Wegen Treibstoffpreisen : Kreuzfahrt auf Lebenszeit abgebrochen – Passagiere gestrandet

Sie wollten ihr restliches Leben auf See verbringen – nun sind hunderte Passagiere der „Villa Vie Odyssey“ in Kambodscha gestrandet. Manche von ihnen sind nun obdachlos. Sie hatten sich eine Kabine auf Lebenszeit gekauft.
Sie hatten sich für ein komfortables Leben auf See entschieden: Doch für Hunderte Passagiere einer mehrjährigen Kreuzfahrt rund um die Welt hat die Tour nun unvermittelt in einem Hafen in Kambodscha geendet. Die Fahrt könne wegen der gestiegenen Treibstoffkosten nicht fortgeführt werden, teilte der amerikanische Betreiber der „Villa Vie Odyssey“ am Dienstag mit. Es werde gemeinsam mit den Passagieren an Plänen für die Ausschiffung und „vorübergehenden Unterbringungsmöglichkeiten“ gearbeitet.
Die Betreiber hätten den Gästen nur sieben Stunden Zeit gegeben, um ihre Sachen zu packen und das Schiff im Hafen von Sihanoukville zu verlassen, schilderte der stellvertretende Provinzgouverneur Long Dimanche am Mittwoch. Damit seien nun zahlreiche Rentner „tausende Meilen von ihren Heimatländern entfernt obdachlos zurückgelassen worden“, beklagte Dimanche. Insgesamt waren nach seinen Worten 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord des Kreuzfahrtschiffs, das nach einem mehrtägigen Stopp in Kambodscha eigentlich nach Vietnam hätte weiterfahren sollen.
Der Veranstalter erklärte, dass die Treibstoffkosten pro Kabine infolge des Irankriegs in einigen Teilen Asiens von 1800 Dollar auf zuletzt bis zu 8000 Dollar gestiegen seien. „Seit Beginn des Konflikts Ende Februar haben wir erhebliche Maßnahmen ergriffen, um den Treibstoffverbrauch zu senken, darunter die Verlangsamung der Fahrpläne und längere Aufenthalte in den Häfen“, so das Unternehmen. Die Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die Kosten zu kompensieren. Und die vollständige Weitergabe der Preiserhöhung an die Passagiere sei nicht möglich.
Schon die Abfahrt war um vier Monate verzögert
Das Angebot der „Villa Vie Odyssey“ richtet sich unter anderem an Menschen, die ihren Ruhestand auf See verbringen und dabei die üblichen Annehmlichkeiten einer Kreuzfahrt genießen möchten. Die Kabinen können gemietet, aber auch „gekauft“ werden. Die Kosten liegen bei 60.000 Dollar für eine fünf Jahre währende und bei 120.000 bis 440.000 Dollar für eine „permanente“ Residenz. Die jüngste Reise war der Website des Veranstalters zufolge auf 3,5 Jahre angesetzt. Dabei sollten fast 150 Länder besucht werden. Die bisherige Fahrzeit wurde mit 755 Tagen angegeben.
Der Passagier Randy Cassingham berichtete auf seinem Weblog, dass die Fahrt von Beginn an von einer „Kette von Problemen“ geplagt war. Schon die Abfahrt im nordirischen Belfast habe sich um vier Monate verzögert. Das Schiff habe nie seine maximale Auslastung von 650 zahlenden Gästen erreicht, stattdessen seien maximal 350 Passagiere an Bord gewesen. Zuletzt habe das Unternehmen die Bewohner regelrecht „um Geld angebettelt“. Ihm zufolge sind die Passagiere entgegen der Ankündigung des Unternehmens in Kambodscha auf sich allein gestellt. „Das Unternehmen hat absolut nichts unternommen, um uns zu helfen“, schrieb er. Viele der Passagiere fühlten sich „betrogen“.





