https://www.faz.net/-gum-ah6gz

Clint Eastwood : Er macht immer weiter

Steht auch mit 91 Jahren sowohl hinter wie vor der Kamera: Clint Eastwood in „Cry Macho“ Bild: AP

Clint Eastwood ist mittlerweile 91 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er bislang nicht, gerade ist sein neuer Film gestartet. Doch wie hält er’s mit der Politik?

          2 Min.

          Wenn man bei einem Schauspieler die frühen Rollen als Prophezeiung für das Spätwerk lesen kann, dann ist es Clint Eastwood. In der Spaghetti-Western-Trilogie Sergio Leones spielte er einen Namenlosen, der wenige Worte knurrt, noch weniger Kugeln verschießt, aber wenn er den Revolver zieht, dann trifft er auch – deshalb ist er der Einzige, der am Ende noch steht.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Filmkritikerin Pauline Kael beschrieb ihn als „schlanken, zähen Heiligen, mit blauen Augen und struppigem Haar, dessen zerklüftetes, faltiges, verzerrtes Gesicht nur gelegentlich in ein schelmisches Grinsen ausbricht“. Die Beschreibung trifft auch mit 91 Jahren noch auf Eastwood zu. Er ist der letzte große Filmstar, der gar nicht daran denkt, mit dem Arbeiten aufzuhören. Gerade ist in den deutschen Kinos sein neuer Film „Cry Macho“ angelaufen.

          Einfach weiter machen

          Fürs Regieführen hat er anfangs viel Häme einstecken müssen. Ein Schauspieler, der lieber Körperhaltung als Dialog nutzt, will nun als Regisseur hinter die Kamera treten? Eastwood ließ sich von gehässigen Zwischenrufen nie beirren. Er tat, was sein Rache-Cop in „Dirty Harry“ getan hätte: Er machte einfach weiter; bis man sein Talent nicht mehr ignorieren konnte. Der Western „Erbarmungslos“ brachte ihm 1993 den ersten Regie-Oscar, das Box-Drama „Million Dollar Baby“ 2005 den zweiten.

          Clint Eastwood als Boxtrainer mit Hilary Swank in „Million Dollar Baby“
          Clint Eastwood als Boxtrainer mit Hilary Swank in „Million Dollar Baby“ : Bild: picture alliance / United Archiv

          So viel Haltung, wie er im Filmgeschäft zeigt, vertritt er auch, wenn es um Politik geht. Wegen Dwight D. Eisenhower ließ er sich als Republikaner registrieren und blieb der Partei treu bis zum Vietnam-Krieg. Seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs machte Eastwood zum erklärten Kriegsgegner. Das Thema ließ ihn auch in seinen Filmen nicht los, nur wurde seine Antikriegsbotschaft manchmal verkehrt verstanden, wie er in Interviews zum Scharfschützendrama „American Sniper“ seufzte. Republikaner hatten es als Film für den „War on Terror“ gefeiert.

          Dass seine Politik auf Vernunft und Eigenverantwortung, aber auch einer starken Gemeindschaft beruht, bewies er 1986, als er für zwei Jahre das Bürgermeisteramt der kalifornischen Kleinstadt Carmel-by-the-Sea antrat. Die 200 Dollar Monatsgehalt spendete er an das lokale Jugendzentrum. Er unterstützte kleine Geschäfte, förderte Umweltschutz, baute die örtliche Bibliothek aus. Seine politische Einstellung kehrte sich im Laufe der Jahre von den Republikanern ab, heute ist er als Mitglied der Libertären Partei eingetragen. Er unterstützte zwar 2012 noch einmal Mitt Romney, sprach sich aber während der letzten Präsidentschaftswahl für den Demokraten Michael Bloomberg aus. Donald Trump stieß ihn mit seinen beleidigenden Tweets ab. Auch diese Tugend scheint Eastwood von den Western-Rollen behalten zu haben: Besser man redet nicht viel und lässt lieber Taten sprechen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zapfenstreich für Merkel : Abschied mit Fackeln und Schlagern

          Mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr von Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt. Die Kanzlerin hält zwei Ratschläge bereit – und freut sich über Schlager aus Ost und West.
          Militärübung Zapad: Alexandr Lukaschenko Mitte September auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovsky

          Sorgen um die Ukraine : Lukaschenko droht für Putin

          Der Minsker Machthaber kündigt „Manöver“ mit Russland nahe der Ukraine an – und stellt sogar die Stationierung russischer Nuklearwaffen in Belarus in Aussicht.
          Tritt von der politischen Bühne ab: Sebastian Kurz am Donnerstag in Wien

          Österreichs früherer Kanzler : Wie lange ist Kurz weg?

          Österreichs früherer Kanzler Sebastian Kurz legt seine politischen Ämter nieder und spricht davon, dass er seine Begeisterung verloren habe. Ob es ein Abschied für immer sein soll, bleibt offen.