https://www.faz.net/-gv6-9rrwz

Bezahlen im Internet : Paypal will in China Alipay und Wechat Pay die Stirn bieten

Bezahlen im Internet Bild: dpa

Peking öffnet sich erstem ausländischen Bezahldienst. Das Marktpotential gilt als immens.

          2 Min.

          Der amerikanische Bezahldienst Paypal darf als erstes ausländisches Unternehmen seine Geschäfte im chinesischen Markt für digitale Zahlungen aufnehmen. Um seinen Eintritt in das Reich der Mitte zu ebnen, habe sich der Anbieter aus San Jose an der nationalen Go Pay Information Technology mit 70 Prozent beteiligt, teilte Paypal mit. Für den Mehrheitseinstieg habe zuvor die chinesische Zentralbank grünes Licht gegeben.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Nachricht sorgt nicht nur unter Wettbewerbern, sondern auch in der internationalen Finanzszene für Aufsehen. Schließlich verschafft sich der börsennotierte Betreiber eines Online-Bezahldienstes, der nach eigenen Angaben über mehr als 192 Millionen aktive Nutzer in 200 Märkten verfügt, so direkten Zugang zum lukrativen Zukunftsmarkt. Das Volumen für Online-Bezahldienste in China, das sich vor allem auf die Begleichung von kleineren und mittleren Beträgen im Einzelhandel bezieht, legte allein gegenüber dem Vorjahr um stattliche 45 Prozent zu. Dies berichten Analysten. Dabei wird der Markt, der nach Schätzung umgerechnet rund 29 Billionen Dollar erreicht, bislang von zwei nationalen Anbietern dominiert: Den zum Onlinekonzern Alibaba gehörenden Bezahldienst Alipay sowie Tencent. Der chinesische IT-Konzern betreibt neben seinem sozialen Internetdienst Wechat auch den Bezahldienst Wechat Pay.

          Im Schatten von Alipay & Co.

          Im Gegensatz zu den Platzhirschen der Volksrepublik ist Gopay nur ein Anbieter, der heimischen Händlern Zahlungen ohne Kreditkarte über deren Internetseiten ermöglicht. Dabei steht der künftige Paypal-Partner im Schatten von Alipay und Wechat Pay, die Ende 2018 mit 54 Prozent, beziehungsweise 39 Prozent Marktanteil den Löwenanteil im digitalen Bezahlgeschäft Chinas bestritten. Um dem mächtigen Duo die Stirn zu bieten, will der Neueinsteiger aus Nordamerika binnen Monaten starten, da die Transaktion bis Jahresende formell besiegelt wird. Man freue sich zudem darauf, „mit Chinas Finanzinstituten und Technologie-Pattformen zusammenzuarbeiten und Unternehmen und Verbrauchern sowohl in China als auch weltweit umfassendere Zahlungslösungen anzubieten“, verbreitete Paypal in einer Botschaft über das Netzwerk Linked-In. Bei Investoren kam die Nachricht am Dienstag gut an. Im Nachgang der Bekanntgabe stieg der Aktienkurs von Paypal zeitweise um 2 Prozent.

          Peking hatte seinen Finanzsektor lange ausländischen Anbietern gegenüber abgeschottet. Von der Negativliste verschwinden heimische Schlüsselbranchen vorzugsweise erst dann, wenn der Kuchen schon verteilt ist und die Aussichten auf Wachstum für ausländische Neueinsteiger schwinden. Dennoch versuchten – neben Paypal – vor allem Kreditkartenanbieter wie Visa oder Mastercard über Jahre, Zutritt zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu erhalten.

          Weltoffen zum Jahrestag der Volksrepublik

          Anfang 2018 verkündete Peking, dass man den heimischen Markt für ausländische Bezahldienste öffnen werde, um den Wettbewerb im Privatkundengeschäft zu fördern. Den Worten folgen zu einer Zeit, in der die Volksrepublik China öffentlich ihren 70. Jahrestag feiert, endlich Taten. Die Manager von Paypal verweisen darauf, dass sich im breiten Windschatten von Alipay und Wechat Pay eine Reihe weiterer Apps für Bezahldienste etabliert haben. Zum Beispiel bestellen die Chinesen ihr Taxi über Didi Cuxing oder buchen ihre Reisen über den eigenen Bezahldienst Ctrip.

          Weitere Themen

          Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Topmeldungen

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren beschimpft der AfD-Politiker alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Pöbeleien.
          Baukräne stehen auf einem Baugrundstück neben neugebauten Wohnhäusern in Köln.

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.