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Im Norden Lapplands : Geschichten von verlorener Freundschaft

  • -Aktualisiert am

Bild: Florian Siebeck

Ihre Kultur wurde geschändet, ihr Volk unterdrückt: Am nördlichsten Zipfel Europas kämpfen die Nachfahren der Rentierhirten um unterschlagenes Land – und gegen das Vergessen.

          6 Min.

          Die farblose Straße durch den Norden des Landes führt schon viel zu lange geradeaus. Dabei schlägt sie eine Schneise in den kargen Wald, dessen kümmerliche Triebe sich dem Eiswind längst ergeben haben. Zwischen all den kleinen Birken liegen Heidesträucher im Schnee begraben, und hie und da ragt eine Rotföhre heraus, die anmutig der Kälte trotzt. Sie nennen es Heimat, den Norden Lapplands, das Volk der Sonne und des Windes. Die Samen sind der letzte Urstamm Nordeuropas.

          Obwohl die Stadt Karasjok in ihrem Wappen drei lodernde Flammen trägt, liegen über der Stadt nur traurige Wolken. Die norwegische Kommune mit ihren knapp 2800 Einwohnern gilt als die Zentrum dieses letzten indigenen Volkes, und am Ufer des Flusses, der sie durchströmt, erwächst – zunächst ganz unscheinbar – ein monumentaler Bau aus sibirischer Birke. Sámediggi nennen sie ihn, er ist das autonome Parlament der Samen. Viermal im Jahr begeben sich 39 samische Abgeordnete aus Norwegen auf die lange Reise zum Sámediggi. Dort entscheidet sich die Haltung der Minderheit zu politischen Position aus Oslo. „Wir arbeiten hier letztlich wie ein Ministerium“, sagt Anders Hendrick, der schnellen Schrittes durch die holzvertäfelten Gänge führt, „obwohl wir uns natürlich nicht anmaßen würden, einen eigenen Minister zu stellen.“

          Mit den Wikingern kam die Repression

          Die Samen bewohnten Lappland schon, lange bevor Staatsgrenzen das heutige Norwegen, Finnland, Schweden und die russischen Kola-Halbinsel voneinander trennten. Sie waren einst Fischer, aber vielmehr noch ermöglichte die Rentierzucht ein Leben. Mit den Wikingern kam die Repression, die nahtlos von Schweden, Norwegern, Finnen übernommen wurde. Die Länder zwangen die Samen in die Knie. Sie mussten sich anpassen, wurden gezwungen Norwegisch zu sprechen, bis ihre Muttersprache fast gänzlich vergessen war. Anders Hendrick macht Halt an einigen Zeichnungen, die hinter Glas im langen Flur hängen. „Das sind die Bilder unserer ersten Versammlung. Das war 1917, sie sind erst vor kurzem entdeckt worden.“

          Im 20. Jahrhundert begannen die Samen, für ihre Rechte einzutreten. 1990 dann, nach langen Jahren, ratifizierte Norwegen als bisher einziges Land in Nordeuropa die Konvention Nr. 169 der International Labour Organization (ILO) über die verbindlichen Rechte von indigenen Völkern. Als König Harald V. das Sámediggi schließlich 1997 eröffnete, schämte er sich der Vergangenheit: „Der norwegische Staat wurde auf dem Territorium zweier Völker gegründet – der Samen und der Norweger. Heute drücken wir unser Bedauern über das begangene Unrecht durch die harte Politik der Norwegisierung aus.“

          Bilderstrecke

          Anders Hendrick eilt schnell voran, er würdigt die japanischen Designermöbel zwischen den Büros keines einzigen Blickes. „Da vorne ist es dann“, sagt er und „psst“, als er die Tür zum Plenarsaal öffnet, in dem die Abgeordneten in ihren traditionellen Gewändern debattieren. An den Farben dieser Gatkis,  die die vier Elemente symbolisieren, und am Schmuck der Trachten lassen sich Herkunft und Familienstand eines Samen ablesen. Längst sind die Gewänder nicht mehr aus Rentierleder gefertigt; als Materialien dienen jetzt Wolle, Baumwolle und sogar Seide. Auch die spitz zulaufenden traditionellen Schuhe sind mittlerweile wasserabweisend, trotzdem lassen sie die Politiker wie Weihnachtselfen aussehen.

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