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Arizona : Staatsanwaltschaft will Todesstrafe für Debra Milke

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Debra Milke auf einem undatierten Foto des Gefängnisses in Arizona Bild: dpa

Nach mehr als 20 Jahren in der Todeszelle sollte Debra Milke entlassen werden. Ein Berufungsgericht hatte das zweifelhafte Urteil gegen die gebürtige Berlinerin aufgehoben. Nun will die Staatsanwaltschaft einen neuen Prozess.

          Das Justizdrama um die in einem zweifelhaften Mordprozess zum Tode verurteilte gebürtige Berlinerin Debra Milke geht weiter. Nach der Aufhebung des Urteils durch ein Berufungsgericht im März kündigte die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Arizona amerikanischen Medienberichten zufolge nun an, das Verfahren neu aufzurollen und Milke wieder wegen Mordes anzuklagen. Die Zeitung „The Arizona Republic“ meldete auf ihrer Internetseite, die Ankläger würden versuchen, für die 49 Jahre alte Milke zum zweiten Mal die Todesstrafe zu fordern. Auch der damalige Chefermittler, der Milke ein umstrittenes Geständnis abnahm, könnte in dem Prozess abermals aussagen.

          Milke war 1990 wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Sohn zum Tode verurteilt worden. Sie soll zwei Bekannte beauftragt haben, den vierjährigen Christopher zu töten - angeblich, weil ihr das Kind lästig gewesen sei. Die Leiche des Jungen war mit drei Kopfschüsse in der Wüste bei Phoenix gefunden worden. Mehr als 20 Jahre saß die Tochter eines amerikanischen Bürgers und einer Deutschen in der Todeszelle. Anfang 1998 waren die Vorbereitungen für ihre Hinrichtung bereits angelaufen, ehe ihre Anwälte in letzter Minute einen weiteren Aufschub erreichen konnten.

          Das Urteil gegen Milke stützte sich vor allem auf die Aussage des Polizisten Armando Saldate. Saldate hatte die Verdächtige alleine verhört, angeblich soll sie dabei ihre Beteiligung an dem Mord eingeräumt haben. Ein unterschriebenes Geständnis gibt es aber ebenso wenig wie Tonaufnahmen oder Zeugen. Milke beteuerte später ihre Unschuld. Die Geschworenen, die sie damals schuldig sprachen, erfuhren nicht, dass gegen Saldate eine lange Liste von Verfehlungen vorlag - darunter Falschaussage unter Eid.

          Mitte März kippte ein Bundesberufungsgericht in San Francisco das Todesurteil gegen Milke. Auch eine anschließende Berufung des Bundesstaates Arizona gegen diese Entscheidung schmetterten die Bundesrichter ab. Ihrer Ansicht nach bekam die gebürtige Berlinerin, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat, kein faires Verfahren. Amerikanischen Medien zufolge ordnete ein Gericht in Arizona am Montag schließlich an, dass Milke aus der Haft entlassen werden müsse, sollte ihr kein neuer Prozess gemacht werden. Wenige Stunden später habe die Staatsanwaltschaft erklärt, das Verfahren neu aufzurollen. Milkes Anwalt Michael Kimmerer sagte „Arizona Republic“, er werde sich darum bemühen, dass seine Mandantin gegen Kaution freikomme.

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