit den Worten zitiert, sie habe das Ringen mit Markus Söder um den Ministerposten aufgegeben, weil es ihr „zu blöd wurde“. Das kann man schon machen, aber dann ist es halt Markus Söder, dessen Büro die Bunte für eine Art Homestory besucht. Darin geht es um sein Lieblingsobst (Ananas), die Büsten in seinem Büro (König Ludwig II. in Gold und Franz Josef Strauß) und seine Vorliebe für die Raumfahrt: Fürs Foto trinkt der Herr Ministerpräsident aus einer „Star Trek“-Tasse. Alkohol hingegen trinkt er kaum, wie der Artikel verrät, „außer mal drei, vier Schluck im Bierzelt“. Söder, ein Dreiviertel-Abstinenzler! Der traut sich was – es sind Leute schon für viel weniger mit Schimpf und Schande aus Bayern verjagt worden. Aber da muss er halt an sich arbeiten, die Zeitschrift liefert passenderweise direkt Tipps gegen Kater von Promis, die kaum weiter auseinanderliegen könnten. „Am besten bekommt man gar nicht erst einen Kater und wenn, dann nur, wenn man am nächsten Tag freihat“, übt sich Hartmut Engler moralinsauer in Themaverfehlung. Ireen Sheer hingegen rät, am Morgen direkt mit Champagner oder Wein einzusteigen. Die beiden verstünden sich sicher super.

          Das Gleiche gilt für Michelle Hunziker, die in Bunte ein Interview mit ihrer lange entfremdeten Mutter Ineke gibt und von ihrem verbesserten Verhältnis schwärmt: „Sie hat sogar angefangen, mich zu umarmen.“ „Blödsinn!“, antwortet Ineke, und sofort gönnt man Michelle Hunziker den absurd feudalen Palazzo, in dem sie wohnt. Der ist wenigstens nur im Winter kalt.

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