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RWE : Enkraft lässt beim Kohleausstieg nicht locker

Keine ideale Wohnlage: Am Braunkohlekraftwerk der RWE Power AG in Niederaußem Bild: Imago

Der Energiekonzern RWE muss sich mit einem aufmüpfigen Aktionär herumschlagen. Enkrafts Forderung: RWE soll schneller die Braunkohle losschlagen.

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          Wir haben überhaupt keinen konkreten Zeithorizont“, sagt Enkraft-Capital-Geschäftsführer Benedikt Kormaier im Gespräch mit der F.A.Z. Spätestens mit dieser Ansage dürfte RWE klar sein, dass die Diskussion um ihre Braunkohleaktivitäten so schnell nicht endet. Kormaier und sein Berater, der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Thomas Schweppe, haben sich einer Mission verschrieben: RWE soll schneller als bisher geplant die Braunkohleaktivitäten abspalten. Dafür hat Schweppe auch einen Grund: „Der Konzern ist an der Börse massiv unterbewertet.“ Das will das Duo ändern und hat dazu an den Vorstand einen Brief adressiert. Die Forderung: Macht schneller! RWE entgegnet, dass der Ausstieg längst beschlossene Sache sei, man einen solchen Schritt aber nicht beliebig schnell vorziehen kann. Das sehen Kormaier und Schweppe anders. „RWE wird im Vergleich zu ihrer Peergroup, also zu ähnlichen Energieunternehmen, sehr viel schlechter dastehen. Zeit ist ein entscheidender Faktor. Es liegt an RWE, jetzt Strukturvorschläge zu machen“, sagt Kormaier.

          Verdoppelung des Aktienkurses?

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Eine Konzentration auf erneuerbare Energien könne den Aktienkurs in etwa verdoppeln, hatte Enkraft Capital in einem ersten Brief an den RWE-Vorstandsvorsitzenden Markus Krebber vor einigen Wochen geschrieben. „RWE hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, eine für den Konzern schlüssige Strategie zu formulieren und umzusetzen, wie das Unternehmen die Umstellung von einem großen konventionellen Energieerzeuger zu einem führenden Erzeuger von EE (Erneuerbaren Energien) bewerkstelligen kann“, hatte es geheißen. Inzwischen hat RWE die Quartalsergebnisse vorgelegt und für die Aktionäre einen Kapitalmarkttag gegeben. Das Thema „Umgang mit Braunkohle“ wurde dabei ausgespart – aus Sicht von Kormaier und Schweppe enttäuschend. „Zu einem gewissen Grad war der Kapitalmarkttag eine Themaverfehlung: das wichtigste strategische Thema, die Einstellung und Loslösung von den Braunkohleaktivitäten, bleibt weiterhin unerwähnt“, kommentierte Kormaier den Investorentag und legte im Gespräch mit der F.A.Z. nach. „Weltweit liegt höchster Fokus auf der radikalen Reduzierung des CO2-Ausstoßes. Der RWE-Vorstand scheint die Dringlichkeit noch nicht hinreichend erkannt zu haben.“

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          Nun wird sich RWE wohl auf neue Post gefasst machen müssen. RWE hält sich bisher an den von der nun noch geschäftsführenden Bundesregierung ausgehandelten Kohlekompromiss, der den Fahrplan festlegt und RWE rund 2,6 Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen zusichert. Als Zwischenziel hat sich RWE dabei verpflichtet, schon bis 2030 rund zwei Drittel seiner Braunkohlekapazität aus dem Markt zu nehmen. Möglicherweise kommt nun aber neue Bewegung in die Sache. Das „Handelsblatt“ hatte in der vergangenen Woche darüber berichtet, dass die neue Bundesregierung den Plan für eine Art Kohlestiftung verfolgen könnte, eine Idee, die auch von IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis ins Spiel gebracht wurde.

          Als Vorbild könnte die RAG-Stiftung dienen, die 2007 gegründet worden war, um den Steinkohlebergbau abzuwickeln und sich um die Ewigkeitslasten zu kümmern.

          Aktivistische Aktionäre wie Enkraft nutzen derzeit das Momentum, wenn Argumente aus Shareholder-Value-Perspektive und aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zusammenfallen. Die Nachhaltigkeit, der Klimaschutz im Besonderen, genießt derzeit eine große Aufmerksamkeit. Die Beteiligung der Grünen an der neuen Bundesregierung dürfte dafür ebenso als Zeichen dafür gewertet werden können wie die Aufmerksamkeit, die Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future erfahren.

          „Aktiv“ statt „aktivistisch“

          „Wir selbst sehen uns gar nicht so sehr als aktivistischen Aktionär“, sagt Kormaier. „Aktiv trifft es besser.“ Dem Begriff „aktivistisch“ haftet an, dass die Aktionäre sich nur deswegen für eine Sache so einsetzen, weil sie auf einen kurzfristigen Erfolg ihrer Aktion spekulieren und dann das Objekt der Begierde schnell wieder verlassen. „Es wird so getan, als seien unsere Ziele total beliebig. Tatsächlich sind wir seit Jahren in diesem Bereich unterwegs“, sagt Kormaier und ergänzt: „Ich bin kein Fondsmanager, ich investiere eigenes Geld.“ Kormaier verantwortet neben seinen Aktivitäten bei Enkraft auch ein signifikantes Portfolio von Wasserkraftwerken sowie Wind- und Solarparks. Die Familie entwickelt, baut und betreibt seit den 1990er-Jahren Erneuerbare-Energie-Anlagen.

          2019 trat Enkraft beim Windkraftentwickler PNE auf den Plan. Der Infrastrukturfonds der Investmentbank Morgan Stanley wollte PNE für 4 Euro die Aktie übernehmen und anschließend von der Börse nehmen. Viel zu wenig, fand Enkraft. Am Ende blies Morgan Stanley die Übernahme ab und wurde lediglich Großaktionär. Auch Enkraft Capital ist weiter engagiert. Bei dem deutschen Energieunternehmen Energiekontor konnte Enkraft bisher keine Veränderungen durchsetzen, die Aktien wohl aber mit hohem Gewinn verkaufen.

          Enkraft engagiert sich in der Regel nur mit relativ kleinen Aktienpaketen an den Unternehmen. Bei RWE sind es etwas mehr als 500 000 Papiere. Scheinbar wenig angesichts der mehr als 672 Millionen ausstehenden Aktien des Energieriesen. 500 000 ist aber durchaus eine wichtige Schwelle im Aktienrecht. Paragraf 122 Absatz 2 regelt nämlich, dass „Aktionäre, deren Anteile zusammen den zwanzigsten Teil des Grundkapitals oder den anteiligen Betrag von 500 000 Euro erreichen, verlangen (können), dass Gegenstände auf die Tagesordnung gesetzt und bekannt gemacht werden“. Damit hätten andere Aktionäre die Möglichkeit, auf Enkrafts Zug mit aufzuspringen.

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