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Tiffany Trump : Die ferne Präsidenten-Tochter

Tiffany Trump während eines Parteitages der Republikaner in Cleveland. Bild: AFP

Ivanka Trump hat jetzt einen offiziellen Titel und ihr Mann Jared Kushner soll sich um den Frieden in Nahost kümmern. Eines von Trumps Kindern wartet hingegen noch auf seinen Auftritt.

          In den Vereinigten Staaten ist die politische Klasse weiterhin recht ernsthaft damit beschäftigt, einem intellektuell so ehrgeizlosen und charakterlich volatilen Menschen wie Donald Trump eine funktionierende Präsidentschaft aufzubauen. Das mag am Ende sogar gelingen, selbst wenn Trumps erstes Gesetzesvorhaben, der Rückbau des Gesundheitssystems, vergangene Woche erst einmal in einem Desaster endete. „Trump ist nicht normal, aber das System um ihn herum ist es“, schrieb die politische Website „Vox“ gerade und zitierte den Mitarbeiter eines republikanischen Kongressabgeordneten mit den sarkastischen Worten: „Wenn wir unseren Nominierten für den Obersten Gerichtshof durchkriegen und einen Nuklearkrieg vermeiden, sind viele von uns bereit, das als Sieg zu betrachten.“

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Derweil haben die Angehörigen des Präsidenten-Clans jetzt offenbar ihre Positionen im System eingenommen. Lieblingstochter Ivanka hat nach einigem Zuwarten jetzt doch noch einen offiziellen Titel, „Assistant to the President“, so dass sie bei Angela Merkels nächstem Besuch ganz offiziell mit am Tisch sitzen darf; Trumps Lieblingsschwiegerkind Jared Kushner, der noch nie einen Job in der Regierung hatte, soll sich zukünftig nicht nur um den Frieden im Nahen Osten, sondern auch um die Effizienz der Regierungsbürokratie verdient machen. Wie ein aktueller Bericht des Weißen Hauses über das Vermögen von ranghohen Regierungsmitarbeitern zeigt, sind Ivanka und Jared 740 Millionen Dollar schwer; die wirtschaftlichen Interessenkonflikte des power couple sind ebenso wenig ausgeräumt wie die des Patriarchen, der seine beiden Söhne Don und Eric seine Firma führen lässt und versichert, er rede mit ihnen niemals darüber. First Lady Melania hat wenigstens damit begonnen, sich für den Umzug von New York nach Washington einen Mitarbeiterstab zusammenzustellen. Und sonst? War da noch jemand?

          Gleich doppelt gewählt

          Es ist das Schicksal von Tiffany Trump, 23, dass solche Fragen häufiger über sie gestellt werden. Die einzige Tochter aus Trumps Ehe mit der Schauspielerin und Fernseh-Celebrity Marla Maples, seiner zweiten von insgesamt drei, befindet sich da, wo man keinen aus ihrer Familie vermuten würde: in der zweiten Reihe. „Wer ist Tiffany Trump?“, fragte CNN noch vor einem Jahr, von der „vergessenen Tochter“ ist häufiger die Rede, vor allem weil Tiffany bei allen phänotypischen Ähnlichkeiten so deutlich im Schatten der zwölf Jahre älteren Ivanka steht.

          Als Fox News der Familie eine Dokumentation widmete, hieß es zu Trumps jüngster Tochter nur: „Da gibt es auch noch Tiffany Trump, die sich in der Öffentlichkeit eher zurückhält.“ Auch im Wahlkampf spielte sie kaum eine Rolle; beim Nominierungsparteitag hielt sie eine Rede, die über eine allgemeine Lobpreisung für den Kandidaten-Vater („Er motiviert mich, so hart zu arbeiten, wie ich kann“) aber nicht hinausreichte. Teil der politischen Debatte, wenn auch nur ein kleiner, wurde sie, als ihr Vater von weitverbreitetem Wahlbetrug im Land sprach, etwa indem Wähler sich an zwei verschiedenen Orten für den Urnengang registrieren lassen – und herauskam, dass dies nicht nur auf einige seiner eigenen Mitarbeiter, sondern auch auf Tiffany zutraf, die sowohl in New York als auch in Pennsylvania gemeldet war.

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