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Filmproduzent Philippe Bober : Little Joe groß machen

Er steht daneben und ist doch zentral: Philippe Bober (links) hat den Film „Little Joe“ produziert. Bild: EPA

Was macht eigentlich ein Produzent? Philippe Bober stellt in Cannes seinen neuen Film vor. Dabei rennt er über das Festivalgelände, führt zahllose Gespräche und bangt, dass kein Kritiker vorzeitig das Kino verlässt.

          Um Philippe Bober zu finden, muss man bis ins Herz des Festivals vordringen, in den Premierenpalast, zwei Stockwerke unter dem „Grandthéatre Lumière“, wo die Wettbewerbsfilme laufen. Hier, im Keller, haben Filmverleiher ihre Stände aufgebaut. An weißen Trennwänden hängen Plakate, die Filme bewerben, die es vielleicht niemals in ein Kino schaffen. Oder doch? Darüber wird hier verhandelt. Auf dem roten Teppich zwischen den Boxen und Ständen drängen sich Produzenten, Regisseurinnen, PR-Leute und Verleiher. Auf der Suche nach der deutschen Sektion dieses Marktplatzes findet man sich im L-Quadrant am Eckstand von „Coproduction Office“ wieder.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Philippe Bober hat die Produktionsfirma im Alter von 23 Jahren in Berlin gegründet. Er sitzt an einem Tischchen, ins Gespräch vertieft, trägt einen leichten schwarzen Wollpullover über weißem Hemd und eine schwarze Hose mit Bügelfalte – die Produzentenuniform. Das wellige Haar durchziehen graue Strähnen, ab und zu fährt er mit lässiger Geste hindurch, wie sie Franzosen sonst nur im Kino hinbekommen.

          Er wirkt etwas angespannt, es ist der erste Tag des Filmfestivals, sein Terminplan ist durchgetaktet. Als er 1988, ein Jahr nach Gründung seiner Firma in Berlin, zum ersten Mal in Cannes war, wusste er noch nicht, wie schwierig es ist, Filmrechte zu verkaufen. Doch er lernte dazu – und schlug einen Weg ein, der nicht ganz typisch ist für Filmproduzenten. „Ich habe vor der Firmengründung zwei Praktika gemacht. Eines beim WDR und eines bei einer Herstellungsleiterin, die die Finanzierung und Einreichung von 20 oder 30 Filmprojekten betreute“, sagt der gebürtige Franzose in fast akzentfreiem Deutsch.

          Eine lange Geschäftsbeziehung

          Da habe er gelernt, wie eine Produktionsfirma funktioniert. „Die Logik dabei ist, dass der Film auf jeden Fall innerhalb des Budgets fertiggestellt wird. Egal, wie gut oder schlecht er ist.“ Doch mit diesem Ansatz konnte er nicht viel anfangen. „Das ist mit meinem Charakter inkompatibel, weil ich ein Perfektionist bin“, sagt der Sechsundfünfzigjährige. Er wollte in der Lage sein, in der Produktion Geld zu verlieren und sich wegen der Qualität nicht an das Budget halten zu müssen.

          Also beschloss er, auch den Vertrieb zu übernehmen, Filme also nicht nur selbst zu produzieren, sondern auch selbst zu verkaufen und zu vermarkten. Für die Regisseure hat das Vorteile: „Ich arbeite jetzt mit Jessica Hausner 20 Jahre zusammen, das ist unser sechster Film“, sagt Bober. „Ich glaube, dass ich nur mit einem ihrer Filme Geld verdient habe. Das war ,Lourdes‘. Ihr neuer Film ,Little Joe‘ ist für sie eine wichtige Entwicklung, ohne dass sie dabei künstlerische Kompromisse eingehen musste.“

          An der Wand zeigt ein Plakat eine Szene aus Hausners Film, der im Wettbewerb um die Goldene Palme antritt. Bober hat „Little Joe“ produziert. Auf dem Bild ist eine Frau im Labormantel mit Mundschutz zu sehen, in einem Meer von wuscheligen Blüten, deren rote Spitzen schön und durch den Farbkontrast zum mintgrünen Mantel zugleich unheimlich wirken. Über solche stilistischen Mittel kann Bober aber gerade nicht reden: Er entschuldigt sich, eine private Filmvorführung stehe an, und er müsse einige Leute begrüßen.

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