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Vereinigte Staaten : Wahlergebnis drückt Dollarkurs

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Der Dollar ist die dominierende Währung der Welt. Bislang. Bild: Reuters

Der mehr oder weniger erwartete Wahlausgang in Amerika macht sich an den Finanzmärkten wenig bemerkbar. Längerfristig befürchten Volkswirte für Deutschland eher negative Auswirkungen.

          Die sich abzeichnende Niederlage der Republikaner bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus setzt dem Dollar am Mittwoch zu. Der Dollar-Index, der den Wert des "Greenback" im Vergleich zu sechs anderen fiel bis auf 95,8970 Punkte und liegt aktuell nur wenig darüber. Vergangene Woche hatte er mit 97,20 Zählern noch den höchsten Stand seit 16 Monaten erreicht. Der Euro notierte fester bei 1,1455 Dollar, nachdem er vor Handelsbeginn in den Vereinigten Staaten am Dienstag noch bei 1,14 Dollar gelegen hatte.

          In der längerfristigen Betrachtung ändert dies jedoch nicht viel an der jüngsten, seit April anhaltenden Dollar-Stärke. Der Dollar-Index war unter der Trump-Administration beständig von 103, 8 bis auf 88,25 Punkte gefallen, hatte dann aber von April bis Mai eine scharfe Wendung genommen.

          Die tendenzielle Kurzfristigkeit der jüngsten Abwertung des Dollar zeigt sich auch im Verhältnis zum japanischen Yen. Dieser wertete in den frühen Morgenstunden kurzzeitig bis auf 113,75 Yen für den Dollar auf, fiel dann aber wieder auf 113,125 Yen zurück. Für die Republikaner dürfte es nun schwieriger werden, ihre politische Agenda durchzusetzen, sagte Tomoaki Shishido, Währungsanalyst bei Nomura Securities.

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          Die asiatischen Aktienmärkte reagierten zunächst mit leichten Gewinnen auf das Wahlergebnis. Der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus sei vom Markt schon etwas eingepreist worden, sagte Chef-Investmentstratege Norihiro Fujito vom Broker Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Die Gewinne wären aber sicher größer gewesen, wenn die Republikaner neben dem Senat auch die zweite Kongresskammer gehalten hätten. So sei aber die Aussicht auf weitere Steuersenkungen und eine unternehmensfreundlichere Politik in den Vereinigte Staaten gesunken.

          Am Nachmittag in Japan gab der Leitindex Nikkei daher auch seine Gewinne wieder ab und schloss 0,3 Prozent tiefer bei 22.086 Punkte. Der breiter gefasste Topix verlor 0,4 Prozent auf 1652 Zähler. Auch die Märkte in China und Südkorea schlossen im Minus.

          Für Deutschland eher negativ

          Da große Überraschungen ausgeblieben seien, nähmen die Finanzmärkte den Wahlausgang gelassen, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank. Die Demokraten würden nun versuchen, dem Präsidenten das Leben so schwer wie möglich zu machen. Aus diesem Grund sieht Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sogar höhere Risiken für Deutschland und Europa im Handelskonflikt. „Wenn Trump künftig innenpolitisch weniger frei agieren kann, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass er im Bereich der Außenwirtschaftspolitik - wo er weitgehend freie Hand hat - umso entschiedener auftritt. So kann er die geringer gewordenen Handlungsoptionen in der Innenpolitik ausgleichen.“

          Krämer rät, Trump den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die EU müsse bereit sein, Zölle deutlich zu senken. So könnten die Autozölle auf das niedrige amerikanische Niveau gedrückt werden. Auch sollten die Nato-Verpflichtungen, wonach zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung ausgegeben werden sollten, erfüllt werden.

          Der deutsche Aktienmarkt wird zur Eröffnung dennoch gut behauptet erwartet. Die Wahlen seien kein Stolperstein. Ein Marktbeobachter betonte, es sei nicht wie in anderen weltpolitischen Fragen um "Hopp oder Topp" gegangen, eine größere Kursreaktion sei daher unwahrscheinlich. Die amerikanischen Börsen hatten am Dienstag höher geschlossen. Der S&P-500 legte 0,6 Prozent auf 2755 Punkte zu.

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